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Stormarner Tageblatt

09. Dezember 2016 | 03:05 Uhr

Reinfeld : Von Flüchtlingen für Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Ein internationales Redaktionsteam gestaltet das Online-Magazin „Reinfugees welcome“ und bietet Informationen in fünf Sprachen.

Omran aus Syrien, Hamid aus Afghanistan, Habs aus Syrien und Aws aus dem Irak – ihnen allen brummt der Kopf bei der Redaktionssitzung in der Alten Schule. Vielfältig und interessant sind die Themen, die sie gemeinsam für ihr Online-Magazin „Reinfugees welcome“ diskutieren. Jeder Flüchtling – die Vier sind schon mehr als ein halbes Jahr in Reinfeld – bringt seine eigenen Erfahrungen, sein eigenes Schicksal mit. Doch die Meinung aller vier Asylbewerber – so unterschiedlich ihr Lebenslauf auch ist: „ Es ist alles kein Problem, wir sind hier in Sicherheit. Das ist das Wichtigste!“

Omran (25), Aws (43), Hamid (25) und Hobs (28) wollen sich integrieren, sich in ihrer neuen Heimat engagmieren. Sie unterstützen andere Flüchtlinge, schreiben sich im Online-Magazin ihre Gedanken und Erfahrungen von der Seele. Obwohl sie immer noch in der Warteschleife festhängen und noch keinen Platz im Deutsch- und Integrationskursus bekommen haben, sitzen sie nicht untätig herum, sondern blicken trotz allem nach vorne. „Das Warten zermürbt, man muss dagegen ankämpfen“, sagt IT-Experte und Modedesigner Hamid.

Der Kurde Omran aus Syrien ist Wirtschaftsstudent und sieht es genauso wie sein Redaktionskollege. Der gelernte Buchhalter Aus musste seine Frau und seine beiden Kinder im Irak zurücklassen. Trotz aller Widrigkeiten fühlen sich alle Vier „sehr gut aufgenommen“ in Reinfeld. „Die Menschen sind hier sehr freundlich und hilfsbereit. Wir sind sehr dankbar für alles“, betont Omran.

Unterstützt werden die vier Online-Redakteure durch Sozialtherapeut Udo Reichle-Röber, der als Mitarbeiter der Diakone Reinfeld–Nordstormarn dieses Projekt leitet. „Diese Flüchtlinge sind gut ausgebildet und integrationsbereit“, sagt er und bedauert, dass sie noch immer keinen Platz im gesetzlich vorgeschriebenen Integrationskursus erhalten haben. Das Bundesministerium für Migration entscheide ohne genaues Wissen über die geistige und religiöse Haltung und das Schicksal der Flüchtlinge. Dabei könnte das ein lokales Gremium aufgrund der persönlichen Kontakte zu den Flüchtlingen viel besser und auch schneller entscheiden. „Wir warten und warten, und keiner sagt uns etwas“, bringt es der Iraner Aus auf den Punkt.

Es sei wie im Schauspiel „Warten auf Godot“ von Samuel Beckett. Das Online-Magazin (Reinfugees = Reinfelder Flüchtlinge) erlaubt es den Asylbewerbern, Kontakte zu knüpfen, ihre persönlichen Gedanken niederzuschreiben, wichtige Informationen in den Sprachen Deutsch, Englisch, Persisch, Kurdisch und Arabisch zu erhalten, auf gleicher Augenhöhe wie Ehrenamtler und andere Helfer zu diskutieren. Die Resonanz auf die Plattform sei gut. 1000 Zugriffe von Seiten der Flüchtlinge und Deutschen beiderseits in einem Monat – das sei schon überwältigend. Orientierung im neuen Lebensumfeld, ein Minisprachkurs, wichtige Informationen zum Asylrecht, ein Flohmarkt, interessante Artikel der Lokalpresse – ein vielseitiges Online-Magazin mit weiterführenden Links.

Hamid interviewte Passanten am Herrenteich zum Thema Flüchtlinge, fragte diese wiederum nach ihren Erfahrungen, nannte seinen Artikel „Live-Stories“. Filmemacher Kiomar aus dem Iran zeigt beeindruckende Fotos aus seinem Heimatland. Auf der Redaktionssitzung spricht Udo Reichle-Röber vorwiegend Deutsch, übersetzt dann ins Englische, was alle vier Flüchtlinge gut beherrschen. „Syrer und Iraker können sich untereinander verständigen“, erklärt Aus. Das gehe aber nicht zwischen Syrern und Afghanen. So greife man zu Englisch. Fühle ich mich willkommen in Deutschland? Wie stelle ich mir meine Zukunft vor? Gibt es Probleme zwischen Flüchtlingen und Reinfeldern? Wie kann ich die Wartezeit sinnvoll verbringen? Alles neue Themen für die internationale Redaktion. In einem fremden Land sind die vier Flüchtlinge längst gute Freunde geworden. Omran: „Wir sind wie eine kleine Familie, und zu der gehören auch viele neue deutsche Freunde in Reinfeld.“



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Interessierte finden das Online-Magazin unter www.reinfugees.wordpress.com oder können eine Mail an reinfugees@gmail.com schreiben. Die nächste Sprechstunde für Flüchtlinge der Diakonie ist am Montag, 23. Mai, in der Zeit von 9 bis 12 Uhr im evangelischen Gemeindehaus, Matthias-Claudius-Straße.




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erstellt am 18.Mai.2016 | 11:35 Uhr

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