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Stormarner Tageblatt

07. Dezember 2016 | 21:16 Uhr

Bad Oldesloe : Wenn Pflegende an ihre Grenze stoßen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Beratungsstelle Stormarn und Pflege-Not-Telefon laden zu einer Veranstaltungsreihe ein

80  000 Pflegebedürftige gibt es in Schleswig-Holstein, mehr als 7000 davon in Stormarn. Die Mehrzahl davon, 60 Prozent, werden in der Familie betreut, wobei nur jeder Fünfte auf einen ambulanten Pflegedienst zurückgreift. „Die Familien, vor allem die Frauen, wollen die Aufgabe übernehmen, sie kann aber schnell zu einer körperlichen und seelischen Belastung werden“, sagte Anke Buhl, Projektkoordinatorin des Pflege-Not-Telefons.

„Es sind in der Regel nicht die Pflegebedürftigen, die sich melden“, sagt Anke Buhl. Die trauen sich oft nicht oder wollen niemandem „zur Last fallen.“ Mit ihren Nerven am Ende sind häufig die Pflegenden. „Niemand möchte seinen Vater oder seine Mutter anschreien oder zu hart anfassen, aber manchmal wissen die Menschen sich in der Situation nicht anders zu helfen“, so Anke Buhl. Auch die Drohung, jemanden ins Heim zu schicken, sei eine Form von Gewalt. Und immer noch würden Bettgitter empfohlen, obwohl längst erwiesen sei, dass sie eher eine gegenteilige Wirkung hätten.

„Nicht nur Angehörige, oder Freunde, auch Pflegeprofis, Sozialarbeiter oder Ärzte stoßen manchmal an ihre Grenzen“, sagt die Notruf-Koordinatorin. Im Alltag müssten immer wieder Entscheidungen getroffen werden. „In solchen Situationen brauchen die Menschen Ansprechpartner, Unterstützung und Hilfe“, so Buhl.

„Vielen, die sich mit den Problemen alleingelassen fühlen, hilft es schon, wenn sie wissen, dass es viele andere gibt, die dasselbe erleben“, sagt Carina Wrage, die seit Oktober den neu gegründeten Pflegestützpunkt in Stormarn leitet, der eine neutrale Beratung sicherstellen soll. „Wir kennen die Angebote in Stormarn“, sagt Carina Wrage. 59 Heime gibt es im Kreis, 35 Pflegedienste und acht Tagespflegestellen. „Bei uns melden sich auch immer mehr Ältere, die für den Fall einer Pflegebedürftigkeit vorsorgen wollen.“

An die sowie an alle, die privat oder beruflich mit Pflege befasst sind, richtig sich eine gemeinsame Veranstaltungsreihe von Pflegestützpunkt und -Not-Telefon jeweils donnerstags um 15 Uhr im Kreistag. Zum Auftakt ist am 26. Mai die Diplompsychologin Maria Mall aus Reinbek zu Gast. Sie spricht über die Rolle pflegender Angehöriger „Zwischen Hingabe, Aufgabe und Selbstaufgabe“. Dr. Dr. Ulrich Kuipers, Chefarzt der Geriatrie an der Asklepios-Klinik Bad Oldesloe, wird am 23. Juni über Medikamente im Alter sprechen – Nutzen, Missbrauch und Unverträglichkeiten. „Sehr viele bekommen viel zu viele Medikamente, die auch nicht aufeinander abgestimmt sind“, sagt Anke Buhl, heute wisse man in der Geriatrie viel mehr darüber.

Weitere Themen sind freiheitsentziehende Maßnahmen, Mangelernährung, Kriegs-Traumata und Depressionen im Alter. Die Vorträge sind kostenlos. Anmeldung unter (04531) 160  1544, Mail b.barkmann@kreis-stormarn.de oder Tel, (0431) 5114  551, E-Mail post@pflege-not-telefon.de.

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erstellt am 11.Mai.2016 | 06:00 Uhr

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