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Stormarner Tageblatt

02. Dezember 2016 | 19:19 Uhr

Bargteheide : Wenn die Motivation stirbt

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Manfred Kutsche, langjährige Galionsfigur des Bargteheider Kulturrings, ist den ständigen Ärger um die Kultur leid. Fällt nun bald der letzte Vorhang?

49 Jahre lang steht der Kulturring Bargteheide für unzählige Veranstaltungen aus unterschiedlichsten Bereichen von Ballett über Oper, Popkonzert, Musical bis hin zu Theateraufführungen mit prominenten Schauspielern. Jahrzehnte ist Manfred Kutsche nun schon in erster Reihe dabei. „Es macht mir einfach Spaß, mit Künstlern zusammenzuarbeiten und für Bargteheide ein besonderes und erfolgreiches Kulturangebot mitzugestalten“, beschreibt er stets seine Motivation für das große ehrenamtliche Engagement, das er an den Tag legt.

„Das gilt auch für alle anderen Vorstandsmitglieder, die hier in den vergangenen fünf Jahrzehnten tätig waren“, führt er weiter aus. Doch jetzt ist Kutsche an einem Punkt angekommen, an dem ihm viele Dinge „auch irgendwie langsam egal werden.“ Die Motivationskurve sei in den vergangenen Jahren rapide gefallen und habe ein neues Allzeittief erreicht. „Auf einer Skala von null bis zehn liege ich nun tatsächlich bei minus zehn“, sagt der Theatermann unumwunden.

Enttäuschung ist groSS

Immer mehr beschleiche ihn das Gefühl, dass man „nicht mehr will, dass wir hier in Bargteheide ein Programm auf die Beine stellen. Dann sollen doch bitte lieber die entscheidenden Personen kommen und sagen: ,hört auf’“, meint Kutsche und die Enttäuschung ist deutlich hörbar. Er habe die Situation 2015 mit der Einführung des Trägervereins so kommen sehen, betont er. Doch seit dieser nun auch tatsächlich gegründet und aktiv sei, sei es immer deutlicher geworden, dass die gewohnte Arbeit des Kulturrings nicht mehr möglich, vielleicht sogar nicht mehr gefragt sei.

Kein Geld zum Jubiläum

Der jüngste Frust – der das Fass für ihn zum Überlaufen bringt – ist, dass die Lokalpolitik – wie berichtet – einem Sonderzuschuss von 5000 Euro für das Jubiläumsjahr 2017 zusätzlich zu einer Grundförderung von 30  000 Euro nicht zugestimmt hatte. „Das wären nur 100 Euro pro Jahr des Bestehens. Aber wenn das nicht einmal drin ist, fragt man sich schon, welchen Stellenwert das hat“, so Kutsche. Auffällig sei, dass irgendwie eine Umkehr stattfinde in der Darstellung. „Es klingt dann so, als wenn man uns einen Gefallen tut, wenn man uns als Stadt finanziell unterstützt. Das ist doch dem Kulturring an sich egal, wie viel Geld da fließt. Die Zuschüsse gehen in die nächsten Planungen, damit ein Programm für die Bargteheider auf die Beine gestellt wird. Darum geht es: Ein gutes Programm für die Bargteheider Bürger – nicht darum, ob wir Geld bekommen oder nicht“, sagt Kutsche. „Ich verstehe gar nicht, wie das alles sich so verdrehen konnte. Wir brauchen das doch auch alles nicht machen. Wir dachten nur, dass es wichtig sei für das kulturelle Leben.“

Wie Bittsteller

Dass er und seine Mitstreiter sich nun ständig wie Bittsteller fühlen und zusätzlich noch regelrecht und wortwörtlich aus dem Kleinen Theater ausgeschlossen werden, bringe ihn nur noch zum Kopfschütteln. Er habe den Eindruck, man wolle den Kulturring zur Zusammenarbeit mit dem Trägerverein zwingen. Gegen den habe man an sich ja gar nichts, sehe aber eben keine Vorteile für die eigene Arbeit, die in all den Jahren eben auch so funktionierte und deren Erfolg auf eingespielten Wegen basiere. „Wir haben uns gegen einen gemeinsamen Kartenverkauf ausgesprochen, weil unser System sehr gut läuft. Wir haben uns gegen neue , gemeinsame Versicherungen entschieden, weil wir da gute Lösungen entwickelt haben“, sagt der Kulturringchef.

