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Sylter Rundschau

07. Dezember 2016 | 13:42 Uhr

Westerlands Feuerwache : Alles übertrieben?

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Baumängel an der neuen Feuerwache – nun weist Marcus Kopplin Vorwürfe gegen das KLM zurück. Störungen würden abgearbeitet, Mängel zeitnah abgestellt.

Baumängel am neuen Feuerwehrgerätehaus der Gemeinde Sylt beschäftigten am Montag Abend den Wohnungsbauausschuss. „Sylts schicke Wache schockt mit Mängeln“ – diese Überschrift über den Bericht vom Feuerschutzausschuss wollte KLM-Chef Marcus Kopplin nicht auf sich und seiner Abteilung sitzen lassen. Fakt sei, dass es fünf Mängel gibt, von denen vier zeitnah abgearbeitet würden.

Lediglich die nicht eingebaute Dämmung werde mehr Zeit beanspruchen, erklärte der Geschäftsführer des kommunalen Liegenschafts-Managements, weil erst die rechtliche Situation zu klären sei. Kopplin wies darauf hin, dass das KLM von der Gemeinde beim Neubau der Feuerwache lediglich mit der Projektsteuerung betraut gewesen sei. Die Bauleitung habe ein beauftragtes Architekturbüro übernommen. „Insofern war es nicht die Aufgabe des KLM, vor Ort die ordnungsgemäße Umsetzung der Baumaßnahmen sicherzustellen.“

Kopplin wollte auch nicht den Vorwurf stehen lassen, niemand würde sich um die Mängelbeseitigung kümmern. „Das KLM hat laufend die gemeldeten Störungen der Feuerwehr aufgenommen und bearbeitet.“ Solche Wörter in der Berichterstattung wie „geschockt“, „erschüttert“, „bedauert“, „erschreckend“ und „unverständlich“ gehörten in die Semantik von Terror und Gewalt. „Verständnis fehlt mir für die aus meiner Sicht ungeeignete Wortwahl, wenn über bauliche Mängel wie im vorliegenden Rahmen gesprochen wird.“

Mario Pennino, Vorsitzender des Wohnungsbauausschusses, kritisierte, dass das KLM als Sündenbock herhalten müsse. Auch Maria Andresen, Vorsitzende des Feuerschutzausschusses, hatte Probleme mit der „deftigen Wortwahl“ in der Berichterstattung, die nicht der mehrheitlichen Meinung des Feuerschutzausschusses entspräche. „Es gibt immer Leute, die mit der Feuerwehr und der Verwaltung sehr hart ins Gericht gehen.“ Die Schuldzuweisung an das KLM komme aber nicht vom Feuerschutzausschuss.

Kay Abeling widersprach der Einschätzung, Sylt habe sich eine teure Luxus-Wache geleistet. Schon zu Zeiten der Stadt Westerland seien die Kosten für ein neues Feuerwehrgerätehaus auf acht Millionen Euro geschätzt worden. „Die Planung wurde eingedampft, bis wir bei 6,9 Millionen Euro lagen.“ Im Zuge des Bauvorhabens entstandene Mehrkosten hätten die Endabrechnung dann zwar auf 7,5 Millionen Euro ansteigen lassen, doch damit sei „die Feuerwache immerhin 500  000 Euro billiger geworden als vier, fünf Jahre vorher geplant.“ Es sei wirklich gespart worden, und nun verfüge die Gemeinde über eine Feuerwache, die den technischen Anforderungen entspricht, sagte Abeling. „Wenn dann mal der Lüfter ausfällt oder eine Fliese abfällt, dann ist das nicht erschütternd, sondern bei so einem großen Bauwerk völlig normal.“ Er wagte die Prophezeiung, dass „noch viel mehr Kleinigkeiten“ zu erwarten seien. Bei den neuartigen Urinalsystemen habe es sich um einen Versuch gehandelt, um Wasser zu sparen. Hier kündigte Kopplin an, dass sie künftig nicht ein- oder zweimal täglich, sondern häufiger gespült werden.

Abeling forderte, die Debatte um die Feuerwache aufzuteilen. „Aus meiner Sicht haben die Wohnungsangelegenheiten im Feuerschutzausschuss gar nichts zu suchen.“

Breiten Raum nahm im Wohnungsbauausschuss auch die Debatte um den Erbpachtzins in der Marinesiedlung ein. Die Gemeinde hatte die Häuser dort im Jahr 2005 vom Bund übernommen und zum Teil an die Bewohner verkauft. Neben den einmaligen Kaufpreisen für die Gebäude wird den Käufern seitdem ein jährlicher Erbbauzins von vier Prozent in Rechnung gestellt. Nach der zweiten Erhöhung in diesem Jahr seit 2006 hätten die Besitzer im Einzelfall Mehrkosten von bis zu 1250 Euro zu tragen, argumentierte der Sprecher der Interessengemeinschaft der Bewohner, Felix Marwede. Die zum Teil auf 10  000 Euro gestiegene Jahrespacht passe nicht zum erklärten Ziel der Gemeinde, bezahlbaren Dauerwohnraum für Sylter bereitzustellen. Neben der Pacht hätten die Besitzer noch den Kauf abzutragen, hinzu kämen hohe Kosten für die Sanierung und den Unterhalt der denkmalgeschützten Häuser von 1937. In drei Beispielrechnungen lägen die monatlichen Gebäudekosten bei 2500 bis 3000 Euro, in Einzelfällen bei 3500 Euro. Selbst den Doppelverdienern falle es schwer, so hohe Gebäudekosten zu tragen. „Wenn sich der Pachtzins in dieser Höhe weiterentwickelt, wird er für Alleinverdiener und Rentner nicht mehr tragbar sein.“ Sie müssten ihr Haus verkaufen.

Die Ausschussmitglieder zeigten Verständnis, sahen aber keine Möglichkeit, für die Marinesiedlung eine Ausnahme ihrer Erbpachtzins-Berechnung zu machen. „Wir müssen das Gesamtwohl sehen“, meinte Holger Flessau. Bislang habe es sechs Hausverkäufe gegeben, berichtete KLM-Chef Marcus Kopplin. Nur in einem einzigen Fall hieß es zur Begründung, man könne sich die Erbpacht nicht mehr leisten. Arbeitslosigkeit und Renteneintritt seien finanzielle Einschnitte, die jeder im Blick haben muss, der Eigentum über Darlehen finanziert.

Einstimmig bei einer Enthaltung votierten die Ausschussmitglieder für den Beschlussvorschlag der Verwaltung, der die Erbpachtzinsen in der Marinesiedlung als angemessen beurteilt. „Sachverhalte, die eine weitere Subventionierung der Zinsbelastung rechtfertigen würden, sind nicht ersichtlich.“ Allerdings soll es vor der nächsten Überprüfung des Erbpachtzinses im Jahr 2020 ein Gespräch zwischen der Gemeinde, dem KLM und den Bewohnern der Siedlung geben.

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