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Sylter Rundschau

08. Dezember 2016 | 13:05 Uhr

Fluggesellschaften im Norden : Air Berlin vor dem Abflug auf Sylt? Ryanair verdoppelt Angebot in Hamburg

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Das Flugangebot im Norden ändert sich: Air Berlin zieht sich aus Hamburg zurück. Die Sylter Zukunft ist noch offen.

Sylt | „Air Berlin wird zerschlagen“, „Air Berlin streicht 1200 Arbeitsplätze“, „Air Berlin will Hälfte der Flotte aufgeben – seit Wochen vergeht nahezu kein Tag ohne Hiobsbotschaften von der zweitgrößten deutschen Airline. Die am Donnerstag vom Air-Berlin-Vorstand angekündigte Schrumpfkur dürfte nach Einschätzung von Experten nächstes Jahr auch Flüge nach Sylt treffen.

Air Berlin betreibt ganzjährig Flugverbindungen nach Berlin, Düsseldorf, München, Nürnberg, Stuttgart und Zürich – mehr Direktziele fliegt keine andere Gesellschaft von Sylt aus an. Der Sylter Flughafen ist wie kaum ein anderer deutscher Airport von der strauchelnden Fluggesellschaft abhängig: Ganze 80 Prozent der Passagiere am Tinnumer Terminal kommen mit Air Berlin auf die Insel, sagt Flughafen-Chef Peter Douven.

Was davon nachbleibt, ist heute noch völlig unsicher, die Presseabteilung vermeldet nichts Konkretes. „Im Rahmen der Umstrukturierung von airberlin wurde das gesamte Streckennetz einer Revision unterzogen,“ antwortete Pressesprecherin Melanie Schyja auf Nachfrage der Sylter Rundschau. „Sobald wir zu den einzelnen Standorten Auskunft geben können, werden wir dies proaktiv tun.“ Der veröffentlichte Flugplan behalte bis auf weiteres seine Gültigkeit. „Gebuchte Flugtickets bleiben gültig und über Änderungen informieren wir unsere Gäste rechtzeitig.“

Bis die Auswirkungen auf dem Sylter Flugplatz greifbar sind, dürften also noch Monate vergehen. „Ich möchte jedem Kunden versichern, dass wir alle Flüge wie geplant durchführen,“ hat Air-Berlin-CEO Stefan Pichler am Freitag seinen Kunden versprochen. „Künftige Flugplanänderungen, die sich aus der bevorstehenden Umstrukturierung ergeben, werden wir frühzeitig bekannt geben.“

„Wir werden uns noch gedulden müssen“, sagt auch der Sylter Flughafen-Chef Peter Douven. „Unsere Verbindungen spielen im Rahmen der Umstrukturierung von Air Berlin eine eher untergeordnete Rolle“, erläutert Douven. „Daher werden sie auf der Prioritätenliste der zu erledigenden Aufgaben nicht ganz oben stehen.“

Trotzdem bewertet der Geschäftsführer der Flughafen Sylt GmbH die Aussichten für die Sylt-Anbindungen durch Air Berlin weiter positiv. Ein Indiz ist für Douven, dass „nach bisher vorliegenden Informationen die Flotte der Dash Q400 bei der Air Berlin bleiben wird.“ Bei dem zweimotorigen Turboprop-Flugzeug des kanadischen Herstellers Bombardier handle es sich um „ein typisches Regionalflugzeug“. Dass sich „im Rahmen der Umorganisation und Neuausrichtung in 2017 und 2018 Einflüsse auf unser Liniennetz“ ergäben, hält Douven allerdings für wahrscheinlich. „Doch die Größenordnung ist noch unklar.“

Im Buchungssystem unter www.airberlin.com werden Sylt-Verbindungen bis September 2017 angezeigt, ab Oktober 2017 heißt es „Für Ihren gewählten Reisezeitraum konnte keine Flugverbindung gefunden werden.“ Doch die Presseabteilung von Air Berlin warnt vor voreiligen Schlüssen: „Flugpläne von Airlines werden in der Regel rollierend 13 Monate im Voraus freigeschaltet.“

Hamburg: Ryanair will Air Berlin Rückzug für sich nutzen

Unterdessen steht schon fest, dass Air Berlin sich aus Hamburg verabschiedet. Gleichzeitig startet der Konkurrent Ryanair durch. Die irische Billigfluglinie werde ihr Angebot von Fuhlsbüttel aus im nächsten Jahr fast verdoppeln, kündigte Ryanair-Verkaufsmanager David O'Brien am Dienstag in der Hansestadt an. Im Sommerflug 2017 werde des 16 Routen und 95 Flüge pro Woche geben, eine Steigerung um 180 Prozent gegenüber diesem Sommer. 2017 wollen die Iren rund 1,7 Millionen Passagiere über Hamburg befördern, nach voraussichtlich knapp einer Million in diesem Jahr.

Für die Fluggäste seien das gute Nachrichten, sagte Ryanair-Marketing-Chef Kenny Jacobs. Er erwarte bis März 2017 Preissenkungen um durchschnittlich zehn bis zwölf Prozent in Hamburg.

Jacobs begründete die massive Expansion mit „sehr guten“ Wachstumsaussichten für den Standort. Das größere Angebot sei bereits vor Bekanntwerden der Schrumpfkur bei Air Berlin beschlossene Sache gewesen. Wie viele und welche Hamburger Verbindungen Ryanair zusätzlich von den Berlinern übernehmen könnte, ließ der Manager offen. Jacobs sagte lediglich: „Wir werden gewinnen, egal, was passiert.“ Die irische Airline mit der Harfe am Leitwerk hat sich zum Ziel gesetzt, hinter der Lufthansa die Nummer zwei auf dem deutschen Markt zu werden. Bis 2020 soll der Marktanteil hierzulande von rund fünf auf 20 Prozent steigen.

Wie schon vorher angekündigt, eröffnet der Günstiganbieter am 2. November in Hamburg eine eigene Basis und stationiert zwei Maschinen. Laut O'Brien investiert das Unternehmen dafür 200 Millionen US-Dollar.

Ab nächstem Sommer fliegen die Iren ab Fuhlsbüttel dreimal die Woche auch Faro (Portugal) und Thessaloniki (Griechenland) an, Destinationen die bisher von aus Hamburg nicht bedient werden. Dazu gibt es sieben neue Ryanair-Sommerverbindungen nach Brüssel (zweimal täglich), Dublin (fünfmal wöchentlich), Gran Canaria (zweimal wöchentlich), London Stansted (zweimal täglich), Manchester (täglich), Mailand-Bergamo (täglich) sowie Sofia (zweimal wöchentlich). Zudem gibt es zusätzliche Flüge nach Palma de Mallorca.

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erstellt am 04.Okt.2016 | 04:15 Uhr

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