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Stormarner Tageblatt

30. März 2017 | 16:51 Uhr

Wulmenau : Wie Bio-Schweine leben

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Nach dem verheerenden Feuer wird der Schweinestall im Institut für ökologischen Landbau neu gebaut.

Sauwohl sollen sich die Sauen und Ferkel im neuen Abferkelstall im Forschungsinstitut für ökologischen Landbau fühlen. Im Januar begannen die Bauarbeiten für den 300 Quadratmeter großen Stall, der 20 separate Buchten für die Sauen und ihre Ferkel bereitstellt. Nach dem verheerenden Feuer im Juli letzten Jahres, bei dem 110 Ferkel und Muttersauen auf tragische Weise ums Leben kamen und der gesamte Schweinestall bis auf die Grundmauern niederbrannte, gibt es jetzt wieder einen Hoffnungsschimmer für Wissenschaftler Ralf Bussemas und seine Schützlinge.

Beim Richtfest strahlte der Forscher dann auch bis über beide Ohren: „Im Mai soll der Stall schon fertig sein: Acht Sauen sind gerade tragend und werden dann abferkeln.“ Nach dem Brand waren die Sauen in provisorischen Boxen im ehemaligen Ziegenstall untergebracht, was eine Notlösung war und nicht ganz den ökologischen Richtlinien entsprach. Dort hatten sie zwar einen großen Innenauslauf, konnten jedoch nicht nach draußen. Das wird jetzt alles anders.

Der neue Abferkelstall, den das Thünen-Institut in Kooperation mit dem Architekturbüro Hauke und Grube aus Bad Oldesloe und Duräumat-Stalltechnik aus Reinfeld für 300  000 Euro baut, entspricht komplett den ökologischen Richtlinien und bietet eine energiesparende Fußbodenheizung, freien Zugang in separate Außengehege und sogenannte „Thünen-Buchten“ zum freien Abferkeln.

Ralf Bussemas, der Leiter der Arbeitsgruppe „Monogastrier“ (Einmäger) ist und mit dem Schwerpunkt Alternativen zur herkömmlichen Ferkelkastration und Betäubungspraxis und 100 Prozent Bio-Fütterung auf regionaler Basis forscht, hat den Stall zum größten Teil selbst entworfen. Er arbeitet auch als Stallbauberater.

47 Sauen und ihre 72 Ferkel leben in Wulmenau. Nach der Geburt erhalten sie alle Nummern, die für Ralf Bussemas wie Namen sind. Er kennt all seine Sauen und ihre speziellen Eigenarten. Wenn er den Stall betritt, stupsen die Schweine ihn zur Begrüßung an und grunzen freudig. Ganz besonders zutraulich ist Ferkel „Aska“ - das einzige Schwein mit einem richtigen Namen. Aska überlebte das Feuer verletzt. Ralf Bussemas konnte das Ferkel retten und versorgte seine Wunden. Heute ist es völlig gesund und gedeiht prächtig. „Als Überlebende des Feuers wird es immer bei uns bleiben“, so der Wissenschaftler. Ins Herz geschlossen hat er auch „Oma 7656“, mit über elf Jahren und 19 Würfen die älteste Sau in Wulmenau. Eber Ernie - genauso alt wie die Schweine-Oma - darf diese selbst befruchten, sonst geschieht die Besamung künstlich. In der Biohaltung, so erklärt es der Wissenschaftler, lebten die Schweine länger und gesünder als in der konventionellen Landwirtschaft. Da erreichten diese meist nicht einmal den vierten Wurf. „Die 20 Thünen-Boxen werden abwechselnd genutzt: Eine Abteilung ist mit den Sauen besetzt, die andere wird gereinigt, der Rest dient zur Reserve“, erklärt Bussemas. In den Abferkelstall kommen die trächtigen Sauen eine Woche vor dem Geburtstermin. Nach der Geburt bleiben sie 14 Tage dort, bevor sie zum „Gruppensäugen“ zu den anderen Muttersauen kommen. Ziel sei es, wieder auf 50 Sauen zu kommen.

Der Brand habe die Forschungen doch um einiges zurückgeworfen, da viele Sauen nicht besamt werden konnten. Ab Mai kehre dann der normale Alltag wieder ein. Im Rhythmus von drei Wochen kommen dann wieder Ferkel in Wulmenau zur Welt.

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erstellt am 04.Mär.2017 | 08:00 Uhr

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