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Sylter Rundschau

08. Dezember 2016 | 17:09 Uhr

Baumängel : Ärger um das Gotteshaus

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Katholische Kirche investiert zweieinhalb Millionen Euro in die Sanierung von St. Christophorus / Rechtsstreit gegen Planer und Architekten

Das ockergelbe Gotteshaus an der Ecke Käpt’n-Christiansen-Straße/Elisabethstraße ragt mächtig in die Höhe. Architektonisch ein beeindruckendes Gebäude, das unzählige runde und eckige Elemente vereint. Was den Eindruck stört, sind Baugerüste und Abdeckplanen. Und das schon seit dem vergangenen Jahr. Der Neubau ist schon ein Sanierungsfall.

Dabei wurde die katholische Kirche St. Christophorus erst in den Jahren 1997 bis 1999 gebaut – nach den Plänen des erfahrenen Münsteraner Kirchenbaumeisters Dieter Georg Baumewerd. Am 30. April 2000 wurde das Gotteshaus vom Erzbischof geweiht. Doch für die Abteilung Kirchengemeinden des Erzbistums Hamburg ist das Bauwerk in Westerland mit viel Arbeit verbunden. Beim Neubau muss einiges schiefgelaufen sein, bestätigt die Pressestelle des Erzbistums. In das Gebäude ist Regenwasser eingedrungen. Gutachter wurden eingeschaltet, die als Ursache vor allem eine sehr harte Verfugung des Mauerwerks feststellten – ungeeignet für einen Bau in direkter Küstennähe. Es kommt zu „Flankenabrissen“, die Fuge verliert die Verbindung zum Stein. Feuchtigkeit kann eindringen und bei Frost das Mauerwerk schädigen. Die Folge: Es dringt noch mehr Wasser ein, die Schäden werden immer größer. Aber auch die Abdichtung des Mauerwerks sei teilweise nicht fachgerecht ausgeführt worden, zählt die Pressestelle weitere Baumängel auf. So seien Entwässerungsschlitze falsch angeordnet worden. Dachdecker sind zudem mit Reparaturen an der Dacheindeckung der Kirche beschäftigt. Und die Holzfenster waren vielleicht auch nicht die richtige Wahl für einen Bau an dieser Stelle, 200 Meter von der tosenden Nordsee entfernt. Sie werden durch Holz-Alu-Fenster ersetzt.

Im vergangenen Jahr hat der erste Bauabschnitt der Sanierung an der Süd-/Ost-Fassade der Kirche begonnen, das Baugerüst wurde an der Käpt’n-Christiansen-Straße installiert. Im März dieses Jahres gingen die Sanierungsarbeiten mit der Einrüstung der Nord-/West-Fassade zur Elisabethstraße und zum benachbarten Pfarrhaus weiter. Die Neu-Verfugung dieses Bereiches ist jetzt zum großen Teil abgeschlossen, nun sind die Handwerker mit dem Herausschneiden der alten Fugen aus dem Turm beschäftigt. „Ende Oktober, Anfang November wird ein Teil des Gerüstes wieder abgebaut“, erläutert Bauingenieur Markus Hoch vom Generalvikariat des Erzbistums Hamburg. Sofern das Wetter mitspielt und die Handwerker fertig werden, soll der Rest – auch der Teilbereich des Turms – spätestens im Dezember wieder abgerüstet werden.

Der dritte Bauabschnitt ist für nächstes Jahr nach Ostern angesetzt. Als letztes wird dann der restliche Teil des Turms instandgesetzt. Für die Sanierung der Westerländer Kirche wurde insgesamt ein Budget von rund zweieinhalb Millionen Euro im Kirchenetat eingeplant. Mit der kompletten Fertigstellung wird im November 2017 gerechnet.

Die Sanierung der katholischen Kirche beschäftigt nicht nur die Handwerkerfirmen, sondern auch die Gerichte. In der Schadensersatzklage gegen den Planer und gegen die bauüberwachenden Architekten sei in erster Instanz zugunsten des Erzbistums Hamburg geurteilt worden, erläutert Kirchen-Pressesprecher Manfred Nielen. Doch jetzt geht der Rechtsstreit mit dem Berufungsverfahren weiter.

Mit Baumängeln hat die katholische Kirchengemeinde auf Sylt nicht zum ersten Mal zu kämpfen. Schon das vorherige Gebäude an derselben Stelle bereitete großen Ärger, geht aus der Chronik der Pfarrei hervor. Die erste Christophoruskirche wurde 1955 an der Elisabethstraße gebaut und 1957 eingeweiht. Schon 1997 musste sie „aufgrund gravierender Baumängel“ abgerissen werden.

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erstellt am 17.Okt.2016 | 04:27 Uhr

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