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Stormarner Tageblatt

10. Dezember 2016 | 21:36 Uhr

Bad Oldesloe : Schneeraupe auf Abwegen: „Wann werden hier die Pisten gebaut?“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Der in Oldesloe gestrandete Pistenbully ist wieder auf dem Weg ins Tiroler Seefeld. Nur ein paar Witze bleiben.

Update: Wie sich in der Zwischenzeit herausstellte, handelte es sich bei der Aktion um einen PR-Gag der Olympiaregion Seefeld, um Aufmerksamkeit und Medienpräsenz zu erlangen.

Das ist schon ein Ding: Der Fahrer soll einfach nur einen Pistenbully vom Hersteller im baden-württembergischen Laupheim ins rund 200 Kilometer entfernte Seefeld nach Tirol bringen. In Seefeld angekommen, schaut er sich verwundert um: Kein Schnee, keine Pisten oder Loipen, kein Fremdenverkehrsbüro – nix. Kein Wunder, denn er war in Seefeld dem kleinen Ortsteil von Bad Oldesloe gelandet. Rund 750 Kilometer in die falsche Richtung gefahren. Aufgeflogen war das Ganze, weil eine Oldesloerin, die regelmäßig in Seefeld/Tirol Urlaub macht, ein Foto mit der irregeleiteten Raupe nach Österreich mailte.

„Es war schon interessant, das Pistending vor der Tür stehen zu haben“, erzählt Hans Jochim Stolten. Er hat sich mit dem Fahrer unterhalten. Der habe ihm erzählt, dass noch ein zweites Fahrzeug mit dem benötigten Anbauten für die Pistenraupe folgen müsste. Doch es kam nicht. Dessen Fahrer hatte offenbar einen besseren Orientierungssinn. „Irgendwann hat er eingesehen, dass er falsch war“, so Stolten: „Er fand Seefeld ganz hübsch. Ich habe den Tipp gegeben, bei dem schönen Wetter doch noch einen Abstecher an die Ostsee zu machen. Aber das wollte der Chef wohl nicht.“ Der CDU-Stadtverordnete schoss Fotos und machte sich aus der verfahrenen Situation einen Spaß. Er mailte die Bilder an Bauamtsleiter Thilo Scheuber: „Der bestellte Bully ist schon mal da, wann werden die Pisten gebaut?“ Eine Antwort auf die humorige Anfrage steht noch aus.

 

So ein Pistenbully kostet 200.000 Euro. „Je nach Ausstattung viel mehr“, erklärt Elias Walser, Chef des Tourismusverbands Seefeld/Tirol. Seefeld (gut 3300 Einwohner) liegt auf der 1180 Meter hohen Hochebene zwischen Wettersteingebirge und Karwendel. Seefeld war bereits mehrmals Austragungsort von Wettbewerben olympischer Winterspiele; das Wintersportzentrum ist laut Wikipedia seit den 1930er Jahren einer der am stärksten besuchten Fremdenverkehrsorte in Österreich. „Wir haben schon ein bisschen Schnee“, so Walser: „aber nächste Woche soll es richtig kalt werden. Dann brauchen wir das Gerät unbedingt.“ Acht „kleine“ Pistenbullys sind in Seefeld für die Loipenpräparierung unterwegs. Weitere neun sind in den Skigebieten Rosshütte/ Gschwandtkopf und Birkenlift im Einsatz. „Es ist unser erstes Pistengerät im Norden“, nimmt Walser das Missgeschick des Fahrers mit Humor: „Er wird in den sozialen Netzwerken beschimpft. Wir werden ihn aber bei der Ankunft in Seefeld willkommen heißen, auch wenn er einen Umweg gemacht hat.“

Wie konnte es zu der Panne kommen? Pistenbullys werden von Kässbohrer in Laupheim hergestellt. Dort verfolgt man zwar den Medienhype, lehnt sich aber entspannt zurück. Sprecherin Maria Schackert erklärt: „Damit haben wir nichts zu tun. Den Transport hat der Kunde selbst organisiert. Unser eigener Fahrer hätte das sicher gemerkt. Klar, verfährt der sich auch mal, aber nicht so weit.“ Karl Royer, Sprecher der beauftragten Spedition, kann es nicht wirklich erklären. „Der Fahrer ist erst kurz bei uns – eine Woche“, so Royer. Vermutlich habe er Seefeld ins Navi eingegeben. Royer: „Der erste Knopf oben rechts war Seefeld/Oldesloe.“ Dann fuhr er los und fuhr und fuhr ... ohne seinen Irrtum zu bemerken. „Ich kann es nicht verstehen“, sagt Royer. Zlatko heißt der Unglücksrabe, er wird seinen Job nicht verlieren. „Ich glaube, den müssen wir noch mal zu einer Nachschulung für das Navi schicken“, so der Pressesprecher. Auf 4000 Euro schätzt er den entstandenen Schaden durch die 1500 zusätzlichen Kilometer. Royer: „Wir haben schlucken müssen, haben viel mit dem Kunden gesprochen, aber der sieht das Gott sei Dank mit Humor.“

Bundesweit berichten Medien über den 750-Kilometer-Abstecher des Pistengeräts. Die Marketing-Agentur für die „Olympiaregion Seefeld“ nutzt das Missgeschick zur Werbung. Oldesloes Bürgermeister Jörg Lembke sollte zur Begrüßung des Bullys nach Seefeld eingeladen werden.

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23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 25.Nov.2016 | 06:00 Uhr

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