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Stormarner Tageblatt

04. Dezember 2016 | 13:15 Uhr

Bad Oldesloe : Türöffner im Behördendschungel

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Seit zehn Jahren hilft das siebenköpfige Team der Evangelischen Kirchengemeinde Oldesloe rat- und hilfesuchenden Bürgern.

Der Umgang mit Behörden ist nicht immer einfach, Anträge sind oft unverständlich formuliert und auch die Suche nach dem richtigen Ansprechpartner kann sich als schwierig erweisen. Den richtigen Weg durch diesen „Dschungel“ zu finden, dafür gibt es seit zehn Jahren die Behördenlotsen der Evangelischen Kirchengemeinde Oldesloe. Die fünf Frauen und zwei Männer widmen sich zweimal in der Woche ehrenamtlich den vielen Rat- und Hilfesuchenden, die mit Anträgen und Behördengängen überfordert sind. Bislang konnten die Lotsen rund 1000 Menschen helfen.

Dabei gelte immer der Grundsatz „Hilfe zur Selbsthilfe“, betont Pastor Volker Hagge, der die Behördenlotsen vor zehn Jahren mit aus der Taufe hob und seitdem betreut. „Ziel war es damals wie heute zu helfen, sich im kafkaesken Urwald unseres Verwaltungsapparates zurechtzufinden“, so Hagge. Dabei spielen auch Angst und Stress eine wichtige Rolle, die sowohl bei vielen überforderten Klienten als auch bei einigen Behördenmitarbeitern auftreten können. „Da stoßen zwei Zwangssituationen aufeinander und das kann schnell Aggressionen erzeugen“, weiß der Pastor.

Vor zehn Jahren folgten 14 interessierte Frauen und Männer, die meisten bereits im Ruhestand, dem Aufruf der Kirche, als Behördenlotsen aktiv zu werden. Vier davon sind immer noch aktiv. Neue kamen dazu. Alle absolvierten einen Lehrgang und bilden sich regelmäßig fort. „Ich wollte damals im Ruhestand nicht nur zu Hause sitzen, sondern etwas Sinnvolles tun“, sagt Gründungsmitglied Dagmar Goldenbaum. Auch Gloria Thielemann, Margrit Witte und Axel Krummrich sind seit zehn Jahren als Lotsen dabei.

Gabriele Sahlmann, die als ehemalige Mitarbeiterin der Agentur für Arbeit „vom Fach“ ist, engagiert sich seit fünf Jahren und hat immer noch Spaß am Helfen. Was nicht selbstverständlich ist, denn der Umgang mit Klienten ist mitunter schwierig. Sie haben mit Behörden bereits schlechte Erfahrungen gemacht, sind verärgert oder mutlos. „Manche können nicht gut schreiben oder nur schlechtes Deutsch“, erzählt Sahlmann. Selten kämen Menschen mit nur einem Problem. „Wir machen aber keine Rechtsberatung, sondern vermitteln nur, bleiben neutral. Wir wollen die Menschen nicht bevormunden, machen ihnen nur Angebote“, betont Thielemann.

Rund 70 Prozent der Klienten haben einen Migrationshintergrund und Probleme mit der deutschen Sprache. Die Zusammenarbeit mit Ämtern und Behörden funktioniere sehr gut. „Wir sind Türöffner und Vermittler“, sagt Gabriele Sahlmann, die Klienten auch mal bei einem Behördengang begleitet. Dabei steigt die Zahl der Hilfesuchenden stetig an. Deshalb werden auch noch einige neue Behördenlotsen gesucht, die allerdings viel Empathie, Verständnis für Menschen und ein offenes Ohr für deren Sorgen und Probleme brauchen.

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erstellt am 20.Okt.2016 | 06:00 Uhr

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