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Stormarner Tageblatt

07. Dezember 2016 | 21:25 Uhr

Bad Oldesloe : St. Jürgen wird geräumt

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Bauaufsicht untersagt den Pflegeheimbetrieb. 36 Bewohner brauchen jetzt quasi sofort neue Plätze. Allen 40 Mitarbeitern wurde gekündigt.

Das war’s mit dem Pflegeheim St. Jürgen. Die Bauaufsicht der Stadt hat eine Nutzungsuntersagung ausgesprochen. Per sofort muss eine zweite Nachtwache beschäftigt werden, am 18. Juli endet die Duldung – bis dahin muss das Gebäude geräumt sein. 36 Pflegeheimbewohner müssen dann einen neuen Platz gefunden haben. Alle 40 Mitarbeiter haben Mittwoch die Kündigung erhalten.

In einem Pressegespräch machten Stiftungsvorstand, Heimleitung und eine Fachanwältin die aktuelle Situation gestern bekannt. Vorstandsvorsitzender Rainer Fehrmann rekapitulierte dabei nochmals die Vorgeschichte von der Brandschau im November 2011, deren Auflagen die Stiftung nicht bezahlen kann, über die geplatzten Übernahmeverhandlungen mit Familie Riedel bis zur aktuellen Verkaufslage: Es seien Anzeigen geschaltet worden, aus denen sechs Besichtigungstermine resultierten, alle mit dem gleichen Ergebnis: „Es lässt sich nicht mit einer schwarzen Null rechnen“, erklärte Fehrmann. Am 15. Juni gab es dann eine erneute Brandschau. Details seien da noch nicht besprochen worden, doch es sei klar geworden: „Große Unannehmlichkeiten stehen bevor.“ Die wurden dem Stiftungsvorstand dann am Dienstag mitgeteilt. Der Mängelbericht umfasst 18 Seiten. Drei Wochen Gnadenfrist wurden dem Heim eingeräumt. Es bestehe Gefahr für Leben und Gesundheit. Widerspruch sei möglich, habe aber keine aufschiebende Wirkung. Horst Möller, stellvertretender Vorstandsvorsitzender: „Und vor Gericht weiß man auch nicht, was kommt. Also mussten wir tätig werden.“ „Das war ein Schock. Eine so kurze Frist war nicht absehbar“, sagte Einrichtungsleiter Harald Krüchten. Seitdem glühen die Telefondrähte. Heimleitung und Stiftungsvorstand versuchen, die Bewohner und das Personal in anderen Einrichtungen unterzubringen.

„Das ist eine große menschliche Tragödie. Das kommt einer Deportation gleich“, meint Vorstandsmitglied Manfred Brembach: „Die wenigsten werden in Oldesloe untergebracht werden können.“ Vom Lebensumfeld über den Freundeskreis bis zur medizinische Betreuung müsse alles neu und individuell geregelt werden. „Ein Dilemma für Bewohner und Mitarbeiter“, nannte es Krüchten.

Der Wohnheimbereich im Neubau ist nicht von der Nutzungsuntersagung betroffen. Aber auch er kann nicht weiter betrieben werden, denn die Mieter haben Verträge, die ihnen Essens- und Wäscheversorgung sowie einen Notruf zusichern. Fehrmann: „Die Leistungen können nicht mehr erbracht werden.“

In der Stadtverordnetenversammlung war der Vorwurf laut geworden, es könne sich bei St. Jürgen um Insolvenzverschleppung handeln. Das bestreitet Anwältin Sigrun Römer vehement. Im Gegenteil. Sie warnt davor, diesen Schritt zu früh zu gehen. „Das könnte zur Vernichtung von Verfügungsmöglichkeiten führen“, erklärte sie. Die wirtschaftliche Situation der Stiftung werde jetzt sehr genau untersucht. „Was kann man liquide machen. Das prüfen wir zusammen mit der Stiftungsaufsicht“, so Römer. Aktuell sei die Zahlungsfähigkeit gegeben. Ein Konzept zur Zukunft von Stiftung und Immobilie werde erarbeitet.

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23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 01.Jul.2016 | 06:00 Uhr

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