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Stormarner Tageblatt

06. Dezember 2016 | 09:15 Uhr

Ahrensburg : Widersprüche vor Gericht

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Ein schwieriger Fall: 18-Jähriger wurde wegen Körperverletzung angeklagt und verurteilt.

Mit einem blauen Auge endete die Nacht zum 31. Januar für den Barkeeper einer Ahrensburger Diskothek. Am Montag dieser Woche hatte sie vor dem Amtsgericht ein Nachspiel. Der 18-jährige Oskar T. (Name geändert) musste sich dort wegen Körperverletzung verantworten. Für die Richterin war es ein schwieriger Fall, denn das Opfer konnte sich am ersten Verhandlungstag an nichts mehr erinnern. Und der Angeklagte schwieg auch am zweiten Verhandlungstag dazu.

Aber: Das Opfer hatte den Angeklagten in der Tatnacht erkannt und benannt. Auch in einer polizeilichen Vernehmung blieb der Barkeeper noch dabei. „Am ersten Verhandlungstag sagte er aber nur widerwillig aus“, meinte die Richterin. Erst nach Androhung von Zwangsmitteln und einer Verhandlungspause wurde er gesprächiger. Den Angeklagten schützte er aber weiterhin. Er sei aus einer Gruppe von Leuten heraus angegriffen worden, sagte er lediglich aus.

Am Montag wurde dazu der Türsteher befragt. Er stand in Funkkontakt zum Barkeeper. „Warum hast du den jungen Mann reingelassen, der hat Hausverbot hier“, habe der ihn angefahren. „Das hatte ich vergessen, ich arbeite nur manchmal dort“, sagte er vor Gericht aus. Den Vorfall selbst habe er nicht gesehen. Dann sei der Barkeeper zu ihm gekommen, die Hand schützend vor sein blaues Auge gepresst. Er habe über Schmerzen geklagt. „Ich habe ihm Eiswürfel zur Kühlung besorgt.“

Der Barkeeper sei nach dem Faustschlag bewusstlos gewesen, hatte er einer Kripo-Beamtin erklärt. „Er kannte den Angeklagten“, sagte sie aus, „er klagte über höllische Schmerzen im rechten Auge.“ Es habe inzwischen bereits einen Täter-Opfer-Ausgleich gegeben, so der Staatsanwalt: „Der Geschädigte wollte danach den Angeklagten nicht mehr in die Pfanne hauen.“

Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe sieht Entwicklungsverzögerungen bei Oskar T. „Er ist sportbegeistert und geht jeden zweiten Tag ins Fitnessstudio.“ Früher habe er auch geboxt. Im vergangenen Sommer hat er das Fachabitur bestanden und sich als Zeitsoldat beworben. Bis dahin ist der kräftige junge Mann mit dem Kurzhaarschnitt auf Arbeitssuche, er lebt bei seiner Mutter, die kein Einkommen hat.

Zwei Verfahren wegen Schwarzfahrens und Untreue gegen ihn wurden eingestellt. In einem dritten Verfahren im vergangenen Juni wurde er zu 40 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt, ebenfalls wegen Körperverletzung. Damit gilt er als einschlägig vorbelastet.

„Der Geschädigte gab in der Verhandlung zwar an, die zuschlagende Person nicht zu kennen“, sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Das sei nicht glaubwürdig, denn in der Tatnacht und bei einer Vernehmung Wochen später habe er den Angeklagten sehr wohl benannt. Der habe auch zugegeben, dass er in dieser Nacht in der Disko war. 40 Arbeitsstunden und drei pädagogische Gespräche zur Aggressionsbewältigung seien als Strafe angemessen.

Den Ausführungen der Anklage folgte die Richterin: „Der Angeklagte wurde vom Geschädigten zweimal klar identifiziert.“ Dessen spätere Aussage sei ein klarer Widerspruch, davon sei sie überzeugt. Für den Angeklagten spreche, dass in der Tatnacht alkoholisiert war. Gegen ihn, dass er sehr kräftig zugeschlagen habe.





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