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Stormarner Tageblatt

06. Dezember 2016 | 22:53 Uhr

Nazivergangenheit : Weiter Wirbel um Landräte

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Was geschieht mit der geschichtlichen Aufarbeitung der Landrats-Biografien? Kulturstiftung druckt ohne Absprache Broschüren.

„Ich hatte nicht gedacht, dass dieser Punkt so viele Emotionen auslöst“, wunderte sich Landrat Dr. Henning Görtz im Hauptausschuss. In seinem Bericht wollte der Kreisverwaltungschef auch auf die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit der Stormarner Landräte eingehen. Hendrik Holtz, der als Kreistagsabgeordneter der Linken 2013 die Debatte über die Porträts im Flur der Kreisverwaltung losgetreten hatte, kam ihm allerdings zuvor.

Er möchte eine „Anregung an das Hohe Haus“ geben, meldete sich Holtz in der Fragestunde. Die Landräte-Bilder auf dem Flur zwischen Stormarn- und Hochhaus der Kreisverwaltung mögen doch bitte mit kleinen Texten zu den Personen versehen werden, so der Oldesloer: „Allein der Hinweis, wo das im Internet zu finden ist, wäre mir zu wenig.“ Was auch die Meinung der Linken-Abgeordneten Heidi Beutin ist.

Nach dem Protokoll des Hauptausschusses vom 21. September hätte in dieser Sitzung besprochen werden sollen, wie man mit der historischen Aufarbeitung weiter verfährt, merkte CDU-Fraktionschef Joachim Wagner an. Der Kreis hatte seinerzeit die Kulturstiftung gebeten, eine wissenschaftliche Aufarbeitung der Landrats-Biografien in Auftrag zu geben.

Die legte Historiker Henning K. Müller in diesem Herbst vor. Nur, wie soll mit den Texten weiter verfahren werden? Klar ist, dass sie über die Internetseite des Kreisarchivs jedem Interessierten zur Verfügung stehen sollen. Und Einigkeit besteht auch, dass die Porträts nicht abgehängt werden sollen. Vorschlag der Verwaltung war, an den Bildern Hinweise auf das Kreisarchiv und QR-Codes für direkten Zugang zu der Seite anzubringen.

Allerdings war die Kulturstiftung schneller als die Politiker. Der Vorstand habe beschlossen, die Langfassung der wissenschaftlichen Aufarbeitung in einer Auflage von 500 Stück drucken zu lassen und in einem Aufsteller bei den Landrats-Bildern anbieten, teilte Landrat Dr. Görtz in seinem Bericht mit.

Und brachte Joachim Wagner damit auf die Palme. „Es ist unglaublich, dass die Stiftung auf eigene Faust eine Broschüre herausgibt“, regte sich Wagner auf. Heidi Beutin hatte dem CDU-Politiker zuvor bereits vorgeworfen, dass er die historische Aufarbeitung als „Hetzjagd“ bezeichnet habe.

Wagner ging es aber vor allem um den „vorauseilenden Gehorsam der Kulturstiftung“. Und dass „die Kreispolitik allein entscheidet, wie weiter verfahren werden soll“, fand auch SPD-Fraktionschef Reinhard Mendel. Als Vorsitzender der Kulturstiftung werde er darauf drängen, dass der Druck erstmal gestoppt werde, kündigte Henning Görtz, an. Im Stiftungsvorstand habe man die Intention des Kreises aber schon so aufgefasst, dass es eine Information der Öffentlichkeit geben solle. „Die Kulturstiftung hat das Nutzungsrecht“, betonte Sigrid Kuhlwein (SPD).

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erstellt am 05.Nov.2016 | 08:00 Uhr

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