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Stormarner Tageblatt

10. Dezember 2016 | 17:49 Uhr

Preisgünstige Wohnungen? : Viele Ideen, aber kein Plan

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Das Stormarner Dilemma: Grundstücke sind rar im Kreis.

In der Analyse und in der Überzeugung, irgendetwas tun zu müssen sind sich fast alle einig: In Stormarn gibt es schon heute zu wenige preisgünstige Wohnungen, aufgrund der Hamburg-Nähe und der guten wirtschaftlichen Situation wächst die Einwohnerzahl weiter – und zwar stärker als die Zahl neu errichteter Wohnungen.

„Wir brauchen preisgünstigen Wohnraum für junge Leute und jene, die sich die teuren Mieten nicht leisten können“, sagen Kreispräsident Hans-Werner Harmuth (CDU) und Wolfgang Gerstand (CDU), der als Vorsitzender des Wirtschafts-, Planungs- und Bauausschusses auch die Arbeitsgruppe leitet, die sich mit einer kreiseigenen Wohnungsbaugesellschaft befasst.

„Wir haben uns verschiedene Modelle angeguckt, aber die Fragen von Rechtsform und wer welche Aufgaben übernimmt, das ist alles noch in der Schwebe, sagt Gerstand. Was nicht ganz stimmt, denn auch wenn die Initiative vom CDU-Kreispräsidenten ausging, so sind sich die Christdemokraten einig, dass es „nicht Aufgabe des Kreises sein kann, Wohnungen zu bauen.“

Es würde auch kaum zur Ausgleichsfunktion des Kreises passen, wenn Millionen aus der Kreisumlage, die alle zahlen, in einigen wenigen Kommunen verbaut würden. Deshalb laufen die Überlegungen in Richtung einer Gesellschaft mit unterschiedlichen Anteilseignern, in der sich Kommunen zum Beispiel mit Grundstücken für den sozialen Wohnungsbau einbringen könnten.

„So wie die WAS die Kommunen bei der Gewerbegebietsentwicklung hilft, kann ich es mir auch für Sozialwohnungsbau vorstellen“, sagt Harmuth, aber auch: „Den goldenen Weg haben wir noch nicht gefunden.“ Denn angesichts der Nachfrage und der historisch nierigen Zinsen ist die Finanzierung nicht gerade das Hauptproblem im Wohnungsbau.

„Grundstücke sind rar in Stormarn“, sagt Harmuth. Und wenn das Land in Privatbesitz ist, oft so teuer, dass sich sozialer Wohnungsbau nicht rechnet. Hinzu kommt, dass der Einwohnerzuwachs oft auch nicht gewollt ist. Die Ahrensburger Politik hat die meisten Potenzialflächen für Wohnungsbau lieber wieder aus dem F-Plan-Entwurf herausgestrichen.

Im Auftrag des Kreises hatte das Büro BPW Baumgart & Partner eine „Anpassungsstrategie für den Siedlungs- und Wohnungsbau im demographischen Wandel“ erstellt. Die Gutachter gingen von einem Einwohnerzuwachs von 12  000 Menschen bis 2030 aus. Als die die Endfassung der Studie vor gut einem Jahr vorlegten, war die Wirklichkeit schon weiter. Die Einwohnerzahl Stormarns lag bereits Ende 2014 höher als für 2018 prognostiziert bei 236  578.

Damit ist klar, dass noch mehr als die geforderten 11  000 zusätzlichen Wohnungen nötig sind, um die Menschen unterzubringen. Dabei verläuft die Entwicklung nicht einheitlich im Kreis. Während es in ländlichen Regionen Nordstormarns sogar einen Einwohner-Rückgang geben könnte, steigt der Druck in den Städten weiter, besonders stark in Glinde, Reinbek Ahrensburg, Bargteheide Bad Oldesloe und auch Reinfeld.

In den Städten fehlt laut Studie schon heute Wohnraum im preisgünstigen Segment. Hinzu kommt, dass viele Sozialwohnungen aus der Preisbindung fallen werden. Ende vergangenen Jahren waren es kreisweit noch 2057 von der Investitionsbank geförderte Wohnungen, 2020 werden es 1713 sein, 2025 nur noch 1558. Bad Oldesloe hatte Anfang 2008 noch 1270 Sozialwohnungen, 2015 waren nicht mal mehr halb so viel noch in der Preisbindung, 2020 werden es nur noch gut 400 sein.

Kiel stellt für die Förderperiode 2015 bis 2018 wieder 360 Millionen Euro Bundes- und Landesmittel für sozialen Wohnungsbau zur Verfügung, davon 82 Millionen Euro für das Hamburger Umland. „Die Nachfrage nach Mitteln ist gut bis sehr gut“, sagt Birgit Rapior, Pressesprecherin der Investitionsbank. Das gilt allerdings nicht für Stormarn, wo das Interesse „eher gering“ ist.

Der Grund ist einfach. Angesichts der Niedrig-Zinsen braucht kein Investor Zuschüsse. Einer geringen Ersparnis steht ein hoher Verlust bei den Mieteinnahmen entgegen, wenn man statt zwölf Euro je qm nicht mal die Hälfte verlangen darf und das Belegungsrecht auch noch an die Stadt abtreten muss. Dass dennoch Mittel abgerufen werden, liegt an an den Vorgaben. Andere Städte schreiben den Investoren eine Quote von 30 Prozent Sozialwohnungen vor. Wenn man die ohnehin bauen muss, kann man auch die Zuschüsse mitnehmen. Auf einem Markt wie in Stormarn, wo Bauland teuer ist, treibt das die Mitpreise indirekt ebenfalls nach oben. Damit sich ein Gesamtprojekt rechnet, müssen die anderen Wohnungen teurer vermietet werden. Nebeneffekt: Diese Mieter zahlen doppelt – die höhere Miete und die Steuern, aus denen die Fördertöpfe für sozialen Wohnungsbau gefüllt werden.

Bei den heutigen Grundstückspreisen sei sozialer Wohnungsbau nur schwer zu realisieren, hatte Dr. Uwe Heimbürge, Vorstand der Bau-Genossenschaft Neue Lübecker, jüngst gesagt. Das Dilemma kann auch eine Kreisgesellschaft mit kommunalen Anteilseignern nicht lösen. Funktionieren kann sozialer Wohnungsbau in Stormarn nur, wenn Kommunen über geeignete Grundstücke verfügen und willens sind, sie zu Bauland zu machen.

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erstellt am 23.Aug.2016 | 06:00 Uhr

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