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Stormarner Tageblatt

09. Dezember 2016 | 14:40 Uhr

Reinfeld : Vom Scheitern und Wiederaufstehen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Das Comic-Magazin „Fashal“ des syrischen Ehepaars Hala und Ziead wurde erstmals in einer Berliner Galerie einem breiten Publikum gezeigt. Ein Ausstellung in New York ist ebenfalls geplant.

Viele Menschen sind aus Syrien geflohen, um den Wirren des Krieges in ihrem Heimatland zu entkommen. Sie haben gefährliche Fluchtwege in Kauf genommen, um hier Asyl zu beantragen und in Frieden leben zu können. Dazu gehört in Stormarn das Ehepaar Hala Ismaiel (28) und Ziead Zankello (29) aus Aleppo. Beide sind vor fast einem Jahr hier angekommen und versuchen, sich ein neues Leben aufzubauen.

Das Stormarner Tageblatt hat die jungen Syrer – beide studierten an der University of Fine Arts in Aleppo – nach den Beweggründen für ihre Flucht, ihrem Alltag in fremder Umgebung und ihren Zukunftsplänen befragt und wird ihren Werdegang in den kommenden Monaten auch weiterhin begleiten. Im 8. Teil erzählen Hala und Ziead von ihrem Comic-Magazin „Fashal“ und der Ausstellung in Berlin, vom Deutschlernen und weiteren Kunst-Projekten.

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Die Aufregung vor ihrer ersten großen Ausstellung in Deutschland war riesig. „Wir haben mit unserem kleinen Budget versucht, das Beste draus zu machen“, sagt Hala. Die 28-Jährige und ihr Ehemann Ziead hatten in den vergangenen Wochen vor der Vernissage alle Hände voll zu tun und nur ganz wenig Geld zur Verfügung. Ihr Comic-Magazin „Fashal“, das bereits in der Türkei, wo beide vor ihrer Flucht nach Deutschland lebten, veröffentlicht wurde, sollte nun auch in der Berliner Galerie Scotty ausgestellt werden. Den Kontakt zu der Galerie im Künstlerviertel zwischen Checkpoint Charlie und East Side Gallery hatte bereits vor Monaten eine gute Freundin vermittelt.

Nun aber wurden Nägel mit Köpfen gemacht. Nach langer Suche fanden Hala und Ziead eine Übersetzerin vom Arabischen oder Englischen ins Deutsche. „Geholfen hat uns die Tochter von unserem verstorbenen und geliebten Hausherren Jan Kühl“, so Hala dankbar.

Das Künstlerehepaar zeichnete eine Einladungskarte mit den Charakteren aus ihrem Comic. Sie ließen sie drucken und reisten nach Berlin, um dort die Ausstellung vorzubereiten. Bei der Vernissage kamen sie in Kontakt mit Comic-Zeichnern nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus den USA. „Eine Dame war so begeistert, dass sie unser Fashal-Magazine gleich mit nach New York nahm, wo es tatsächlich ausgestellt wird“, kann Hala ihr Glück kaum fassen. In der Galerie „Tiger Strikes Asteroid“ in New York wurde eine Ecke für Hala und Zieads Werke reserviert. Beide sind gespannt, ob sich mehr aus diesem Kontakt entwickelt.

Das Fashal-Magazin berichtet in kurzen Szenen von aktuellen politischen und gesellschaftlichen Ereignissen in Syrien. „Fashal bedeutet Scheitern – in Form einer Hand geschrieben, die einen Schlüssel umfasst“, erklärt Ziead. Das Symbol als Logo des Magazins sei ein Schlüssel auf dem Weg zur Veränderung, ergänzt Hala. Es sei durchaus keine Schande zu scheitern, es gehöre sogar zum Leben dazu. So auch in ihrem Heimatland, wo der Geist der Revolution noch lebendig sei – trotz der Waffen und allem politischen Kalkül. Man sei erst dann gescheitert, wenn man nicht mehr aufstehe und sich nicht mehr wehre, ist sich Hala sicher.

In ihrem Magazin machen die beiden Syrer auf Missstände in Syrien aufmerksam, wollen Freiheit und Frieden für ihr Heimatland. Sie zeigen, wie ein Unschuldiger zum Mörder, wie eine Mutter nach ihrem Gefängnisaufenthalt von ihrem Ehemann verstoßen wird, wie Kinder verschleppt werden und Menschen nach Freiheit schreien. Die Zeichner bilden eine heterogene syrische Gesellschaft ab, die sich im Wandel befindet. Sie schildern die Tragödie einer Gesellschaft im Bürgerkrieg.

Auch in Stormarn sind Hala und Ziead nicht untätig. Ein Mal pro Woche engagieren sie sich bei „Kaktus“ in Bad Oldesloe, Treffpunkt für Migranten und ehrenamtliche Helfer, haben eine Einladungskarte für eine Ausstellung in der Galerie BOart gezeichnet und sind bereits mit den Planungen für ihre Schau im Januar in Hamburg beschäftigt. „Dort werden wir ausschließlich Zeichnungen zeigen“, so Hala. Mehr möchte sie noch nicht verraten. Im nächsten Jahr möchte das Ehepaar seine Zeichnungen auf dem Comic-Festival „Comics in Vision“ präsentieren - wenn die Bewerbung klappt. Im November steht außerdem die Deutschprüfung Level A1 an - bei dem Arbeitseifer der Beiden ganz sicher kein Problem.

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erstellt am 27.Okt.2016 | 11:15 Uhr

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