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Stormarner Tageblatt

06. Dezember 2016 | 17:05 Uhr

Stormarner Wochenschau : Teuer ist auch immer relativ

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Digitaltechnik für die Oldesloer Innenstadt, kein Geld für’s Stormarn-Lexikon, und der nächste Oldesloer Bürgermeister ist Polizist und heißt Jörg.

Kost’ ja nix

Digitaltechnik soll die Innenstadt retten – na, wer’s glaubt. Oldesloe bewirbt sich jedenfalls um den Titel „digitale Innenstadt“. Dafür muss in Windeseile ein Konzept eingereicht werden. Umsetzung ungewiss. Politik hat jedenfalls schon mal gesagt: Darf nix kosten! Wird die Fußgängerzone dadurch wirklich attraktiver? Wohl kaum. Mit etwas Glück spült das den einen oder anderen zusätzlichen Kunden in die Stadt, aber Rettung kann davon eher nicht erwartet werden, denn die Geschäfte leben vom persönlichen Service, vom Charme von der Aufenthaltsqualität. Ist die Teilnahme an dem Wettbewerb deshalb unsinnig? Nein, sicher nicht. Voraussetzung ist nämlich, dass Stadt, Händler und der Verband an einem Strang ziehen. Wenn auf diesem Weg echte Kontakte, ja vielleicht sogar Gemeinschaftsgeist entsteht, dann wäre doch schon viel gewonnen.

Was man will

Es ist teuer, wahrlich. Mindestens 40  000 Euro im Jahr und das Zehnfache vorne weg, bevor man überhaupt richtig loslegen kann mit einem Stormarn-Lexikon online. Da musste weder die Sparkassen-Kulturstiftung noch die Kreispolitik überlegen: Das kann man sich nicht leisten, so der Tenor. Aber könnte man sich das leisten? Bis zu fünf Millionen Euro stellen die Sparkassen-Stiftungen pro Jahr für Jugend und Bildung, Natur und Umwelt, Kunst und Kultur, Sport und Soziales zur Verfügung. Allein 300  000 Euro lässt man sich das Naturerlebnis Grabau kosten, fast 500  000 Euro kostete der Doppeldeckerbus, mit dem Kita- und Grundschulkinder dorthin gefahren werden. Es ginge also, jedenfalls dann, wenn es nicht die Zins- und Euro-Politik der Europäischen Zentralbank gäbe, die jegliches Bemühen um solide und nachhaltige Finanzen ad absurdum führt. Die Stiftungen und deren Finanziers, die Sparkassen (und auch Banken) bekommen immer mehr Probleme. Könnte nicht der Kreis einspringen, der in diesem Jahr fast 300 Millionen Euro ausgibt, das meiste mit mehr als 200 Millionen Euro für Soziales, Eingliederungs- und Jugendhilfe? Natürlich – das sind wichtige und fast immer Pflichtaufgaben. Genau wie der ÖPNV, der mit über 13 Millionen Euro zu Buche schlägt. Man könnte die Beispiele fortsetzen. Oder in das Herzogtum Lauenburg schauen. Der Nachbarkreis hat nur gut halb so viele sozialversicherungspflichtig Beschäftigte wie Stormarn, kann sich aber ein Kreismuseum leisten. Das Thema wagt man hier nicht mal mehr in den Mund zu nehmen. So wird es wohl auch beim Online-Lexikon. Dabei geht es nicht mal um die exorbitant hohe Startsumme. Selbst die mickrigen 20  000 Euro, die der Kreiskulturreferentin zur Verfügung gestellt werden, sind in den Fraktionen umstritten. Fast drei Mal so viel haben die Kreispolitiker Ende vergangenen Jahres für Familien-, Drogen- und sonstige Beratung noch oben drauf gelegt.

Jörg ist’s

Überraschung ist für den ersten Bürgermeister-Wahldurchgang in Oldesloe ein zu schwaches Wort. Wer hätte gedacht, dass ein Einzelkandidat ohne besondere Kenntnisse aus Stadtpolitik und Rathaus fast so viele Stimmen holt wie die SPD-Fraktionsvorsitzende, die nur abgeschlagene Dritte wird. Und dass ein Parteiloser so deutlich vorne liegt, dass es am 19. Juni eine zweite Überraschung geben würde, sollte es anders ausgehen. Aber wer weiß.
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23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 09.Jun.2016 | 18:21 Uhr

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