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Stormarner Tageblatt

03. Dezember 2016 | 16:49 Uhr

Reinfeld : Viel Stress, viel Freude:  Ein Leben mit Drillingen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Jasmin und Robert Paluch meistern den Drillings-Alltag mit Liebe, Geduld und Gelassenheit.

560 Windeln im Monat, ein überdimensionaler Kinderwagen, jeden Tag ein Paket Milchnahrung, 18 Fläschchen im Dauergebrauch, drei Mal hintereinander füttern und Fläschchengeben, die Waschmaschine im Dauermodus, wenig Schlaf und ganz viel Trubel – das erleben Jasmin und Robert Paluch mit ihren Drillingen Laura, Felix und Marie.

„Zuerst war es schon ein großer Schock, aber dann haben wir uns über das große Wunder gefreut“, erinnert sich Drillingsmutter Jasmin Paluch. Die Frauenärztin entdeckte bei der Vorsorgeuntersuchung zuerst ein und dann zwei Embryos auf dem Bildschirm. Am Ende die große Überraschung: „Und da ist ja noch eins!“

Vielleicht liege es daran, dass es in beiden Familien Zwillinge gibt, spekuliert der Vater. Zuerst konnten die werdenden Eltern es gar nicht fassen, dann kamen trotz der Freude auch Ängste auf, denn eine Drillingsgeburt ist immer mit Risiken verbunden. Wie werden wir es schaffen gleich mit drei Babys? Wie bewältigen wir es finanziell und organisatorisch? Und vor allem: Werden die Babys gesund auf die Welt kommen?

Nach einer komplizierten Schwangerschaft mit wochenlangem Liegen und einer Schwangerschaftsvergiftung wurden die dreieiigen Drillinge in der Uniklinik Lübeck zehn Wochen zu früh in der 30. Schwangerschaftswoche per Kaiserschnitt geholt. „Ich war froh, dass wir es bis dahin geschafft haben“, so Jasmin Paluch über die bewegendste Zeit ihres Lebens.

Viele Drillinge kämen noch weitaus früher zur Welt. Die Mädchen wogen knapp unter 1400, Felix unter 1500 Gramm. Er war dann auch der „Schnellste“ und konnte schon nach zwei Wochen den Brutkasten verlassen, zwei Wochen später Marie, noch einmal zwei Wochen danach Laura. „Es war sehr bewegend. Ich konnte die Kinder nach der Geburt nicht in die Arme schließen, nur eine kleine Hand im Brutkasten sanft streicheln“, erinnert sich die 35-Jährige. Man stelle sich zwar vorher auf die Situation ein, es sei dann aber doch emotional extrem bewegend, die kleinen Mützchen, die vielen Kabel und Schläuche zu sehen – und mittendrin seine Kinder.

Hinterher waren die Drillinge auf unterschiedlichen Stationen untergebracht – eine wahre Zerreißprobe für die jungen Eltern, die ja jedem ihrer Kinder gerecht werden wollten. Inzwischen sind Monate vergangen, Felix, Marie und Laura längst zu Hause. Eine gewisse Normalität habe sich eingestellt, freut sich Jasmin Paluch. Nach endlosen Nächten, in denen kaum eine halbe Stunde Schlaf möglich war, im Minutentakt gewindelt und gefüttert wurde, habe sich jetzt ein Tagesrhythmus eingestellt. Der Tag beginnt um 6 Uhr morgens.

Neben den gewohnten Flaschenmahlzeiten füttert Jasmin Paluch mittags bereits etwas Brei zu, abends bekommen die Drillinge gegen 18 Uhr eine Flasche und schlafen dann bis 1 Uhr nachts schon mal durch. Noch eine Flasche – und dann ist erst einmal Nachtruhe. Das klappe schon ganz gut. Manchmal komme es auch mal vor, dass einer komplett durchschlafe. Alles sei eine Frage der Organisation: „Mit Drillingen sind es ganz andere Zeitfenster und Dimensionen, ob man nur zum Arzt oder zur Krankengymnastik müsse oder einfach nur was einkaufen. Viel Unterstützung erhalten beide durch die Familie.

Quietschfidel sind die Drillinge und beginnen, sich miteinander zu beschäftigen. „Mit dem Krabbeln dauert es auch nicht mehr lange“, freut sich Vater Robert über die erfreuliche Entwicklung. Jeder habe einen ganz anderen Charakter. Felix sei der Lustigste, lache viel, Marie die Frechste und Laura die Geduldigste. „Wir nehmen unsere Situation so, wie sie ist und versuchen, jeden Augenblick mit unseren Liebsten zu genießen“, sagt Jasmin Paluch. In vier Monaten feiern die Drillinge bereits ihren ersten Geburtstag – kaum zu glauben, wie schnell sich Laura, Marie und Felix entwickelt haben.

In einem Drillings-Portal auf Facebook tauscht Jasmin Paluch sich regelmäßig mit anderen Eltern aus, denn einen Drillingswagen könne man nicht einfach so kaufen – Man müsse den Drillingswagen im Internet oder gebraucht kaufen. „Der Austausch hat mir viele Ängste genommen. Ich weiß, wir sind nicht allein auf der Welt“, so die junge Mutter. Und: „Drillinge sind eine Herausforderung, aber wir sind froh, dieses Wunder erleben zu dürfen. Für uns ist es ein Geschenk des Himmels.“

>In Reinfeld sind Jasmin und Robert Paluch die einzigen Drillingseltern. Die Wahrscheinlichkeit, auf natürlichem Wege zwei- oder dreieiige Drillinge zu bekommen, liegt bei 1:7000. Bei eineiigen Drillingen liegt sie sogar bei 1:200 Milliarden. Laut des statistischen Bundesamtes wurden im Jahre 2011 genau 11  500 Mehrlinge in Deutschland geboren, davon 230 Drillinge und sechs Vierlinge.

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erstellt am 25.Aug.2016 | 06:00 Uhr

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