zur Navigation springen

Sylter Rundschau

09. Dezember 2016 | 22:17 Uhr

Stiftung Klingelknopf : Auf Sylt Selbstbewusstsein tanken

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die Stiftung Klingelknopf bietet Hilfe für junge Menschen mit Neurofibromatose. Ein Seminar im Klappholttal stärkt ihr Selbstbewusstsein.

Ohrenbetäubender Lärm dringt aus dem kleinen Häuschen im Klappholttal/Akademie am Meer: „Holzschuh-Kalle“ ist mit Sack und Pack extra von Föhr nach List gekommen, im Gepäck alle wichtigen Materialien, um Leder eigenhändig zu prägen. Zehn Kinder und Jugendliche aus ganz Deutschland sitzen gemeinsam an Tischen und hauen kräftig mit dem massiven Holzhammer auf die Stempel.

Immer an der Seite der jungen Handwerker sind Ingrid Heinsen und ihr Mann Hans-Norbert von der Stiftung Klingelknopf aus Hamburg. Sie haben das Medien- und Kreativseminar in der Akademie am Meer ins Leben gerufen und sind bereits zum fünften Mal hier. Die Kinder und Jugendlichen, die hier konzentriert Armbänder, Haarspangen und Schlüsselanhänger verzieren, eint alle das gleiche Schicksal: Sie leiden unter Neurofibromatose, einer unheilbaren Krankheit, die zu starken Entstellungen führen kann (siehe Infokasten).

Es ist eine Krankheit mit der man alt werden kann. Sehen Sie mich an!“, sagt Ingrid Heinsen sie und lacht. Das sei allerdings nur die eine Seite, „man kann auch sehr früh sterben“. Bei Ihr wurde die Krankheit mit 42 Jahren diagnostiziert und sie weiß, wovon sie spricht. „Die Kinder und Jugendlichen leiden wirklich sehr unter dieser schrecklichen Krankheit“, erzählt sie, „es tut unterschiedlich weh, aber es ist einfach eine Entstellung und die Stigmatisierung sehr groß. Viele werden in der Schule gemobbt.“

Die Tür springt auf und eine junge blonde Frau stürmt fröhlich herein. „Das ist unsere Sabine, ein bisschen unser Paradepferd“, sagt Heinsen und beide lachen. Sabine lebt seit über drei Jahren auf Sylt und hat hier eine dreijährige Kochlehre bei Holger Bodendorf absolviert. Heinsen ist wahnsinnig stolz auf Sabine, da sie der beste Beweis dafür ist, dass „auch mit dieser Krankheit ein normales Leben möglich ist“.

Dass Sabine heute so selbstbewusst auftritt, hat auch mit Ingrid Heinsens Engagement zu tun, für das sie 2014 sogar mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde. „Wir stärken hier das Selbstbewusstsein der jungen Leute und sie können etwas mit nach Hause nehmen. Wir basteln unter anderem Tabletts, Schachteln oder Ketten. Viele fahren nach Hause und wissen, ‚ich kann etwas!‘ Das ist für sie sehr wichtig.“

Die fünf Tage auf Sylt werden dem Verein, der sich von Spenden finanziert, von Radio Hamburg gezahlt, 50 Prozent der Übernachtungskosten übernimmt der Verein Freunde der Uthlandekinder, Und für die jungen Leute ist es eine tolle Abwechslung: „Hier können wir uns mit Gleichaltrigen austauschen und fühlen uns mit der Krankheit einfach besser verstanden“, sagt Michelle (20).

Ingrid Heinsen freut sich über den Zusammenhalt der Teilnehmer. Ihr sei wichtig, dass man „bei dieser schrecklichen Krankheit auch über etwas Positives berichten kann“. Denn generell müsse auf die Neurofibromatose aufmerksam gemacht werden, eine Krankheit, die bisher noch viel zu wenig Menschen kennen.

Infos: www.stiftung-klingelknopf.de

zur Startseite

von
erstellt am 15.Okt.2016 | 05:46 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen