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Sylter Rundschau

26. März 2017 | 11:04 Uhr

Geburtshilfe : Asklepios wehrt sich gegen Vorwürfe

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Gefahr für Leib und Leben: Geburtshilfe auf Sylt mit nur einem Gynäkologen zu betreiben, ist nach Ansicht von Asklepios unverantwortlich.

Sylt | Nachdem sich der Ton  in der Sylter Kommunalpolitik gegenüber Asklepios bereits am Freitag verschärft hatte und das Streitthema Geburtshilfe mit einer Resolution nun seinen vorläufigen Höhepunkt erreichte, nimmt der Konzern jetzt Stellung zu dem Schreiben der Sylter Spitzenpolitiker: „Die Klinik hält nur eine Belegabteilung vor, dass heißt sie stellt nur die Infrastruktur, Ärzte und Hebammen rechnen direkt mit den Krankenkassen ab. Diese Infrastruktur wird weiterhin kostenlos angeboten, gerne auch jedem, der die Geburtshilfe auf Sylt betreiben möchte“, versicherte Konzernsprecher Dr. Franz Jürgen Schell.

Nach Ansicht von Asklepios ist der Mangel an Frauenärzten eines der Hauptprobleme: „Gefahr für Leib und Leben entsteht nicht durch den Wegfall, sondern wenn ohne die notwendigen Mindestmengen und Strukturanforderungen mit einem einzigen Belegarzt Geburtshilfe betrieben wird. Das ist medizinisch unverantwortlich“, heißt es aus der Konzernzentrale.

Bei rund 80 Geburten pro Jahr fehle jegliche Übung für komplizierte Eingriffe oder Kaiserschnitte. Eine solche Geburtshilfe erfülle nicht die medizinischen Standards, verstoße gegen die Leitlinien der Fachgesellschaft und sei ein Risiko für Mütter und Kinder. „Eine neue pädiatrische Abteilung zu fordern, ist in der Zeit, in der Politiker die Schließung von Kliniken ankündigen, geradezu absurd“, so Schell.

Das öffentliche Ringen um die Geburtshilfe auf Sylt ist auch in den überregionalen Medien nicht unbemerkt geblieben: So greift die Zeitung Die Welt am Beispiel Sylt die Problematik der teuren Versicherungen für Hebammen und Gynäkologen auf: „Hebammen verdienen durchschnittlich 8,50 Euro die Stunde. Die Prämie für die Haftpflichtversicherung macht etwa ein Fünftel ihres Jahreseinkommens aus“ schreibt die Zeitung am 19. November. Die Prämien für die Berufshaftpflichtversicherung für Ärzte und Hebammen in der Geburtshilfe habe sich in den vergangenen zehn Jahren verzehnfacht, heißt es in dem Artikel weiter. 2012 sei sie von 3600 Euro auf 4200 Euro pro Jahr gestiegen. Nur noch ein Versicherungskonsortium biete diese Art der Haftpflichtversicherung an. Der Makler Securon habe nun angekündigt, dass die Beiträge zum Juli 2014 erneut um mehr als 20 Prozent erhöht werden.

Auch die tageszeitung (taz) hat sich des Themas angenommen und zitiert am 18. November die Vorsitzende des Berufsverbands der Frauenärzte in Schleswig-Holstein, Doris Scharrel im Zusammenhang mit dem Plan der Nordseeklinik, dass die Hebammen ohne gynäkologische Unterstützung arbeiten sollen: „Das ist absolut hirnrissig, es kann nicht angehen, dass das Leute ohne Fachkompetenz machen.“

Auch im sozialen Netzwerk Facebook ist Bewegung in Sachen Geburtshilfe: Hier formierte sich in der Gruppe „Keine Geburten, keine Kinder, keine Zukunft“ der Widerstand gegen die Schließung der Geburtenstation. Bisher unterstützen 1129 Menschen diese digitale Initiative.

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erstellt am 26.Nov.2013 | 06:00 Uhr

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