zur Navigation springen

Stormarner Tageblatt

09. Dezember 2016 | 06:58 Uhr

Bad Oldesloe : Von Illegitimität zur „Single Mom“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

In der Wanderausstellung wird die Situation alleinerziehender Mütter durch fünf Jahrhunderte beleuchtet.

1,6 Millionen Alleinerziehende leben zurzeit in Deutschland, 90 Prozent davon sind Frauen. In Stormarn gibt es aktuell 7750 Alleinerziehende mit Kindern unter 18 Jahren – Tendenz steigend. „Und rund 50 Prozent der Väter zahlen keinen Unterhalt für ihre Kinder“, weiß Marion Gurlit. Die Gleichstellungsbeauftragte hat zu diesem überaus heiklen Thema eine interessante und sehr informative Ausstellung über „Alleinerziehende im Spiegel der Geschichte“ aus dem Frauenmuseum in Bonn in die Kreisstadt geholt, die noch bis Ende Oktober in vier verschiedenen Einrichtungen zu sehen sein wird.

Den Anfang macht gerade das Kub, hier werden die 15 großen, reich bebilderten Tafeln noch bis zum 19. September stehen, bevor sie vom 19. bis 24. September im Haus der Begegnung im Poggenseer Weg 28 zu sehen sein werden. Anschließend wandern die „Single Moms“ bis zum 21. Oktober in das Foyer der Sparkasse und bis zum 31. Oktober in die Oldesloer Stadtbibliothek.

Die Ausstellungstafeln bieten einen spannenden historischen Exkurs vom 17. Jahrhundert bis heute und beleuchten die schwierige Situation alleinstehender Mütter und ihrer unehelichen Kinder. Die hat es nämlich zu allen Zeiten gegeben und immer hatten sie es besonders schwer, waren sie doch zahlreichen Diskriminierungen ausgesetzt. Allerdings hat sich ihre Stellung im Laufe der Jahrhunderte verändert. Sprach man früher sogar von „Illegitimität“, die teilweise streng bestraft wurde und mit Sanktionen verbunden war, ist die „Unehe“ heutzutage gesellschaftlich anerkannt und weit verbreitet.

„Besonders schwer hatten es früher die Dienstmägde, die spätestens nach der zweiten unehelichen Schwangerschaft ihre Stellung verloren und das Dorf verlassen mussten“, erzählt Marion Gurlit. Die Angst vor der Schande war so groß, dass einige Frauen vor Verzweiflung sogar ihre unehelichen Kinder umbrachten. „Auch in Oldesloe standen Frauen vor Gericht, die ihre Säuglinge in der Trave ertränkt haben sollen“, weiß Gurlit.

Seit Ende des 18. Jahrhunderts setzte ein großer Anstieg der Unehelichenrate in ganz Europa ein. In katholischen Gegenden führte dieser Trend zu einer Idealisierung der Jungfräulichkeit, und die Zahl der bürgerlichen Frauen, die unverheiratet blieben, nahm zu. Trotzdem waren so selbstbewusste Frauen wie die Schriftstellerin Franziska zu Reventlow, die wechselnde Liebhaber hatte und nach der Geburt ihres Sohnes den Namen seines Vaters nicht preisgab, die große Ausnahme.

Eine besondere Bedeutung hatte die Unehelichkeit in der NS-Zeit, denn sie stand unter der Prämisse des Interesses der Volksgemeinschaft und ledige Mütter wurden aufgewertet, zumindest wenn sie „arischer“ Herkunft waren. Das Bild der ledigen Mütter hat sich zwar stark verändert, ihr Status ist aber bis heute ein brisantes Thema.

zur Startseite

von
erstellt am 10.Sep.2016 | 06:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen