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Stormarner Tageblatt

06. Dezember 2016 | 15:10 Uhr

Späte Strafe für junge Tankstellen-Räuber

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Geldstrafe und Schmerzensgeldzahlung nach Raubüberfall vor drei Jahren in Stapelfeld

Der Fluch der bösen Tat hat zwei junge Männer nach über drei Jahren eingeholt. Das Jugendschöffengericht Ahrensburg verurteilte sie wegen gemeinschaftlichen schweren Raubes zu empfindlichen Geldstrafen und Schmerzensgeld. Mit zwei weiteren Tätern hatten sie die Esso-Tankstelle in Stapelfeld überfallen und den Kassierer dabei mit einer Waffe bedroht.
Das war am Abend des 28. März 2013.

Vermutlich kam die Polizei bei Ermittlungen wegen der Serie von Brandstiftungen ihnen auf die Spur. Denn dabei wurden die Handys der Beschuldigten ausgewertet. Der heute 21-jährige Angeklagte aus Siek wurde danach für mehr als drei Monate in Untersuchungshaft genommen. Mit ihm steht ein heute 18-jähriger Ahrensburger vor dem Gericht.

84 Seiten umfasst die Mitschrift der Textnachrichten, die dem Gericht vorlagen. Danach waren dem Vorsitzenden Richter und den Schöffen klar, dass der Überfall bereits am Vortag geplant worden war. Der 21-Jährige soll die Tat mit einem 22-jährigen Dritten abgesprochen haben, der wegen Brandstiftungen und anderer Taten weiterhin in Haft ist.

„Sind Kameras drin?“, „Nee“, „das bockt“, liest der Richter den Dialog vor. „Krieg ich Geld und Kippen?“, fragte der 21-Jährige dann noch.

Das bekam er, das Quartett teilte die Beute nach der Flucht in einem Waldweg. Der 21-Jährige hatte die Tankstelle zuvor ausbaldowert. An der eigentlichen Tat beteiligte er sich nicht, er wartete stattdessen im Fluchtwagen. Ein heute 18-jähriger Mitangeklagter ging mit in die Tankstelle und tat so, als ob er einen Schokoriegel kaufen wollte. Dann kramte er scheinbar nach Geld, während der 22-Jährige auf den Kassierer zuging und ihn mit einer Schreckschusspistole bedrohte. Er öffnete die Kasse und nahm 400 Euro Bargeld heraus. Dann nahmen die Räuber mindestens sieben Stangen Zigaretten mit.

Das Verfahren gegen einen weiteren 18-Jährigen ist derweil abgetrennt. Während der 21-Jährige bis zum Ende der Verhandlung schweigt, sagt der Jüngere freimütig aus. Er entschuldigt sich auch beim Kassierer. Der sagt aus, dass er nicht unter den Folgen des Überfalls leide.

Dann sagt im Gerichtssaal der 22-Jährige aus, der in Handschellen vorgeführt wird. Er ist mürrisch und wortkarg. „Das ist vier Jahre her, ich erinnere mich kaum, habe andere Sachen im Kopf.“ Er habe kein Recht, die Aussage zu verweigern ermahnt der Richter ihn. Anderenfalls werde sein Aufenthalt im Gefängnis verlängert. „Ich sitze meine Strafe ab“, antwortet der Zeuge stoisch, räumt dann aber ein, den Kassierer damals mit der Waffe bedroht zu haben, die dem 21-Jährigen gehörte. Und dass er die Tat mit dem 21-Jährigen geplant hatte.

Beide Angeklagte sind schon früher polizeilich aufgefallen. Der 18-Jährige stand wegen Bedrohung, Diebstahl, Falschaussage, Unterschlagung und Verbreitung verfassungswidriger Propaganda vor Gericht. Die meisten Taten hatte er nach dem Überfall begangen. Seit fast zwei Jahren hat er keine Straftat mehr begangen und eine Ausbildung begonnen.

Auch sein Mittäter scheint sich gefangen zu haben. Sein Register umfasst Diebstahl und Fahren ohne Führerschein. Und die Beihilfe zu einer Brandstiftung, bei der er als Fahrer agierte. Einen Tag vor seiner Gesellenprüfung als Metallbauer wurde er in Haft genommen und sein Betrieb kündigte ihm. Den Ausbildungsabschluss hat er nachgeholt, und er arbeitet jetzt als Angestellter in einem Supermarkt. Seit seiner Haftentlassung im März vergangenen Jahres ist er straffrei geblieben.

Für den Überfall muss er jetzt 1000 Euro Geldbuße zahlen, der Mitangeklagte 300 Euro. Beide haben zudem die Auflagen, jeweils 500 Euro Schmerzensgeld an den Tankwart zu zahlen und die Verfahrenskosten zu tragen. Das Gericht folgt damit dem erzieherischen Gedanken des Jugendstrafrechts. „Bei Erwachsenen ist die Mindeststrafe für schweren Raub drei Jahre Gefängnis“, sagt die Staatsanwältin. Sie folgt dem Plädoyer der Jugendgerichtshilfe, dass keine schädlichen Neigungen bei den Angeklagten mehr vorlägen.

„Damit haben sie Glück gehabt“, sagt der Richter, „vor drei Jahren wäre das anders ausgegangen.“ Beide Angeklagten hätten seitdem erzieherisch an sich gearbeitet. Zudem habe die Untersuchungshaft den Älteren wohl beeindruckt. Der Jüngere habe durch seine Aussagen wesentlich zur Aufklärung beigetragen.

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