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Sylter Rundschau

25. März 2017 | 14:42 Uhr

Sylter Künstler Ingo Kühl : Aus dem Geist der Phantasie

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Der Keitumer Künstler Ingo Kühl präsentiert ab morgen seine Werke sowie einen neuen Bildband zu 35 Jahren „Architektur-Phantasien“.

„Architektur ist für mich ein Schöpfungsprozess des Unbewussten“, sagt Ingo Kühl, der vielen Kunstfreunden als Maler und Grafiker bestens bekannt ist. Doch der bildende Künstler befasst sich seit Jahrzehnten auch intensiv mit der Architektur – denn das ist seine ursprüngliche Profession. Der 62-Jährige hat von 1973 bis 1982 Architektur an der Fachhochschule Kiel und der Hochschule der Künste in Berlin studiert. Ab Freitag dieser Woche blickt Ingo Kühl auf fast vier Jahrzehnte seiner „Architektur-Phantasien“ zurück und präsentiert in seinem Keitumer Atelier einen umfangreichen Bildband mit einem Werkverzeichnis aller Zeichnungen, Ölbilder und Skulpturen – außerdem zeigt der Künstler ausgewählte Originale zum Thema Architektur. Neben der Normal-Ausgabe der „Architektur-Phantasien“, die in einer Auflage von 300 Exemplaren erscheint, gibt es auch eine, auf nur 20 Exemplare limitierte Exquisit-Version des Bildbands, der in einer Kassette ein Siebdruck-Katalog mit zwölf handkolorierten Zeichnungen aus dem Jahr 1981 beigelegt ist.

„Träume, Phantasien, Märchen, Mystik, Dämonen, Rausch, Ekstase, Irrationalität, Mythos, Utopie und Visionen – das ist meine Welt. Die Welt, in die ich hineintauche, die mich taumeln macht, aus der mich nur die Vernunft retten kann und mir Orientierung gibt, damit ich nicht untergehe in diesem Chaos, diesem Urzustand allen Seins.“ Diese emotionalen, sehr persönlichen Sätze schrieb der Künstler bereits 1979 an einen italienischen Freund. Jetzt schaue er auf all seine Zeichnungen, Ölbilder und Plastiken, die sich aus jener Zeit des Übergang aus der Architektur zur Malerei herausgebildet haben: „Ich spüre noch immer dieses Drängen, sie umzusetzen ins Dreidimensionale“, erzählt Ingo Kühl. „Als Maler möchte ich bauen – das war, ist und bleibt mein großer Wunsch. 35 Jahre später bin ich meinem Ziel, ein Gesamtkunstwerk zu schaffen, zumindest ein klein wenig näher gekommen.“ Aber natürlich träume er noch immer davon, dass seine künstlerischen Architektur-Entwürfe einmal umgesetzt werden: „Ich kann mir gut eine bewohnbare Skulptur als Haus vorstellen, zwanzig, dreißig Meter hoch, mit Fenstern, Terrassen und Balkonen“, sagt der Keitumer Künstler. „In meinem rauschhaft-visionären Übermut habe ich vor gar nicht so langer Zeit in Berlin sogar mal Skizzen für den Neubau des Bundeskanzleramtes gezeichnet.“

Für Heinz Spielmann stehen Kühls „phantastische Ideen für eine utopische Architektur“ in der Tradition großer Vorbilder aus der künstlerischen Epoche der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. In seinem Vorwort zu dem Bildband schreibt der renommierte Kunsthistoriker und langjährige Direktor des Landesmuseums Schleswig-Holstein: „Zu Ingo Kühls Ahnen gehört der in Itzehoe sesshaft gewordene Böhme Wenzel Hablik mit seinen Kritall-Architekturen für menschliche Bewohner auf fernen Planeten und deren Licht-Energien von schaffenden Kräften. Kühl führt die zeichnerischen Ideen seiner Gegenwart auf die Geburtsjahre der Moderne zurück. Er versteht sich als Erbe einer zu wenig bekannten Tradition“, so Spielmann. „Es sind keine ‚wirklichen Architekturen‘, sondern freie Kompositionen, die nach architektonischen Gesetzen aufgebaut sind. Der Gegensatz zu dieser wirklichen Architektur sind sind unwirkliche Bauten, also Architekturen aus dem Geist der Phantasie.“

Wer Kühls Werk aus Gemälden, Aquarellen, Zeichnungen und Skizzenbüchern kenne, werde leicht herausfinden, in welcher beziehung diese zu den plastischen Architektur-Entwürfen stehen, so Spielmann. „Hier wie dort gilt das Augenmerk des Künstlers der Veränderung, der schnellen oder langsamen Bewegung, der aufspritzenden Gischt.“ Spätestens hier wird wohl der Einfluss der Insel auf das Werk des Künstlers deutlich.

 


Architektur-Phantasien, Buchvorstellung und Ausstellungseröffnung, am Freitag, 24. April, ab 18 Uhr. Atelier Ingo Kühl, Keitumer Süderstraße 42 in Keitum, Telefon: 04651-8892070

 

 

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erstellt am 23.Apr.2015 | 05:52 Uhr

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