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Bad Oldesloe : Seit 60 Jahren bringt die WAS den Stein ins Rollen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Vor 60 Jahren initiierte Hermann Bössow die Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn und legte den Grundstein für eine Erfolgsgeschichte.

Im Jahr des 150. Kreisbestehens jährt sich auch die Gründung der Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn mbH. Am 23. März 1957 wurde die WAS gegründet und ist damit nicht nur eine der erfolgreichsten, sondern eine der ältesten kommunalen Wirtschaftsfördergesellschaften Deutschlands.

1956 hatte der damalige Chef der SPD-Kreistagsfraktion, Hermann Bössow, die Gründung einer kreiseigenen Gesellschaft zur Wirtschaftsförderung forciert. „Gute Wirtschaftspolitik ist auch gute Sozialpolitik“ war Bössows Motto, der bis 1976 Vorsitzender des DGB Stormarn war. Der Kreis, die Sparkasse und die Landesbank Schleswig-Holstein waren die Gesellschafter. Eines der ersten Gewerbegebiete, die von der WAS erschlossen wurden, war in Harksheide, wo sich die Reparaturwerft der Lufthansa ansiedelte. Harksheide und Glashütte und deren Gewerbegebiete gingen aber mit der Kreisreform 1970 verloren, als die beiden Stormarner Gemeinden mit zur neuen Stadt Norderstedt kamen.

Im heutigen Stormarn gab es zu der Zeit Gewerbegebiete in Bargteheide (1960), Bad Oldesloe (1964), Trittau (1966), wo Anfang der 1970er Jahre bereits Erweiterungen und die Erschließung neuer Flächen begannen. In Reinbek wurden 1970 erste Flächen erschlossen, in Ahrensburg-Nord – immer noch das größte geschlossene Gewerbegebiet Schleswig-Holsteins – ging es 1972 los. Glinde folgte 1974, Reinfeld 1976, Barsbüttel 1979.

In den 1980er Jahren tat sich weniger. Lediglich in Glinde, wo schon 1978 die Flächen an der Möllner Landstraße hinzugekommen waren, wurde auch der Bereich Humboldtstraße erschlossen. Und Siek erhielt 1987 mit der Bültbek sein erstes Gewerbegebiet. In den 90er Jahren wurden mehr Flächen als je zuvor erschlossen. In Bad Oldesloe kamen Südost und Sandkamp hinzu, in Bargteheide Langenhorst, in Trittau wurden zwei Gebiete erweitert, und 1997 begannen die Arbeiten für das gemeinsame Gewerbegebiet Stapelfeld/ Braak. Weiteren Schwung brachte vor knapp zehn Jahren die Änderung des Achsenkonzepts, die nun Entwicklungen entlang der Autobahnen ermöglichte. In Siek wurde mit der Jacobsrade und der Ansiedlung von Lidl die Ortsumgehung gebaut. Erweiterungen gab es in Bad Oldesloe (Süd-Ost) Bargteheide (Langenhorst), Trittau und Reinbek (Haidland). In Braak ging es ab 2011 auf der anderen A1-Seite und mit der Boltze-Ansiedlung großflächig weiter. Der zweite Boltze-Komplex steht kurz vor der Fertigstellung, und in Ahrensburg ist die WAS wieder mit der Beimoor Süd im Geschäft.

Bis in die 90er Jahre hätten Entwicklung, Erschließung und Vermarktung von Gewerbeflächen im Vordergrund gestanden, „doch Modernisierung und Weiterentwicklung auf strategischer und auf organisatorischer Seite wurden zunehmend wichtiger“, beschreibt WAS-Geschäftsführer Detlev Hinselmann die Entwicklung hin zu mehr Zusammenarbeit.

Bereits in den 80er Jahren hatte die WAS eine Kooperationsvereinbarung mit der Hamburger Wirtschaftsförderung abgeschlossen. Heute reicht die Metropolregion von Dithmarschen bis Plau am See. Seit 2006 gibt es den Wirtschaftsförderungsrat.

Die WAS arbeitet in der Lenkungsgruppe für Gewerbeflächenentwicklung (Gefek II) und im Regionalmanagement (RM) an der Fehmarnbelt-Achse mit, gehört der Facharbeitsgruppe Wirtschaft und dem Verein Hanse-Belt sowie weiteren Organisationen an.

Die Gründe für die Stärke der Region und den Aufstieg zahlreicher Firmen seien nicht nur der unternehmerischen Courage und der räumlichen Nähe zu Hamburg, sondern auch dem sehr guten Wirtschaftsklima in Stormarn zu verdanken, ist Hinselmann überzeugt. Fast 1800 Betriebe haben in den sechs Jahrzehnten ihren Sitz nach Stormarn verlegt oder hier erweitert. Die WAS schuf und sicherte so mehr als 54  500 Arbeitsplätze. Gutachter prognostizieren dem Kreis weitere Zuwächse: Durch die Fehmarnbelt-Querung rücke der nordeuropäische Raum zusammen und neue Arbeitsplätze würden entstehen.

Die Flächen haben sich allerdings nicht vermehrt und es gibt deutlich mehr Konkurrenz. Baugebiete, Ausgleichsmaßnahmen, Windräder, Stromtrassen und die Landwirte wollen auch noch Korn und Mais anbauen. „Was früher mit Leichtigkeit umzusetzen war, benötigt heute ein sensibles Umgehen mit dem kostbaren Gut Land“, so WAS-Chef Hinselmann. Nachhaltigkeit, Ökologie, Ökonomie und Soziales müssten in Einklang gebracht werden.

In der Praxis stellt sich das allerdings kompliziert dar. In Reinbek gibt es seit längerem eine Debatte um eine Haidland-Erweiterung und in Rahlstedt Widerstand gegen das Vorzeigeprojekt Merkurpark/Viktoriapark. Was für das erste länderübergreifende Gewerbegebiet von Hamburg und Schleswig-Holstein gilt, gilt für andere Standorte ebenfalls: „Die Standortentwicklung darf nicht gefährdet werden und es muss für eine funktionierende Verkehrsinfrastruktur gesorgt sein. Ansonsten besteht die Gefahr, mittelfristig vom Wohlstand abgehängt zu werden“, so der WAS-Geschäftsführer – und das wäre „weder nachhaltig, noch vorausschauend“. Jedes neue und jedes expandierende Unternehmen verleihe der Metropolregion Stabilität. Hinselmann: „Stormarn muss intelligent wachsen. Damit sichern wir künftigen Generationen eine hohe Lebensqualität.“

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erstellt am 20.Mär.2017 | 14:48 Uhr

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