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Stormarner Tageblatt

11. Dezember 2016 | 13:00 Uhr

Stormarn :  „Wo Platt en Vergnögen is“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die 16. Plattdeutschen Tage werfen Schatten voraus. Eine niederdeutsche Sprachreise durch Stormarn.

Das Pflänzchen Plattdeutsch sprießt wieder und gedeiht. Dazu hat auch der Heimatbund Stormarn sein Scherflein beigetragen. Bereits zum 16. Mal veranstaltet er jetzt die Plattdeutschen Tage im Kreis. „Immerhin 60 Prozent der Schleswig-Holsteiner verstehen diese Sprache zumindest“, zitiert der HSB-Vorsitzende Helmuth Peets eine aktuelle Umfrage. Der Rückgang in früheren Jahren sei damit gestoppt.

In einem Modellprojekt wird die Sprache inzwischen an 29 Grundschulen im Land gelehrt. In Stormarn beteiligen sich Reinbek und Zarpen daran. „Es hatten sich mehr Schulen darum beworben“, sagt Peets, „aber das Stundenkontingent für Lehrer hat dafür nicht ausgereicht.“ Wenigstens gehöre jetzt eine Minimalausbildung in Niederdeutsch für alle Lehrer fest zum Studium.
Auch in der Kirche fasst die Sprache Fuß. „Hochdeutsche Gottesdienste kranken oft etwas an Langeweile“, sagt Cord Denker, Pastor im Ruhestand. Mit seinen plattdeutschen Gottesdiensten setzt er sich seit vielen Jahren für diese Sprache ein. Johannes Bugenhagen habe mit seiner Luther-Übersetzung in die Hansesprache eine wichtige Rolle für die Reformation gespielt, weil die einfachen Leute sie erst so verstehen konnten. „Erst später kam das Hochdeutsche mit Gewalt über den Norden“, sagt Denker.

Das Kerngebiet der Sprache liege zwischen Lüneburg und Schleswig und zwischen Bremen und Lüneburg, so Volker Holm vom Zentrum für Niederdeutsch. „Hier wird es ziemlich einheitlich gesprochen.“ Daneben gebe es zahlreiche Mundarten. Es gebe Rechtschreibregeln, ein Wörterbuch und Lehrbü-cher. Koordiniert wird das bisher vom Institut für Niederdeutsche Sprache in Bremen. Dessen Bestand sei aber gefährdet, so Holm: „Die Fördermittel sollen gestrichen werden.“

„Niederdeutsch ist eine ebenbürtige Schwester des Hochdeutschen“, zitiert Peets den Dichter Klaus Groth. Plattdeutsch stehe unter dem Schutz der europäischen Sprachen-Charta und sei ein grundlegender Bestandteil für die schleswig-holsteinische Kultur. Die Plattdeutschen Tage sollen das auf anspruchsvolle Art verdeutlichen.

Los geht es am Freitag, 23. September, im Bargteheider Stadthaus. Ab 19.30 Uhr singt und vertellt Jan Graf vom NDR unter dem Motto „Hett jo noch mol goot gahn“. Mit „Swing up de Deel“ und einem Jazz-Quartett geht es am folgenden Abend im Reinfelder Kulturladen weiter. Und Cord Denker hält am Sonntag, 25. September, ab 10 Uhr einen plattdeutschen Europa-Gottesdienst in der Kirche zu Zarpen. „Europa hat mit der Sprachen-Charta viel für uns getan“, sagt er, „jetzt kann Platt etwas für Europa tun.“ Der „Brexit“ war für ihn ein Anlass, dieses Programm zu entwickeln.

In Elmenhorst geht es am Folgetag weiter mit „Platt is en Vergnögen“. Peter Paulsen singt und vertellt ab 19.30 Uhr im Gemeindezentrum.

Am Dienstag, 27. September, erzählt der ehemalige Hamburger Tallymann (Hafenarbeiter) Geschichten aus dem Hafen. „De Alldag kann mi mol“ heißt das Programm der NDR-Moderatorin Ilka Brüggemann, das sie am Mittwoch, 28. September, im Todendorfer Mehrzweckhaus vorträgt.

In Bargteheide gibt es am Donnerstag, 29. September, einen kunstgeschichtlichen Abend mit Dr. Hans Thomas Carstensen im Stadthaus. Ab 19.30 spricht er über den Maler und Außenseiter Ernst Kirchner.

Am Freitag, 30. September, kommt Gerd Spiekermann ins Bürgerhaus Timmerhorn. „Tööv mol even“ heißt sein Programm, das um 19.30 Uhr beginnt. In der Kupfermühle zu Glinde geht es am Folgetag ab 16 Uhr mit den Glinner Möhlensnackers weiter. „Plattdüütsch in Glinn – Beteres kannst nich finn’n“ heißt ihr Programm.

Matthias Stührwoldt kommt am Dienstag, 4. Oktober, ins Hammoorer Gemeindezentrum. Ab 19.30 Uhr heißt es dort „Vun Vadder un mi – en Buer vertellt“. Im Bürgerhaus Bad Oldesloe geht es am Donnerstag, 6. Oktober, ab 19.30 Uhr um die Liebe. „Wenn dat mit de Leev nich weer“ ist das Motto von Volker Ipsen für diesen Abend. Anni Heger hatte es als Dunkelhaarige nicht leicht in Ostfriesland. So tritt die Entertainerin mit dem Programm „Dat harr blond so eenfach ween kunnt“ heißt folgerichtig und nicht ganz ernst gemeint ihr Programm, das sie am Freitag, 7. Oktober, ab 19.30 Uhr in der Trittauer Wassermühle präsentiert. Es ist zugleich der Abschlussabend für die plattdeutschen Tage.

Ein Ort fehlt diesmal auf der Sprachreise durch Stormarn. „Die Mietkosten für den Marstall in Ahrensburg waren uns zu hoch“, sagt Peets. Denn die Eintrittspreise sollten nicht zu hoch werden. Für die Veranstaltungen liegen sie zwischen 8 und 12 Euro. Im kommenden Jahr wird es aber wieder eine in Ahrensburg geben. Schauplatz ist dann das Peter Rantzau-Haus.

Das Programm für die Plattdeutschen Tage 2017 stehe bereits, so Peets.





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