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Stormarner Tageblatt

25. September 2016 | 02:17 Uhr

Verärgert : Stormarn hat die Nase voll ...

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

... und wehrt sich gegen die Kieler Verkehrspolitik sowie die Entwicklungspläne

Die Kieler Sicht auf die Metropolregion ist nicht so wie sein sein sollte. „Die Besonderheiten spiegeln sich nicht wider“, sagte Landrat Dr. Henning Görtz zu Thomas Losse-Müller, den Chef der Kieler Staatskanzlei. Der war jetzt in den Hauptausschuss gekommen: Die Kreispolitiker hatten kritisiert, dass ihre Meinung beim „Grünbuch zur Landesentwicklungsstrategie Schleswig-Holstein 2030“ nicht gefragt ist.

„Dass es keinen Dialog geben soll, empfinden wir als Affront“, so Kreispräsident Hans-Werner Harmuth: „Stormarn findet sich in dem Grünbuch nicht wieder. Deshalb ist es ganz wichtig, dass wir uns zu Wort melden.“ 1,7 der 2,8 Millionen Schleswig-Holsteiner leben in den vier Hamburger Randkreisen. „Hier wird das Geld verdient. Das wird nicht genügend gewürdigt“, so der Landrat. Besonders deutlich werde das bei der Gewerbe- und Wohnentwicklung. „Wir haben den Wachstumsdruck und brauchen Wohnentwicklung über die Quoten hinaus“, fordert Henning Görtz.

Nach den Prognosen müssen in Stormarn bis 2030 mindestens 15  000 neue Wohnungen gebaut werden. Das ist allerdings nicht nur wegen der Restriktionen aus Kiel schwierig, sondern auch weil vor allem die Städte sich schwer tun mit der Ausweisung von Bauland. Zwar sagte Losse-Müller Zielabweichungsverfahren zu, aber nur, wenn es regional abgestimmte Konzepte gebe. Am neuen Landesentwicklungsplan (LEP) werde parallel zum Grünbuch weiter gearbeitet, er werde aber erst von der nächsten Landesregierung verabschiedet. Der LEP ist Grundlage für die regionalen Entwicklungspläne.

Auch wenn Harmuth betonte, „dass wir in Stormarn nicht zwei bis drei Jahre warten können“, wollte der Chef der Staatskanzlei keine konkreten Zeiträume nennen. Unkonkret („Wir müssen Verkehr neu denken“) blieb auch die Beschreibung der Leitprojekte. Aussagen wie zum Beispiel, dass das Land dafür sorge, dass die Verkehrsinfrastruktur in Ordnung komme, ließen die Kreispolitiker eher ungläubig staunend zurück.

Zur Verkehrspolitik der Kieler Koalition gehört der Standardsatz „Erhalt vor Aus- und Neubau“, der nur heißt, dass bis auf die genehmigten Projekte keine neuen Straßen gebaut werden. Genau die brauche Stormarn aber, so Landrat Görtz: „Die Leistungsfähigkeit der Autobahnzubringer reicht nicht aus. Das wird zu einem Problem für die Wirtschafts- und Gewerbeentwicklung.“

Genau damit hat sich in dieser Woche auch eine Runde von Kommunalen Vertretern und dem Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr bei der Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn befasst. Konkret ging es um Autobahnanschlüsse in Hammoor, Stapelfeld/Braak sowie Ahrensburg/Großhansdorf/ Siek und die Verbindung von der A  1 über Glinde und Reinbek zur A  24 nach Bergedorf.

„Wir sehen dringenden Handlungsbedarf“, so WAS-Geschäftsführer Detlev Hinselmann. An den Zu- und Abfahrten bilden sich morgens und abends Staus. Bei der Anschlussstelle Ahrensburg reicht die Breite der Brücke nicht aus. Stapelfelds Bürgermeister Jürgen Westphal wünscht sich einen vierspurigen Ausbau der L  222, um die Ortsdurchfahrt zu entlasten. Da die Straße auf Hamburger Gebiet vierspurig ist, würde sich das aus Sicht von LBV-Leiter Torsten Conradt, zwar anbieten, die Marschroute der Landesregierung sehe aber keinen Straßenausbau vor. Er appellierte an die Kreativität und den Pragmatismus bei Finanzierung und Umsetzbarkeit.

Für Detlev Hinselmann eine „unbefriedigende Situation. Aber wir werden beim Thema Ertüchtigung der Infrastruktur nicht locker lassen. Das ist das Rückgrat für eine funktionierende Wirtschafts- und Siedlungsentwicklung.“


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erstellt am 23.Sep.2016 | 06:00 Uhr

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