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Stormarner Tageblatt

04. Dezember 2016 | 13:21 Uhr

Bad Oldesloe : Viele bereit für neue Nachbarn

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Über 200 Oldesloer besichtigen auf Einladung der Stadt die Flüchtlingsunterkunft in der Kastanienallee

Die Schlange reichte weit bis auf den Hof des ehemaligen Schwesternwohnheims der Asklepios-Klinik. „Mit so einem großen Andrang hätte ich gar nicht gerechnet“, sagte Bad Oldesloes Bürgeramtsleiter Thomas Sobczak bei dem Anblick erstaunt.

Weit mehr als 200 Interessierte waren in die Kastanienallee gekommen, um sich das frisch von der Stadt zur Flüchtlingsunterkunft umgebaute Gebäude anzuschauen. Damit niemand draußen bleiben musste, wurde schnell umgeplant. Statt einer Führung kamen Sobczak und Bauamtsleiter Thilo Scheuber überein, zwei separate Begehungen anzubieten, damit – anders als bei den Bürgermeisterkandidatendiskussionswochen vor einigen Wochen – nicht wieder Menschen nach weggeschickt werden müssten.

Gemeinsam mit der Einrichtungsleiterin Ilka Lambke-Muszelewski begrüßte Sobczak die Menschenmenge vor den Eingangstüren. Auch Lambkes Mitarbeiter Thomas Kook und Ibrahim El Nabulsi waren erfreut über das rege Interesse. Die Die Schar der Besucher war bunt: Nachbarn, Flüchtlingshelfer, zukünftige Bewohner und auch ein paar skeptische Einwohner waren gekommen. „Hier in der Nachbarschaft ist die Stimmung zu 90 Prozent total offen und eher neugierig“, sagte Anwohnerin Sabine Tiedtke. Und das spiegelte sich auch in den Fragen und Gesprächen im Gebäude selbst wieder. Einige wenige Anwohner äußerten jedoch auch ihre Besorgnis. Es waren Fragen nach Verantwortlichkeiten und leise Kritik daran, dass hauptsächlich alleinstehende junge Männer in die Unterkunft einziehen werden. „Als Anwohner macht man sich schon so seine Gedanken, wenn ich ehrlich bin“, sagte ein Senior. Schließlich habe man das alles nicht gewusst, als man mal hierher gezogen sei. Doch auch er – als einer der Kritiker – wolle sich gerne davon überzeugen lassen, dass die neuen Nachbarn „friedliche, normale Menschen“ seien.

Einige der Teilnehmer der Führung waren über die eher spartanische Ausstattung und fehlende Möbel erstaunt. Nein, es sei nun gar nicht wie eine Jugendherberge oder gar ein Hotel, wie mancher im Vorwege gedacht hatte. Stattdessen: funktional und eher nüchtern „Manche der neuen Bewohner haben bereits Möbel, daher sind einige Zimmer gar nicht möbliert“, erklärte Ilka Lambke-Muszelewski. Auch die Aussage, dass 24 Stunden lang immer ein Ansprechpartner der Johanniter oder des Wachdienstes vor Ort sein werde, sorgte für wohlwollendes Nicken. Es kamen Fragen auf, wie Unterstützung erfolgen und wo Spenden abgegeben werden könnten. Immer mehr ging es um konkrete Hilfe. „Ich weiß, dass es wichtig für Flüchtlinge ist, dass sie W-Lan haben“, betonte Kay von der Heydt. „Wir sind da dran. Das ist uns auch bekannt. Wir versuchen das einzurichten“, sagte Sobczak.

Um mögliche Vorurteile gleich abzubauen, hatte die Einrichtungsleiterin den 23-Jährigen Syrer Haaeb Haidar zur Begehung mitgebracht. Er wird einer der ersten 40 neuen Bewohner sein. Als er sich kurz vorstellte, durfte er sich über großen Applaus der neuen Nachbarn freuen.

„Ich bin dankbar und hoffe in Zukunft in Deutschland als Elektriker arbeiten zu können“, sagte er. Die neue Unterkunft sei gut, aber auch seine bisherige Übergangsheimat am Sandkamp wolle er nicht als schlecht bezeichnen. In Deutschland sei er seit neun Monaten. Seine neuen Mitbewohner werden aus Syrien, dem Irak, Eritrea, Albanien, Afghanistan und Serbien stammen. Auch die Religionen werden bunt gemischt sein. Bei der Gestaltung von Terrasse und Aufenthaltsraum wird man zusammen anpacken. „Es sind schon viele Idee da. Wir machen was gemeinsam was draus“, so Ilka Lambke-
Muszelewski.

„Die Stimmung empfand ich positiv und angenehm“, freute sich Oldesloesw Bürgerworthalter Rainer Fehrmann. Die Einrichtungsleiterin hofft das es gelingen wird, im direkten Kontakt mit den Nachbarn auch die letzten Ängste und Skepsis noch abzubauen. Nach dem positiven Auftakt, hat sie guten Grund optimistisch zu sein.

 

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erstellt am 11.Jul.2016 | 06:00 Uhr

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