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Stormarner Tageblatt

04. Dezember 2016 | 11:19 Uhr

Wasser-Vergleich: Der Norden fällt ab

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Antworten der Bundesregierung auf eine Anfrage unterstreichen Handlungsbedarf gegen Stickstoff-Einträge

Schleswig-Holstein schneidet beim Vergleich der Gewässerqualität in Deutschland besonders ungünstig ab. Geht es darum, wo die Stickstoff-Einträge besonders dringend reduziert werden müssen – dann steht die sogenannte „Flussgebietseinheit“ Schlei/Trave bundesweit auf dem drittschlechtesten Platz. Die Zufuhr von Stickstoff müsste um 32 Prozent fallen, um den von der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie bereits für heute angepeilten guten Zustand zu erreichen.

Die Eider mit 15 bis 30 Prozent überhöhten Werten folgt auf Rang fünf der Negativ-Hitliste, die Elbmündung mit 22 Prozent überhöhten Einträgen auf Position sechs. Das geht aus der Antwort des Bundesumweltministeriums auf eine Anfrage mehrerer Bundestagsabgeordneter der Grünen hervor, darunter die Schleswig-Holsteiner Konstantin von Notz, Valerie Wilms und Luise Amtsberg. Die Zone Schlei/Trave deckt in der Statistik alle Meereszuflüsse an Schleswig-Holsteins Ostseeküste ab. Die Einheit Eider umfasst den Nordwesten, die Einheit Elbe den Südwesten des Landes mitsamt der Mitte sowie Gebiete Niedersachsens.

Mit einer weiteren „roten Laterne“ wartet Schleswig-Holstein bei einzelnen Messstellen für Nitrat auf: Der Grundwasserkörper Holm, zwischen Wedel und Uetersen gelegen, zählt zu den 15 in Deutschland am meisten belasteten. Dort wird der Schwellenwert von 50 Milligramm pro Liter um 118 Prozent übertroffen. Insgesamt befinden sich von Schleswig-Holsteins Grundwasserkörpern laut Bundesregierung 34,4 Prozent in keinem guten chemischen Zustand. Von den Fließgewässern trifft das auf 60,8 Prozent zu.

„Die Landesregierung braucht dringend ein scharfes Schwert gegen die Gülleflut“, schlussfolgert der umweltpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Peter Meiwald. Er sieht dafür die Bundesregierung in der Pflicht: Die müsse „endlich eine Düngegesetzgebung für mehr Gewässerschutz vorlegen.“ Eine „wirkliche Agrarwende“ sei erforderlich – denn der größte Teil des Stickstoffs und Nitrats im Wasser stamme aus der Landwirtschaft. Die hat in Schleswig-Holstein einen Flächenanteil von 70 Prozent.

Auch das grün-geführte Kieler Umweltministerium beklagt ein „viel zu langes Zögern“ der Bundesregierung bei einer strengeren Fassung der Düngeverordnung. Was in der Macht Kiels stehe, habe die aktuelle Koalition auf den Weg gebracht Was das Ministerium aber auch betont: Das Trinkwasser sei unbedenklich, unter anderem, weil es meist aus tieferen Schichten entnommen werde, „in denen die Belastung noch nicht oder erst in niedrigen Konzentrationen angekommen ist.“




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erstellt am 23.Mai.2016 | 20:43 Uhr

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