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Stormarner Tageblatt

03. Dezember 2016 | 10:36 Uhr

Wohnungsbau vom Kreis?

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Diskussion zur Kostenreduzierung wäre nötig

Der Kreis Stormarn beschäftigt sich zurzeit – angeregt von der öffentlichen Diskussion über Wohnungsknappheit und zu hohen Mieten – mit der Frage, ob eine kommunale Wohnungsbaugesellschaft sinnvoll ist. Eine letzte Woche veröffentlichte Studie des Instituts für Deutsche Wirtschaft hat ergeben, dass in Stormarn im Durchschnitt eine Wohnung in Größe von 107 qm mit einem Aufwand von 25 Prozent des verfügbaren Einkommens angemietet werden kann. Üblicher Weise geht man davon aus, dass zirka ein Drittel des Einkommens für Miete aufgewandt werden muss.

Diese Studie legt den Schluss nahe, dass im Kreis Stormarn das Ungleichgewicht knapper Wohnraum/ zu hohe Mieten nicht so hoch ist, wie die öffentliche Diskussion vermuten lässt und hauptsächlich für unsere städtischen Metropolen gilt.

Eine solche „staatliche“ Wohnungsbaugesellschaft kann auch nicht auf mehr geeignete Flächen zurückgreifen, als die in Stormarn tätigen Wohnungsbaugesellschaften. Solche Flächen sind durch die zuständigen Städte und Gemeinden schon bisher – oft aus eigenen fiskalischen Interessen – nicht ausgewiesen worden und daher knapp. Warum sollte sich dies ändern, wenn eine vom Kreis dominierte Gesellschaft tätig wird?

Auch in Zukunft wird gelten: Ein neues geplantes Baugebiet, eine neue Bürgerinitiative dagegen. Es sollte lieber diskutiert werden, wie die Kosten von Wohnungsbau so niedrig gehalten werden können, dass zu niedrigen Mieten vermietet werden kann.

Brauchen wir immer mehr komplizierte und kostenträchtige gesetzliche vorgeschriebene Bauvorschriften, um noch zwei bis drei Promille weniger Wärmeemission zu erzielen? Muss der Staat bei jedem Grundstücksverkauf 6,5 Prozent des Kaufpreises Grunderwerbsteuer erheben? Bei einem Wohnungsbaugrundstück oder einer Eigentumswohnung für 250  000 Euro sind dies mal eben 16  250 Euro Mehrkosten.

Sind für jedes Wohnungsbaugebiet wirklich teure naturschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahmen notwendig? All das treibt die Mietpreise ebenso wie die Vorschriften zur Altbausanierung in die Höhe.

Der Staat sollte allenfalls dann in den Markt eingreifen, wenn dieser nicht funktioniert. In Stormarn ist für mich nicht ersichtlich, dass dies der Fall ist. Ich sehe auf den Kreis nur zusätzliche wirtschaftliche Risiken zukommen, die im Zweifel dann von uns allen, den Steuerzahlern, getragen werden müssen, ohne dass hierdurch vielen Mietern geholfen werden kann. Auch könnte eine neue „staatliche“ Gesellschaft sicherlich nicht günstiger arbeiten, als die schon existierende Genossenschaft – zumal der Kreis sich das erforderliche Know-how erst teuer einkaufen und aneignen muss.

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erstellt am 18.Aug.2016 | 11:06 Uhr

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