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Sylter Rundschau

08. Dezember 2016 | 19:07 Uhr

Die Ärzte in Westerland : Als der Punk auf die Insel kam

vom

Das vermeintliche Abschiedkonzert der Band Die Ärzte ("Westerland") sorgte auf Sylt vor 25 Jahren für Aufregung.

Westerland | "Wir waren damals ja völlig unvorbereitet", erzählt Jörg Elias. Beim vermeintlichen Abschiedskonzert der Punkband Die Ärzte heute vor 25 Jahren war der heutige Veranstaltungsleiter des Insel Sylt Tourismus-Service (ISTS) als Veranstaltungsassistent dabei.
"Wir wussten nur, dass das die Truppe ist, die das Lied Westerland geschrieben hat, keiner kannte die." Erst zwei Wochen vor dem Konzert der zusammen mit den Toten Hosen heute erfolgreichsten deutschen Punkrock-Band im Neuen Kursaal erzählte jemand der Kurverwaltung, da handele es sich um eine ganz wilde Truppe. "Auf einmal hieß es, wir bräuchten ein großes Aufgebot von Polizei und Rotem Kreuz, einige Songs seien sogar von der Bundesprüfstelle verboten", erinnert sich Elias. Aus "irgend einem Konzert von irgendeiner Band" wurde plötzlich das erste Punk-Rock-Konzert, das Sylt in dieser Größenordnung bis dahin gesehen hatte.

"Verrückte, bunte Kamm-Frisuren"

Die Polizei orderte Verstärkung vom Festland und das Rote Kreuz baute sicherheitshalber ein Lazarett auf "So etwas war für uns komplett neu", erklärt Jörg Elias, der bei dem Konzert mit den Sicherheitsfragen betraut war. "Es kamen etwa 1500 Leute, darunter auch viele Hardcore-Fans mit verrückten, bunten Kamm-Frisuren, die alle per Leibesvisite überprüft wurden, bevor sie in den Saal kamen". Auf jeder Bühnenseite hätte es zwei Lautsprechertürme "bis an die Decke" gegeben, erinnert sich der damals 25-Jährige. Das Restaurant Seegarten, in dessen Räumen heute das Luzifer untergebracht ist, beschwerte sich schon bei den Proben über die Lautstärke. "Da mussten wir Matten vor die Türen legen, sonst wären die Erbsen von den Tellern gehopst."
Am Ende lief es zur Überraschung aller Beteiligeten relativ ruhig ab. Es gab keine Randale oder Verletzte und auch der Saal musste nach dem Konzert nicht komplett renoviert werden, wie einige befürchtet hatten. "Allerdings wurden immer wieder bewusstlose Mädchen zu uns rüber gereicht, denen das alles wohl zu viel war", erzählt Elias. Auch die Manuela Karac hat gemischte Erinnerungen an das Konzert: "Die Stimmung war gigantisch, trotzdem hatte man oft ein mulmiges Gefühl, weil es so ein agressionsgeladenes Miteinander war. So stieg Farin Urlaub oben auf die Empore, von wo er sich mitten ins Publikum stürzte." Stagediving war - zumindest auf Sylt - geboren.

Verbotene Lieder ohne Text gespielt

Das Verbot, mit dem damals einige Lieder der selbst ernannten "besten Band der Welt" belegt worden waren, umgingen Farin Urlaub, Bela B. und Hagen geschickt: "Sie spielten nur die instrumentalen Versionen und die Fans sangen dann die Texte lautstark mit", sagt Jörg Elias. Absoluter Höhepunkt sei aber das Lied "Westerland" gewesen, "das zu dem Zeitpunkt im Radio rauf und runter lief".
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Haufenweise Gerüchte ranken sich auf der Insel um das Konzert. Da wird davon erzählt, dass die Polizei das Konzert habe abbrechen lassen und dass die Band im Hotel Miramar gepöbelt und Groupies mit auf die Zimmer genommen habe. Nicolas Kreis, Inhaber des Hotels, hat dagegen recht friedliche Erinnerungen an die Ärzte. An eine wilde Party kann er sich nicht erinnern. "Das waren ganz liebe Jungs, die kamen teilweise mit ihren Müttern angereist." Von ein klein wenig Rockstar-Allüren erzählt aber dann doch der Sylter Architekt Hans Henning Lehmann. Er hat damals keine Karten für das Konzert mehr bekommen. Dafür begegnete ihm der Frontsänger Farin Urlaub bei McDonalds: "Er hatte einen Ghettoblaster dabei und hat den auch nicht leiser gestellt, obwohl ihn eine Bedienung drum gebeten hatte."

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erstellt am 10.Jul.2013 | 09:09 Uhr

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