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Gescheitertes Millionen-Projekt : Abriss der Keitum-Therme: Riesiges Medieninteresse auf Sylt

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Punkt acht Uhr morgens begann der Abriss der Keitumer Thermenruine. Ein historischer Tag für die Insel.

Sylt | Marcus Kopplin war ein viel gefragter Mann am Mittwochvormittag: Zahlreiche Journalisten kamen nach Keitum und interviewten zum Start der Abrissarbeiten in der Thermenruine den dafür zuständigen Chef des Kommunalen Liegenschafts-Managements (KLM) der Gemeinde Sylt:

 

Zehn Jahre sorgte die Bauruine für Ärger auf der Insel. Die Keitum-Therme wurde einst als Wellness-Tempel geplant, ist aber ein weiteres Beispiel für gescheiterte öffentlich-private Partnerschaftsprojekte geworden.

Wie angekündigt setzte sich pünktlich um acht Uhr morgens der erste Bagger in Bewegung. Mit einer überdimensionalen „Kneifzange“ an seinem Ausleger rollte das Baugerät in Richtung des nordwestlichen Teils des Geländes, um dort mit dem Abbruch eines Gebäudes zu beginnen, in dem die Saunalandschaft der „Wellness-Oase“ entstehen sollte – inklusive großen Panoramafenstern mit Blick auf das Wattenmeer. „Die Bagger arbeiten sich von hier unten Stück für Stück nach oben zur Straße hoch“, sagte Marcus Kopplin, der sich zwischen den zahlreichen Interviews mit immer gleichen Fragen von den Abrissexperten die verschiedenen Arbeitsschritte erklären ließ.

„Hier sollte wohl ein Bau für die Ewigkeit entstehen“

Marcus Kopplin, Chef des Kommunalen Liegenschafts-Managements.
Marcus Kopplin, Chef des Kommunalen Liegenschafts-Managements.
 

Bereits die ersten Stunden sorgten für eine Überraschung: „Wir haben mit Erstaunen festgestellt, dass in den Beton gewaltig viel Eisen eingearbeitet wurde“, erläutert Bauleiter Michael Ehrig vom Hamburger Abrissunternehmen Ehlert & Söhne. Der Umfang der Armierung sei größer als notwendig: „Hier sollte wohl tatsächlich ein Bau für die Ewigkeit entstehen“, so Ehrig.

Diese neue Erkenntnis könnte Folgen für das Tempo der Abbrucharbeiten haben: Das viele Metall im Beton macht die Arbeiten des Spezialbaggers und auch die Trennung der verschiedenen Materialien zeitaufwändiger als vermutet. Der Bauleiter rechnet mit sechs bis acht Wochen nur für den Abbruch aller Gebäude – je nach Aufwand kämen aber bald mehrere Bagger zum Einsatz. „Dann geht es unterirdisch weiter zu den Fundamenten“, sagt Ehrig. „Was uns dort noch an Überraschungen erwartet, kann ich bisher schwer einschätzen. Denn leider sind die Dokumentation des Baugeschehens äußerst unvollständig.“

Spezielle Greifer für die Abrissbagger lagern auf dem Gelände der Thermenruine und warten auf ihren Einsatz.
Spezielle Greifer für die Abrissbagger lagern auf dem Gelände der Thermenruine und warten auf ihren Einsatz. Foto: Boom

Ein Knackpunkt seien die Kellergeschosse, die bis zu neun Metern in die Tiefe gehen, ergänzt KLM-Projektleiter Rüdiger Krtschek. Wegen des großen Gefälles zur Straße Am Tipkenhoog müsse dort die Böschung umgehend hergestellt werden, um Abbrüche der Kante zu verhindern. Dazu wird dann der in Klumpen zerkleinerte Beton angeschüttet und verdichtet. Die zum Schreddern erforderliche Prallmühle soll in zirka sechs Wochen anrollen.

Dieses Spezialgerät wird vermutlich wesentlich mehr Staub und Lärm verursachen als die Abrissbagger. Am ersten Tag äußerten sich sowohl viele Anwohner als auch neugierige Zaungäste erstaunt darüber, dass die Geräuschentwicklung relativ gering ausfällt. „Das sind ja eher angenehme Töne und vor allem ist es ein historischer Tag für die Insel, dass hier endlich was passiert“, sagte augenzwinkernd ein Urlauber, der seit Jahrzehnten regelmäßig nach Sylt kommt und das ehemalige Freiluft-Schwimmbad auf dem Gelände noch in guter Erinnerung hat. „Das hätte man nicht erst total vergammeln lassen und dann für die Wahnsinns-Thermenpläne opfern sollen.“

Für alle, die sich nicht selbst vor Ort ein Bild vom Fortschritt des Abrisses machen können, gibt es aktuell auch eine Webcam. Erreichbar ist die exklusive AbrissCam über die Internet-Adresse www.klm-sylterwohnen.de/webcam-abriss-keitum-therme.

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erstellt am 15.Mär.2017 | 16:48 Uhr

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