zur Navigation springen

Stormarner Tageblatt

11. Dezember 2016 | 05:22 Uhr

Tangstedt im Kreis Stormarn : Sollen Pferde besteuert werden? - Ein Pro und Kontra

vom

Tangstedt will Pferdebesitzer tiefer in die Tasche greifen lassen. Ist das okay? Zwei Meinungen zum Thema.

Tangstedt | In Tangstedt wird womöglich bald eine Pferdesteuer eingeführt - der Finanzausschuss der Gemeinde im Kreis Stormarn stimmte mit einer knappen Mehrheit dafür. Was spricht für die Steuer - und was dagegen?

PRO

Von Wirtschaftsredakteur Till Lorenz 

Natürlich sollte der Besitz von Pferden besteuert werden. Nicht generell. Aber es kann nicht sein, dass  Pferde-Besitzer für sich und ihre Tiere das Privileg einfordern, beim Thema Besteuerung unantastbar zu sein. Hundebesitzer sind es  auch nicht.  Eine Gemeinde, die versucht, ihren Haushalt in Ordnung zu bringen, ist auf Steuern angewiesen. Doch die Möglichkeiten, sie zu erheben, sind überschaubar. Die Gemeinde kann die Gewerbesteuer entweder immer höher schrauben und damit Betriebe vertreiben und Arbeitsplätze in Gefahr bringen. Sie kann die Grundsteuer anheben, damit abermals Betriebe belasten und obendrein junge Familien, die sich mühsam  ein Eigenheim absparen.

Oder der Kämmererer sucht sich andere Quellen. Pferde sind  keine Nutztiere, sondern Luxus-Güter. Wer  bereit ist, die irren Summen für die Haltung  solcher Tiere aufzuwenden, ist auch in der Lage einen minimalen Beitrag  zur Finanzierung des Gemeinwohls  abzuführen. Zumal die Kommunen viel von jener Infrastruktur bereitstellen, die die 500-Kilo-Tiere mit ihren Reitern auf dem Rücken im hoppeligen Gang zur Genüge strapazieren.    

KONTRA

Von Online-Redakteurin Anja Christiansen

Reiten ist kein Sport der Reichen, nur weil er teuer ist. 150 Euro Pferdesteuer pro Jahr können das Zünglein an der Waage sein für Pferdebesitzer und die, die es werden wollen. Hop oder Top – auch für die Betreiber von Reitställen. Brechen die Pensionspferde neben dem Schulbetrieb als Einnahmequelle weg, droht das Aus. Züchter, die es (noch) zahlreich gibt, fänden für einen Großteil ihrer Pferde keine Abnehmer mehr. Die Futtermittelbranche, Landwirte, Tierärzte, Reitsportgeschäfte – sie alle müssten herhalten für ein über Jahrzehnte gewachsenes Minus im Haushalt.

Tief in die Tasche greifen, um durch Pferde verursachte Ausgaben zu decken, müssen Gemeinden in der Regel nicht. Reitwege werden vielfach von den Reitern selbst gepflegt, die Abnutzung der Straßen und Gehwege ist zu vernachlässigen. Das Einzige, das verschlissen wird, sind die Hufeisen. Und damit verdient der Schmied seine Brötchen. Die Wege leiden  mehr unter den immer schwerer werdenden landwirtschaftlichen Maschinen. Mit der Besteuerung einer  wertvollen Sportart abzukassieren, ist keine Lösung.

zur Startseite

von
erstellt am 30.Sep.2016 | 06:47 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen