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Stormarner Tageblatt

03. Dezember 2016 | 01:24 Uhr

Reinbek : Viel Lärm um Sirenen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Katastrophenschutz des Kreises hat die Anlagen in Reinbek irgendwie vergessen

Ende September waren wieder die „ortsfesten Sirenenanlagen im 25 Kilometer Radius um die kerntechnische Anlage in Geesthacht“ getestet worden. In Reinbek blieben sie allerdings stumm. Kann ja mal vorkommen, dazu ist ein Test schließlich da, könnte man meinen. Der Grund für die Fehlfunktion erwies sich allerdings als Ergebnis eines „Zuständigkeits-Wirrwarrs“, so Heinrich Dierking, Vorsitzender des Forums 21.

Er hatte bei Stadt und Kreis nachgefragt, warum die Sirenen nicht gingen und wer dafür zuständig ist. Antwort aus dem Rathaus: Die Verantwortung für die Sirenen liege beim Kreis als unterer Katastrophenschutzbehörde. Im Stormarnhaus in Bad Oldesloe sah man sich allerdings nicht zuständig für die Anlage in Reinbek. Die Sirenen in der Stadt seien „nicht in der Verantwortung des Kreises stehend“, ließ Anja Kühl, Amtsleiterin in der Kreisverwaltung und zuständig für den Katastrophenschutz, Heinrich Dierking mitteilen.

Bis zur Wende 1990 waren alle Sirenen im Besitz des Bundes. Weil man in den 90er Jahren glaubte, dass keine Kriegsgefahr mehr drohe, bot man den Kommunen an, die Luftschutzsirenen zu übernehmen. Schließlich hatten die Feuerwehren die Sirenen ja bis dahin für ihre Alarmierung mitgenutzt. Manche Städte lehnten das dankend ab und schafften sofort „Pieper“ für die Feuerwehrleute an, andere stellten erst später auf die stille Alarmierung um. „Im ländlichen Bereich sind immer noch nicht alle damit ausgerüstet“, sagt Kreisbrandmeister Gerd Riemann.

Auch in Reinbek wird parallel immer noch analog alarmiert. Und im Rathaus sei bekannt gewesen, dass sich die nur analog anzusteuernden Sirenen durch das digitale Signal der Rettungsleitstelle nicht betätigen lassen, wundert sich Heinrich Dierking. Vor allem darüber, dass die Stadt auch noch selbst die Mitteilung zum Probebetrieb, der Sirenen herausgab. Als der Sicherheitsradius um das Kernkraftwerk Krümmel vor einigen Jahren auf 25 Kilometer erweitert wurde, übernahm der Katastrophenschutz die Sirenenanlagen.

25 Sirenen stehen auf der Liste des Kreises, allein zehn in Barsbüttel, fünf in Oststeinbek, vier in Glinde, drei in Trittau, zwei in Witzhave und eine in Hohenfelde. Nur Reinbek hatte man anscheinend vergessen. „Die Stadt wollte damals die Sirenen behalten“, glaubt Anja Kühl sich zu erinnern.

Der Blick auf die große Karte mit dem 25-Kilometer-Radius offenbart aber sofort, dass Reinbek komplett im Evakuierungsgebebiet liegt. Glinde und Barsbüttel sind wesentlich weiter von Krümmel entfernt. „Der Sachbearbeiter ist erst nächste Woche wieder da. Deshalb kann ich jetzt nicht nachvollziehen, warum die Reinbeker Sirenen nicht in unserer Auflistung auftauchen“, sagt Kühl.

Dierking macht dieses Hin und Her „ein bisschen fassungslos“. Bei dem Gefahrenpotenzial von Krümmel mit atomaren „Abklingbecken“ und „Zwischenlager“ müsse die Bevölkerung auf den Katastrophenschutz vertrauen können, und dazu gehörten die Sirenenanlagen allemal.

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erstellt am 22.Okt.2016 | 06:00 Uhr

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