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Stormarner Tageblatt

10. Dezember 2016 | 04:17 Uhr

Trenthorst : Was die Hühner glücklich macht

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Nach einem Legehennen-Projekt startet im Öko-Institut eine Versuchsreihe mit einem mobilem Broiler-Forschungszentrum.

„Unsere Masthühner leben zwar nur wenige Wochen, aber solange sollen sie es so gut wie möglich haben“, sagt Dr. Lisa Baldinger, die das Hühner-Forschungsprojekt des Instituts für ökologischen Landbau in Trenthorst leitet. 2015 wurde mit der Forschung an Legehennen der Rasse Lehmann dual begonnen, jetzt schließt sich ein zweites Forschungsprojekt nahtlos an.

160 Masthühner der in der deutschen Öko-Hühnerhaltung weit verbreiteten Herkunft „Hubbard Ja-757“ leben in Wulmenau und werden liebevoll von Lisa Baldinger umsorgt. „Wie in der Mast üblich, werden sowohl die Hennen als auch die Hähne gemästet“, erklärt die Wissenschaftlerin. Die Broiler leben auf einer weitläufigen Grünfläche, auf der zwei mobile Ställe aufgebaut sind. Auf der Grünfläche gibt es kleine Unterstände als Rückzugsorte für die Hühner.

„Die mobilen Ställe wurden eigens von unserer hauseigenen Werkstatt angefertigt“, so Baldinger. Geplant wurde das Mobile Broiler-Forschunsgzentrum (MBFZ) von Ralf Bussemas, der für die ökologische Forschung an Schweinen zuständig und Mitglied der AG „Monogastrier“ (Einmäger) ist. „Das MBFZ wurde eigens für Trenthorst maßgeschneidert“, freut sich die Forscherin darüber, dass es in Trenthorst möglich ist, Masthühner rein biologisch aufzuziehen und gleichzeitig an ihnen zu forschen. Die mobilen Stalleinheiten bieten Platz für jeweils vier Gruppen mit je 20 Broilern. Derzeit sind zwei der vier mobilen Ställe im Einsatz. Im nächsten Jahr soll die Gruppenzahl von acht auf 16 erweitert werden.

„Nach jedem Mastdurchgang werden sie versetzt, um einen hygienisch einwandfreien und frischen Standort zu bieten“, erklärt Baldinger. Hier werden die Tiere gemäß der Bioland-Richtlinien gehalten. Während der ersten vier Lebenswochen erfolgt die Aufzucht im beheizten Stall, danach siedeln sie ins MBFZ um. Inzwischen sind die Broiler acht Wochen alt und wiegen etwa 1  900 Gramm. „Mit zehn oder zwölf Wochen werden sie auf einem nur 20 Minuten entfernten Bio-Hof mit eigener Schlachterei geschlachtet“, so die Wissenschaftlerin weiter. Dann werden die Hühner 2,4 bis 2,6 kg wiegen.

In der konventionellen Hühnerhaltung werden die Tiere nur fünf bis sechs Wochen alt. „Turbo-Schlachtung“ nennt es Dr. Lisa Baldinger. „Bei uns wird kein Küken weggeworfen. Der mobile Stall eignet sich besonders gut für die extreme Biohaltung“, sagt sie. Der erste Versuch ist ein Fütterungsversuch. „Vorgekeimter Weizen ist ein ausgezeichnetes, leicht verdauliches und sehr beliebtes Hühnerfutter“, so die Forscherin, die vor eineinhalb Jahren für das Hühner-Forschungsprojekt nach Trenthorst kam.

Die kleinen Gruppen erleichtern ihr die Arbeit, weil sie nicht jedes Huhn einzeln bewerten kann. In der ökologischen Haltung sei eine hohe Futteraufnahme sehr gewünscht, da es dadurch möglich sei, die Tiere auch mit etwas niedrigeren essenziellen Aminosäuren – wichtig für Wachstum und Gesundheit – ausreichend zu versorgen. Das bedeute, dass die Hühner überwiegend mit am Hof produzierten Futter gefüttert werden könnten. Im Versuch wird daher getestet, ob die Masthühner auch bei zusätzlicher Verfütterung von Keimweizen mehr von der Basis-Mischung fressen wenn diese pelletiert ist und ob sie dadurch schneller wachsen. Hühnerhaltung habe deshalb international eine so große Bedeutung, weil es halt so schnell gehe.

Einen Feind haben die glücklichen Hühner von Trenthorst allerdings: den Habicht. Gegen Füchse und Marder habe man bereits erfolgreich dichtmaschige Elektrozäune gespannt, doch der Habicht lasse sich auch durch spiegelnde Windspiele nicht vertreiben. Deshalb wird das Außengehege demnächst mit einem Netz überspannt. Für den Öko-Landwirt sei das sicher ein Problem. Helfen würden Streuobstwiesen, Hunde, Schafe und Ziegen, Deckung durch Hecken und Bäume.

20 Durchgänge wurden bereits absolviert. Anfang Oktober soll die Versuchsreihe abgeschlossen sein. Dann geht es ans Auswerten. Im nächsten Jahr planen die Forscher ein größeres Projekt mit der Verfütterung von Saatwicken bei Schweinen und Hühnern.

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erstellt am 13.Sep.2016 | 06:00 Uhr

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