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Stormarner Tageblatt

06. Dezember 2016 | 11:24 Uhr

Klein Wesenberg : Wissenswertes nicht nur für die Pilger

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Mehr als 1000 Menschen machen in Klein Wesenberg Station. Eine neue Infobroschüre berichtet Erstaunliches.

„Seitdem es den Jakobsweg gibt, hat sich die Besucherzahl in unserer Kirchengemeinde merklich gesteigert“, ist Pastor Erhard Graf erfreut. Er schätzt die Zahl der Wanderer, Radfahrer und Kanufahrer auf weit über 1000 jährlich. Übernachtungen im Gemeindehaus sind ebenfalls zahlreich: 100 bis 150 jedes Jahr. Fünf bis sechs Wanderer kämen hier täglich vorbei. Viele Pilger möchten mehr über die Klein Wesenberger Kirche erfahren. Deshalb hat die Gemeinde jetzt eine neue Broschüre mit allen wichtigen geschichtlichen Daten herausgegeben.

Im Klapptext heißt es: „Damit sie und alle anderen an dieser Kirche interessierten Besucherinnen und Besucher etwas mehr erfahren, sollen sie die Möglichkeit erhalten, kostenlos diese Beschreibung auf ihr Smartphone, ihren Tablet-PC oder ihren Reader herunterzuladen und damit eine Erinnerung an die Klein Wesenberger Kirche mit nach Hause zu nehmen.“

Die Kirche wurde in den Jahren 1884/85 erbaut. Sie steht hoch über der Trave auf historischem Boden, denn bereits 1186 errichteten die Zisterzienser-Mönche aus dem Kloster Reynefelde - dem heutigen Reinfeld – an diesem Platz eine Kirche. „Vor dieser Zeit war dieser Platz offensichtlich eine religiöse Kultstätte der Slawen“, erläutert Pastor Erhard Graf. Im Zuge der Christianisierung wurde auf dem „Heiligen Berg“ direkt an der Trave eine Kapelle errichtet, die später von den Mönchen durch eine Kirche ersetzt wurde. Den Text hat der Klein Wesenberger Klaus-Rainer Martin zusammengestellt. Vieles hat er für sein Buch „Die evangelische Kirche in unruhigen Zeiten“ (ISBN 13: 9783710321757) in zahlreichen Kirchenarchiven in Schleswig-Holstein zusammengetragen.

„Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts war eine unruhige Zeit für die Welt, für Deutschland, für die evangelische Kirche und für das schleswig-holsteinische Dorf Klein Wesenberg“, so Martin. „Dabei habe ich vor allem das Schicksal der Menschen in unserem Dorf in den Vordergrund gestellt“, so der Autor. Sein Wissen war bei der Erstellung der Broschüre Gold wert. Viele neue und einige historische Fotos veranschaulichen den Text, der von ehrenamtlichen Lektoren überarbeitet wurde. Ob die Marcussen-Orgel, die Kanzel, die renovierten Fenster, die gewundene Hochzeitstreppe, die Mensa - bestehend aus der alten Altarplatte der ersten Kirche – ob Taufstein oder Turmuhr – Klaus Rainer Martin hat alles genau beschrieben. Eine interessante Lektüre für alle, die mehr über das Kleinod an der Via Baltica erfahren möchten.

Klaus-Rainer Martin wohnt seit 20 Jahren an dem beschaulichen Ort an der Trave, interessiert sich für seinen Heimatort und deren Kirchengeschichte. Als ehemaliger Diakon – ausgebildet im Rauen Haus Hamburg – liegen ihm besonders die Menschen am Herzen. „Für den normalen Alltag ist die Klein Wesenberger Kirche heute viel zu groß“, sagt Pastor Graf. Das Leben der Menschen habe sich im Laufe der vielen Jahrzehnten verändert. So zeuge der Backsteinbau von fernen Zeiten und bezeuge, dass den Menschen der „Heilige Ort“ an der Trave immer wichtig gewesen sei: „Was in einer so kleinen Gemeinde passiert, spiegelt nicht immer das wider, was in der gesamten Landeskirche getan wird.“

Nun hofft der Pastor, dass die Kirche endlich täglich für Besucher geöffnet werden kann. Aus Sicherheitsgründen mussten ihre Türen bisher verschlossen bleiben. Der Aufgang zum Turm ist nicht vergittert. Das Geld sei längst eingestellt, alle Pläne fertig, man warte nur noch auf das Okay der Landeskirche. Graf: „Dann ist die Kirche spätestens im nächsten Jahr offen.“ Ob der Blick von der Pilgerbank über Sommerblumen vom Gemeindehaus auf die Kirche, oder eine Rast auf den zwei neue, Bänken direkt an der Kirche, oder gar der Aufstieg über die restaurierte Hochzeitstreppe – die Kirche ist immer einen Besuch wert. Graf rechnet damit, dass nach der Öffnung neben den Besuchern aus der Ferne auch diejenigen aus dem Ort die Kirche besichtigen, die sonst nicht zum Gottesdienst kommen.

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erstellt am 29.Aug.2016 | 06:00 Uhr

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