zur Navigation springen

Stormarner Tageblatt

02. Dezember 2016 | 19:14 Uhr

Reinfeld : Zeichen für Flüchtlinge gesetzt

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Mehr als 200 Menschen versammeln sich nach den Festnahme von IS-Sympathisanten aus Solidarität für Asylbewerber vor dem Rathaus.

„Die Festnahmen von Menschen, die als Flüchtlinge zu uns gekommen sind, haben viele Menschen verunsichert – unter uns Reinfeldern und unter den Flüchtlingen“, sagte Albrecht Werner, Mitglied bei der Reinfelder Gruppe „Pro Asyl“, zu den über 200 Bürgern, die sich vor dem Rathaus versammelt hatten, um spontan ihre Solidarität mit den Asylbewerbern der Karpfenstadt zu zeigen. Dass unter „unseren Flüchtlingen“ ein IS-Sympathisant gewesen sei, bedrücke sicher alle. Wer mit dem Festgenommenen Kontakt gehabt habe, habe ihn als einen freundlichen und intelligenten jungen Mann erlebt, so Werner weiter. Man könne nicht in einen Menschen hineinsehen. Wichtig sei aber, dass der Polizeieinsatz am 13. September nichts mit Reinfeld, nichts mit den anderen Geflüchteten zu tun habe. Der Polizeieinsatz sei unter den Bürgern als auch unter den Flüchtlingen – nicht nur in dem betroffenen Haus am Zuschlag – begrüßt worden. Es gebe also keinen Anlass, so Werner, daran zu zweifeln, dass „unser Weg hier in Reinfeld“ der Richtige sei. Es sei zu erwarten gewesen, dass unter der großen Menge an Flüchtlingen auch einige mit schlechten Absichten seien. Damit müsse man rechnen, das belaste, sei aber kein Grund, die unbescholtenen Flüchtlinge nicht weiterhin zu unterstützen oder gar mit den Kriminellen in einen Topf zu werfen. „Lasst uns alle jetzt unsere Solidarität mit den Gestrandeten zeigen“, schloss er seine Rede.

Bürgermeister Heiko Gerstmann, der gemeinsam mit der Kirchengemeinde, allen politischen Parteien und zahlreichen Vereinen zu der spontanen Solidaritätsaktion aufgerufen hatte, gab zu, dass ein „derart großes Polizeiaufgebot“ ihn schon erschrocken habe. Doch niemand sei zu Schaden gekommen, der Verdächtige festgenommen worden. Es gebe keinen Grund, die Flüchtlinge, die friedlich in Reinfeld leben und hier viele Freunde gefunden haben, unter Generalverdacht zu stellen.

Pastorin Dr. Christina Duncker hatte bunte Bänder mitgebracht und verteilte sie unter den Anwesenden. Die Mutter des Bürgermeisters hatte bereits am Sonntag ein rotes Band um die Friedenseiche vor dem Rathaus gebunden, um für die Flüchtlinge ein Zeichen zu setzen. Die Angst solle die Menschen nicht beherrschen, sondern Reinfeld solle weiterhin offen und bunt bleiben, so die Pastorin. Sie sei stolz auf die Stadtgemeinschaft, die den Menschen in Not bisher sehr geholfen habe. Elisabeth und Katharina hielten mit Jugendpflegerin Katrin Göhlert bunte Luftballons in die Höhe und fühlten so mit den Flüchtlingen.

Azad Juma aus Syrien traute sich als einziger Flüchtling, vor den 200 Menschen eine kurze Rede zu halten und betonte, dass die Flüchtlinge in Reinfeld gegen Gewalt, Terrorismus und Rassismus seien. Er bedankte sich für die große Unterstützung. Anschließend hielten Ziad aus dem Irak und Azad ein Transparent hoch, um ihre Solidarität und Dankbarkeit zu zeigen: „Liebes Reinfeld, es tut uns leid.“



zur Startseite

von
erstellt am 20.Sep.2016 | 10:18 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen