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Reinbek : Startschuss für globale Expansion

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Allergopharma eröffnete seine neue 42 Millionen Euro teure Produktionsstätte in Stormarn. Das Unternehmen hat zwar große Pläne aber auch ein kleines Problem mit einem Weg.

„Eindrucksvoll“, „Stolz“, „Eckpfeiler der globalen Strategie“ – Gestern war ein Tag der großen Worte an der Hermann-Körner-Straße. Allergopharma hatte zur Eröffnung der neuen Produktionsstätte geladen. 42 Millionen Euro hat der Neubau gekostet, und war damit „die größte Investition in der deutschen Pharmaindustrie in den letzten Jahren“, wie Geschäftsführer Dr. Marco Linari betonte.

Die Wichtigkeit des Ereignisses ließ sich auch an der Gäste- und Rednerliste ablesen. Neben Bürgermeister Björn Warmer und Landrat Dr. Henning Görtz gab sich Ministerpräsident Torsten Albig die Ehre, aus der Geschäftsführung des Pharma-Konzerns Merck waren Belén Garijo und Simon Sturge gekommen. Merck hatte die erfolgreiche Reinbeker Firma 2013 nach dem Ausscheiden des Gründers Joachim Ganzer übernommen. Man wolle in den nächsten fünf Jahren seinen Umsatz durch globales Wachstums verdoppeln, sagte Healthcare-CEO Belén Garijo, und Allergopharma komme dabei eine wichtige Rolle zu. Das neue Produktionsgebäude sei Teil der globalen Expansion und unterstütze das wachsende Geschäft auf dem Allergiemarkt, sagte Simon Sturge, Chief Operating Officer Healthcare,

Als „Eckpfeiler der globalen Strategie“ hatte auch Dr. Linari die Investition in Reinbek bezeichnet. Das 6000 Quadratmeter Gebäude mit zwei Etagen ist mit modernster Technik ausgestattet, auch um den strengen regulatorischen Anforderungen gerecht zu werden. Das betrifft vor allem die vollverglasten Reinräume auf 2000 Quadratmeter im Erdgeschoss. Der Neubau ist so ausgelegt, dass gegenüber heute die zehnfache Menge an Medikamenten produziert werden kann.

„Das ist aber nie Selbstzweck“, so Dr. Linari, „im Mittelpunkt steht immer der Patient.“ Allergopharma hat eine eigene Forschungsabteilung und ist einer der führenden Hersteller von Diagnostika und Präparaten für die spezifische Immuntherapie SIT. Hyposensibilisierung, Desensibilisierung und Allergieimpfung ist die einzige Behandlungsmöglichkeit gegen nicht vermeidbare Allergene wie bei Heuschnupfen oder allergischem Asthma.

„Jeder Zweite erlebt irgendwann eine Allergie“, sagt Albig, der das Problem aus der eigenen Familie kennt. Sein Sohn reagierte im Zirkus stark allergisch auf Pferdehaare. Das ist viele Jahre her, aber „das vergesse ich nie“, so Albig, „ich habe deshalb ein Gefühl dafür, wie gut es ist, dass es heute Medikamente gibt, die wirklich helfen.“

Die Erweiterung in Reinbek mit über 400 Mitarbeitern nannte Albig „ein kraftvolles Bekenntnis zu diesem Standort in einem erfolgreichen Kreis.“ Die Investition sei auch ein Vertrauensvorschuss an Politik und Behörden, hatte Dr. Linari angemerkt. Auch wenn er die gute Zusammenarbeit lobte – zwischen dem Spatenstich und der Eröffnung liegen nur gut drei Jahre – spielte er damit auf ein kleines Problem an, das die großen Expansionspläne einbremsen könnte. Als Allergopharma die Erweiterung plante, hatten andere Fragen Priorität als ein öffentlicher Weg, der zwischen den bestehenden und dem neuen Gebäude verläuft.

Mit dem Weg werde es keine Freigabe für den amerikanischen Markt geben, ist man bei Allergopharma überzeugt. Die Vorprodukte werden im Gebäude hergestellt, udn die FDA-Behörde verlange den Nachweis eines geschlossenen Produktionsprozesses, so Dr. Linari.

Dass man Kommunalpolititik und Anwohner nicht vorher informiert hatte, trug wahrscheinlich zu dem Protest bei, der von außen wie eine Posse wirkt, geht es doch lediglich um eine Abkürzung von 100 oder 200 Metern. 190 Unterschriften gegen eine Entwidmung des Weges wurden gesammelt, es gab Sitzungen, Infoveranstaltungen und Treffen.

„Wir hatten vor drei Wochen ein Gespräch mit den Beteiligten, jetzt geht es in kleinem Kreis weiter. Der Ton ist sehr sachlich, man muss aber zu einer Lösung kommen“, sagt der Bürgermeister, der selbst ins Gebüsch gegangen ist, um nach einem Ausweg zu suchen: „Alternative Wegeverbindungen, Brücke, Tunnel – wir haben alles diskutiert, es ist aber nicht umsetzbar.“ Gestern hatten sich noch mal der Ältestenrat und der Bauausschuss getroffen, in der nächsten oder übernächsten Sitzung werde es eine Empfehlung geben, so Björn Warmer: „Es ist entscheidungsreif, es ist aber ebenfalls klar, dass es auch eine Gegenleistung geben muss.“

Man brauche die Entscheidung nicht sofort, „aber wenn wir in zwei oder drei Jahren in den USA auf dem Markt sein wollen, müssen wir in den nächsten Monaten anfangen“, sagt der Geschäftsführer.

Gestern wurde zwar der Startschuss für die Produktion gegeben, bei Medikamenten bedeutet das aber erst mal einen Probebetrieb über mehrere Monate, bis nach umfangreichen Analysen die Freigabe für den Verkauf erfolgt. Erst Mitte 2018 ist geplant, die bisherige Produktionsstätte umzubauen.

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