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Stormarner Tageblatt

08. Dezember 2016 | 07:08 Uhr

Zeitpunkt der Umkehr

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Der Zufallsfund der Polizei verändert das Leben eines 20-Jährigen

Ein Zufallsfund der Polizei hat ein Leben verändert. So stellte sich jedenfalls der Sachverhalt vor dem Schöffengericht in Ahrensburg dar. „Wir waren in dieser Oktobernacht vor einem Jahr auf der Suche nach einem U-Bahnsprayer“, sagt eine Polizistin aus. Dabei fielen ihr zwei junge Männer auf, die auf dem Parkplatz Wolfsschlucht in Ahrensburg waren. Bei der Kontrolle roch ihr Kollege Marihuana. Bei der Durchsuchung von Erwin F. (Name geändert) fanden sich dann Portionsbeutel mit insgesamt sieben Gramm „Gras“ und ein Küchenmesser in der Umhängetasche.

Bei der anschließenden Wohnungsdurchsuchung kamen weitere 102 Gramm Marihuana, 200 Ecstasy-Tabletten sowie LSD und Psylocibin zum Vorschein. Erwin F. gibt alles freimütig zu: „Ich habe Ecstasy verkauft, um meinen Marihuana-Konsum zu finanzieren.“ Ein bis zwei Gramm habe er pro Tag konsumiert, aber kein Amphetamin, sagt der 20-Jährige. Daraufhin änderte Erwin F. sein Leben. Er begab sich in stationären Entzug. Klinik wie auch Ärztin bescheinigten ihm danach, dass er clean ist. Sein Anwalt übergibt dem Gericht drei entsprechende Atteste, das letzte vor drei Wochen ausgestellt. Das Messer habe er nur wegen eines vorherigen Praktikums als Koch mitgeführt.

Bei Drogenhandel mit Waffenbesitz versteht das Gericht keinen Spaß. „Die Mindeststrafe für Erwachsene liegt bei fünf Jahren Knast“, sagt der Richter streng. Der Angeklagte möge doch seine Bezugsquellen nennen und so ein milderes Urteil erreichen. „Mein Mandant befürchtet Repressalien“, entgegnet der Anwalt, „in dieser Branche herrschen andere Gesetze als im Gerichtssaal.“

Schon ein Jahr zuvor ist Erwin F. als Cannabis-Händler aufgefallen. Das Verfahren um zwölf Gramm wurde vorläufig eingestellt. In der Zeit bis zum zweiten Aufgriff hatte er offenbar weitergemacht. „In seiner Tasche haben wir eine Art Geschäftsplan gefunden“, schildert die Polizistin. Darin sei mit verschlüsselten Namen Daten von Verkäufern und Geldverwaltern aufgeführt. „Das ließ Rückblick auf Strukturen zu“, sagt sie.

Zwar gelten die knapp 25 Gramm Wirkstoffgehalt im „Speed“ in Schleswig-Holstein noch knapp als geringe Menge. Die 102 Gramm im „Gras“ hingegen nicht mehr, und das wirkt strafverschärfend. Erwin F. macht zurzeit eine kaufmännische Ausbildung, nachdem er nach dem Abitur ein Jahr auf Stellensuche war. Die Familie sei intakt, so die Jugendgerichtshilfe, seit dem Aufgriff sei der Angeklagte nicht mehr mit Straftaten aufgefallen. „Schädliche Neigungen“ habe es zuvor zwar gegeben, das sei aber vorbei. Die Hausdurchsuchung sei ein Schlüsselerlebnis gewesen. Eine Geldstrafe und eine Verwarnung seien angemessen.

So entscheidet das Gericht auch. Statt der vom Staatsanwalt geforderten 1000 Euro sind es 800 Euro Geldbuße. Aber der 20-Jährige muss die Verfahrenskosten tragen. Allein die Analyse der bei ihm gefundenen Rauschmittel beim LKA hat über 2000 Euro gekostet. Dazu kommen 40 Stunden gemeinnützige Arbeit. „Ich weiß, dass sie in Vollzeit arbeiten“, sagt der Vorsitzende Richter. Er könne die Stunden daher am Wochenende ableisten. „Jetzt machen sie mal etwas, das anderen gut tut.“






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