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Sylter Rundschau

02. Dezember 2016 | 19:14 Uhr

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Fast zwei Millionen Mitglieder der Nordkirche sind aufgerufen, neue Kirchengemeinderäte zu wählen. Auf Sylt finden die Wahlen am 1. Advent, dem 27. November, statt. Die Sylter Rundschau berichtet diese Woche über die Aktivitäten sämtlicher Gemeinden der Insel und stellt alle Kandidaten vor. Los geht es heute mit den Evangelisch-Lutherischen Gemeinden St. Jürgen in List und St. Nicolai in Westerland.

  „Bei der Kandidatenauswahl haben wir uns bemüht, möglichst alle Gruppierungen der Lister Bevölkerung zu erfassen“, sagt Ingelore Oellerking, seit 25 Jahre stellvertretende Vorsitzende des Gemeinderats von St. Jürgen, die sich allerdings nicht erneut zur Wahl stellt. „Es müssen sechs Kandidaten gewählt werden, hinzu kommt als geborenes Mitglied Pastorin Petra Hansen.“ Die letzten Jahre seien vor allem geprägt durch eine Reduzierung der Gemeindemitglieder, erklärt Ingelore Oellerking. 2008 habe sich die Marine aus List zurückgezogen, damit wäre ein großes Potenzial verloren gegangen. „Inseltypisch beklagen wir weiterhin einen permanenten Wegzug – entweder aus finanziellen Gründen oder logistischen Motiven hin zur Inselmitte oder auf das Festland.“ Das hat zur Folge, dass die Pastorenstelle seit 2011 auf 50 Prozent gekürzt wurde. Die Kirchengemeinde arbeitet mit einem minimalen Mitarbeiterstab (Organist, Küsterin und Friedhofsgärtnerin, alle in Teilzeit), dafür mit großem ehrenamtlichen Engagement: in der Kinder-und Jugendarbeit, dem Sekretariat, der Baubegleitung, der Konzertplanung, der Friedhofsverwaltung, der Gemeindeblatterstellung. Dazu kommen viele handwerkliche Unterstützungen von kompetenten Lister Bürger.

Problemfeld seien und blieben die Finanzen, so Oellerking: „Der Förderkreis für Kirche und Kultur unterstützt uns nach besten Kräften, aber wir sind ständig auf Spenden angewiesen. Wir haben ein wunderschönes Pastorat, direkt am Watt gelegen. Die Pastorenwohnung ist vermietet, die unteren Räume nutzen wir als Gemeinderäume. Es hat viel Kraft und Geld gekostet, das Haus energetisch herzurichten und nach einem Sturmschaden instandzusetzen.“ Bei der 1935 erbauten Kirche gab es teure Baumaßnahmen: Einige sind schon erledigt, auch die Orgelreparatur und der Einbau einer neuen Heizung – die Neuverfugung der Westwand steht noch aus. Geplant ist auch die Anlegung eines Bibelgartens.

„Unser anerkanntes Schmuckstück ist der Friedhof in den Dünen – einzigartig, aber auch Beachtung fordernd. Freiwillige Friedhofsreinigungen, die sich großer Beteiligung erfreuen, helfen. Ein Stelenfeld ist neu eingerichtet worden, nun planen wir eine allgemeine Trauerecke und ganz praktisch den Einbau einer Toilette“, berichtet Ingelore Oellerking. Neben der pastoralen Grundversorgung bietet die Kirchengemeinde für Einheimische und für Gäste aller Altersgruppen qualitativ hochwertige Konzerte an sowie Amtshandlungen aller Art, immer mehr auch am Strand.

„Die Aufgabe des neuen Kirchengemeinderates wird es sein, mit der sich ständig verkleinernden Gemeindesituation umzugehen, sich nicht von der drückenden Finanzsituation entmutigen zu lassen, Gemeinschaft zu schaffen innerhalb des Ortes, weiter kirchliche Akzente zu setzen und dafür zu stehen, was uns ausmacht: Klein, aber fein, mit ganz viel Liebe zur Botschaft und Bereitschaft zur Mitarbeit in einem gutem Team“, so die scheidende stellvertretende Vorsitzende. „Schön wäre es außerdem, im Kirchengemeinderat mehr Zeit für inhaltliche Zielsetzungen und für die Beachtung der eigenen Religiosität zu haben.“

Ihre Stimmen zur Wahl des Kirchengemeinderats von St. Jürgen abgeben können alle Gemeindemitglieder ab 14 Jahren am 27. November in der Zeit von 10 bis 18 Uhr im DRK-Raum der Alten Schule in List.

  Die Kirchengemeinde St. Nicolai entstand zu Beginn des 17. Jahrhunderts aus alten Besiedlungen um das Dörfchen Eydum. 1637 wurde die Dorfkirche St. Niels geweiht. Die Weihe mag als Gründungsdatum der Gemeinde gesehen werden, die heute mit rund 4000 evangelischen Christen die größte der Insel Sylt ist. Drei Geistliche auf 2,5 Pfarrstellen und zwölf hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter versehen ihren umfangreichen Dienst für Einheimische und viele Gäste. Pastor Christoph Bornemann ist der derzeitige Vorsitzende des Kirchengemeinderates, Horst-Peter Feldt, der Leiter der Grundschule St. Nicolai, sein Stellvertreter. „Zur Wahl in den neuen Kirchengemeinderat haben sich 13 Damen und Herren gestellt“, erläutert Feldt. „Weil das neue Gremium neben den Pastorinnen Anja Lochner und Anette Gruenagel sowie Pastor Bornemann neun weitere Mitglieder haben soll, kommt es zu einer echten Wahl, bei der nicht alle Kandidaten auch gewählt sein werden.“

In den vergangenen Jahren hat sich der Kirchengemeinderat besonders um ein buntes und vielseitiges Gemeindeleben bemüht. Viele unterschiedliche Interessen treffen in Westerland aufeinander und wollen ausgeglichen sein. Die Neubesetzung der Pfarrstelle nach dem Weggang von Pastor Sach führte am Ende zur Einrichtung einer Verbundpfarrstelle mit der Kirchengemeinde Hörnum/ Rantum. Weitere wichtige Themen waren die Sicherung der Finanzen der Gemeinde und die großen Aufgaben bei der Bauunterhaltung. Hier seien bereits große Fortschritte erzielt worden, so Horst-Peter Feldt, insbesondere bei der Kirchturmsanierung und dem Erhalt des Altars in der Dorfkirche. Der neue Kirchengemeinderat werde an diesem Thema intensiv weiterarbeiten. Es müsse auch inhaltlich darum gehen, die Gemeinde für die Zukunft auszurichten. Außerdem stünden wichtige Personalien im Bereich Kirchenmusik sowie bei den Pastoren schon sehr bald zur Entscheidung an.

Gewählt werden kann der neue Kirchengemeinderat von St. Nicolai am 1. Advent zunächst von 11 bis 14.15 Uhr nach einem Familiengottesdienst in der Stadtkirche St. Nicolai, anschließend von 14.30 bis 18 Uhr im Gemeindezentrum am Kirchenweg 37. 



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erstellt am 15.Nov.2016 | 05:34 Uhr

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