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Stormarner Tageblatt

06. Dezember 2016 | 11:13 Uhr

TV-Bericht aus den Niederlanden : Sind Kunstrasenplätze in SH krebserregend?

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Wissenschaftler aus den Niederlanden warnen vor bestimmten Granulat-Sorten. In Ahrensburg hat man reagiert.

Ahrensburg | Sind manche Kunstrasenplätze stark gesundheitsgefährdend? Fußballvereine freuen sich über wetterunabhängigeres Spiel und Training, und auch auf öffentlichem Gelände erfreuen sich die Plätze – wie in Bad Oldesloe – großer Beliebtheit. Doch ein TV-Bericht aus den Niederlanden sorgt nun für Sorgenfalten. In der Sendung „Zembla“ warnten Wissenschaftler davor, dass bestimmte Sorten Granulat krebserregend sein sollen.

Konkret geht es um den Anteil an Polyzyklischen Aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) im Granulat aus Altreifen (SBR), das in den Niederlanden häufig verwendet wird. Genauere Untersuchungen stehen noch aus, doch der Grundverdacht habe sich in der Tendenz bestätigt, heißt es in Medienberichten. Mehrere Jugendspieler weigerten sich nach der Sendung, auf Kunstrasenplätzen zu spielen, zahlreiche Partien in den Niederlanden wurden abgesagt, und große Vereine kündigen bereits den Rückbau von Kunstrasenplätzen an.

SSC Hagen Ahrensburg: Sanierung gestoppt

Auch in Stormarn ist dieses Thema jetzt angekommen. Denn die sehnlichst vom SSC Hagen Ahrensburg erwartete Sanierung des Kunstrasenplatzes wurde mitten in den Arbeiten gestoppt. „Das Granulat steht bereits da. Aber wir wollen zunächst Experten befragen, ob es tatsächlich ohne Bedenken genutzt werden kann. Erst dann können die Arbeiten weitergehen“, sagt Imke Bär, Sprecherin der Stadt.

Beim SSC gab es seit Jahren technische Probleme mit dem Granulat. Es verklumpte und blieb an den Schuhen der Spieler kleben. Das war auch Anlass für die Sanierung. Für 350.000 Euro sollte der 600.000 Euro teure Platz komplett überarbeitet werden. „Dass wir die Sanierung komplett stoppen oder den Platz sogar zurückbauen, davon gehe ich aktuell nicht aus. Man muss die Ergebnisse abwarten“, so Imke Bär. Sollte sich das Granulat nicht als hundertprozentig unbedenklich herausstellen, soll nach einer Alternative gesucht werden. Ob andere Kunstrasenplätze in der Schlossstadt betroffen seien, wisse sie nicht, „ich gehe aber nicht davon aus“, so Bär. Das werde aber geprüft.

In Bad Oldesloe gibt es ebenfalls mehrere Kunstrasenplätze, doch das Thema ist in der Kreisstadt noch nicht angekommen. „Das höre ich zum ersten Mal. Aber ich gehe davon aus, dass die Verwaltung uns informieren wird, wenn es gesundheitliche Risiken gibt“, sagt Maria Herrmann (SPD), Vorsitzende des Bau- und Planungsausschusses.

Bürgermeister Jörg Lembke geht nicht davon aus, dass der Exer betroffen ist. Auf einigen Plätzen in Stormarn sei schwarzes Granulat verwendet worden, sagt Lembke, der auch Vorsitzender des Kreisfußballverbands ist. Man solle jetzt jedoch nicht in Panik verfallen, sondern die Ergebnisse abwarten.

Zunächst Vereine in der Pflicht

„Es soll sich um eine bestimmte, kostengünstige Art Granulat handeln“, sagt Karsten Tolle, Sprecher des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbands. Bislang würden aber noch keine Ergebnisse in den Niederlanden vorliegen. Sollte sich herausstellen, dass es für die Spieler gesundheitsgefährdend ist, „werden wir natürlich reagieren und entsprechende Felder sperren“, sagt Tolle. Grundsätzlich seien zunächst die Vereine in der Pflicht, sich zu informieren, welches Granulat sie verwendet haben und welche Risiken es birgt. Auf neueren Kunstrasenplätzen in Deutschland sei allerdings grundsätzlich das hochwertigere EPDM-Gummi-Granulat verbaut worden.

„Auch wenn die aktuellen Medienberichte mögliche Zusammenhänge zwischen SBR und Krebserkrankungen herstellen, müssen wir in dieser Diskussion ebenfalls akzeptieren, dass in mehr als 45 wissenschaftlichen Studien aus dem In- und Ausland kein Zusammenhang hergestellt werden konnte“, sagt Markus Deimling, Geschäftsführer des Kunstrasen-Herstellers Polytan.

Der Kreissportverband Stormarn wird sich in den nächsten Tagen mit dem Thema beschäftigen. „Uns ist der Fall beim SSC Hagen Ahrensburg bekannt“, sagt Verena Lemm, Geschäftsführerin des KSV.

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erstellt am 19.Okt.2016 | 05:00 Uhr

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