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Stormarner Tageblatt

10. Dezember 2016 | 17:47 Uhr

Stormarner Wochenschau : Was am Ende so alles rauskommt

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Geld stinkt nicht und Ärzte muss man durch lassen, aber das man Bürgermeisterkandidaten in Oldesloe zuhören will, ist neu.

Weißkittel

Ärzte stehen seit Jahren auf der Liste, wem die Menschen vertrauen, ganz oben. Journalisten können sich so viele weiße Kittel überstreifen, wie sie wollen. Das Niveau werden sie nie erreichen. Wer es mit „Lassen Sie mich durch, ich bin Journalist“ versucht, wird eher mehr als weniger Schwierigkeiten haben, zum Ort des Geschehens zu gelangen. Also sagt man besser Arzt. Das funktioniert wie ein Sesam öffne Dich fürs Gehirn: Denken ausgeschaltet, Schritt zur Seite. Klappt sogar, wenn man selbst Opfer ist. In Bargteheide, bei der Baustelle Jersbeker Straße, wurde am Montag gegen 7.45 Uhr ein 71-Jähriger vom Auto angefahren. Aus dem BMW oder Audi stieg ein Mann, der sich gleich als Arzt vorstellte, so dass erst gar keine Schmerzen oder gar Nachfragen aufkommen. Erst später, als der 71-Jährige so starke Rückenschmerzen bekam, dass er ins Krankenhaus musste, fiel ihm auf, dass er keine Personalien aufgeschrieben hatte. Nun bittet die Bargteheider Polizei den Autofahrer, sich zu melden. Wenn er wirklich Arzt ist, wird er es selbstverständlich tun. Oder sind wir jetzt in die eigene Denkfalle getappt?

Alte neue Werte

Das Abendland sollte sich wieder auf seine griechisch-römischen Wurzeln besinnen. Da gibt es nämlich Vorbilder wie Vespasian, der nach Kaiser Nero ein römisches Reich übernahm, das fast pleite war. Er sorgte wieder für geordnete Abläufe und sanierte die öffentlichen Haushalte. Unter anderem mit einer Steuer auf die öffentlichen Toiletten: „Geld stinkt nicht.“ Dieses dringende Bedürfnis hatten Ahrensburgs Stadtobere offenbar nicht verspürt, als sie vor zehn Jahren das Luxus-WC am Rathaus aufstellen ließen. 6000 Euro wurden seitdem in Form von 50 Cent-Stücken eingenommen – bei Kosten von 430  000 Euro für Miete, Wasser, Strom. Um kostendeckend zu arbeiten, müssten pro Jahr also 86  000 Leute aufs Klo gehen, 240 am Tag, zehn pro Stunde. Oder von den jetzigen 1200 Nutzern müsste jeder 35,80 Euro für den Toilettengang bezahlen. Wie man sieht, ist die Lösung ganz einfach. Nur die Zeiten haben sich geändert. Bei Vespasian wurde das Ammoniak aus dem Urin für das Gerben von Leder und die Wäschereien benötigt. Und – brauchen wir das heute nicht? Woraus besteht AdBlue, mit dem Dieselabgase gereinigt werden? Darum sollten sich die Grünen mal kümmern.

Quantität

Ja ja, hinterher können alle schlau quaken: Das hätte man doch ahnen können. Klar hätte man das können. Es hätte aber auch in die Hose gehen können. Bei der ersten Flüchtlingsveranstaltung war die Festhalle ebenfalls voll. Für die zweite Runde wurde in der Stormarnhalle angerichtet – und die blieb dann größtenteils leer. Wie man es macht, es ist verkehrt.

Und sonst: Man muss schon sagen, so viele Menschen bei der Vorstellungsrunde der Bürgemeisterkandidaten, das ist schon grandios. Wenn das ein Indiz für die zu erwartende Wahlbeteiligung ist, wäre das klasse. Aber der Blick durch die Festhalle konnte einen dann doch auch wieder erschrecken lassen: Der Altersdurchschnitt war doch ganz schön hoch. Dass schon Jugendliche ab 16 wahlberechtigt sind, hat sich wohl nicht rumgesprochen. Oder sind die alle schon aufgeklärt ... also über die Kandidaten.

Inhaltlich gab es wenig Erkenntnisse. Thematisch haben Fragen und Antworten, wenn überhaupt, die Oberfläche nur leicht angekratzt. Vielleicht mal eine kurze Gegenrede, aber eben nur selten – der Trend geht zur Häppchenpolitik. Okay, man konnte sehen, wen welche Frage ins Schwitzen gebracht hat, aber ob das ein sonderlich aussagekräftiges Kriterium ist?

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23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 13.Mai.2016 | 18:21 Uhr

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