Dann halt Abstriche

Das sei keine Boykott- oder Blockade-Haltung. „Wir sehen einfach nur für uns keine Vorteile. Und wir bekommen doch auch jetzt nur Nachteile zu spüren“, führt er weiter aus. Nachdem zunächst im letzten Jahr noch zugesagt wurde, dass es keine inhaltliche Einmischung in die Programmgestaltung des Kulturrings geben werde, sei das schon gebrochen worden. „Von den 30 000 Euro Förderung, die wir bereits erhalten, sollen wir nur 23 000 in zehn Theateraufführungen investieren“, erklärt er. Das sei eine Summe, die schon vor Jahren zu gering für qualitativ gutes Theater gewesen wäre. „Dann müssen wir da eben Abstriche machen. Ich habe lange gesagt, dass wir alleine für zehn gute Theateraufführungen 50 000 Euro Förderung bräuchten“, führt er weiter aus. „Dabei bringen wir selbst in Sachen Mitgliederbeiträgen und Arbeitszeit nochmal das Dreifache selbst mit. Das ist ein toller Deal für die Stadt“, erklärt Kutsche.

Die verbleibenden 7000 Euro aus der Förderung sollen in fünf Kleinkunstveranstaltungen fließen. Diese – und das stört den Bargteheider Kulturmacher ziemlich – sollen nicht nur terminlich, sondern auch inhaltlich mit dem Trägerverein abgesprochen werden. „Wir haben immer betont, dass wir keine inhaltliche Einmischung in unser Programm wollen. Es ist ja nicht so, dass wir hier Flops auf die Bühne bringen. Im Gegenteil. Das Programm ist immer ein großer Erfolg. Und warum haben wir denn eigentlich auf der anderen Seite kein inhaltliches Veto?“, fragt er sich.

Neuerdings habe man nun veranlasst, dass der Kulturring nicht mehr spontan und ohne Pächter ins Theater dürfe. Die elektronische Zugangsberechtigung wurde gesperrt. „Ich weiß gar nicht, wie wir unseren Pflichten nachkommen sollen in manchen Fällen. Für alle Dinge, die geklärt werden müssen, muss ich jetzt diverse E-Mails schreiben. Das nimmt so viel Zeit ein. Ich will auch nicht irgendwann aus Vorsicht immer mit einem Anwalt zu unseren Veranstaltungen erscheinen“, sagt Kutsche.

Schieflage nimmt zu

Es sei ständig viel zu klären. In all den Jahren seines Engagements für die Kultur in Bargteheide habe er für Sicherheit für die Organisatoren gekämpft. Die Sicherheit, dass das Gebäude bespielbar ist, dass Auflagen eingehalten werden, dass die Finanzen tragbar bleiben. All das sieht er immer mehr in Schieflage geraten. Dass die Stadt ihre Verantwortung auch komplett in die Hände des Trägervereins abgegeben habe, sei sogar juristisch problematisch. Das habe er festgestellt und darauf hingewiesen. Um Protokolle lesen zu dürfen, die bei der Gründung des Vereins angefertigt wurden, habe er sogar kürzlich die Datenschutzbeauftragte des Landes ins Spiel bringen müssen. Das alles sei mühsam, betont der Frontmann.

Werden rausgedrängt

„Wir werden auch ohne die 5000 Euro Zuschuss unser Jubiläum feiern. Dann nehmen wir das Geld dafür eben aus den Mitgliedsbeiträgen. Das fehlt dann an anderer Stelle. Dafür sagen wir halt was ab oder beschränken uns auf günstigere Produktionen. Dem Kulturring kann das doch am Ende irgendwie egal sein.“ Da das 50-jährige Bestehen nicht weit weg sei, gehe er davon aus, dass das auch noch erreicht werde. Das ganze Theater ums „Kleine Theater“ mache die Suche nach neuen, jüngeren Mitstreitern im Kulturring aber auch nicht einfacher. So werde auch die Nachfolgefrage immer schwerer lösbar. „Mein Eindruck ist aber, dass das gar nicht stört. Man möchte uns gerne da rausdrängen. Dann ist das irgendwann so“, sagt er und klingt eher resigniert als sauer.

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erstellt am 09.Nov.2016 | 18:22 Uhr

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