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Stormarner Tageblatt

05. Dezember 2016 | 05:32 Uhr

Schlägereien: Erinnerungslücken nach drei Jahren

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

In diesem Fall ist die Richterin nicht zu beneiden. Wichtige Zeugen erscheinen nicht, und erst am Ende des Prozesstags stellt sich heraus, dass einer der vier Angeklagten nicht ausreichend Deutsch spricht. Es geht um eine Schlägerei vor einer Bargteheider Diskothek vor gut drei Jahren. Angeklagt sind vier Türsteher, die einen Besucher mit Schlägen und Tritten misshandelt haben sollen. Der Geschädigte erlitt dabei einen Jochbeinbruch. Trotz Ladung erschien er gestern nicht. Die Richterin verhängt 150 Euro Ordnungsgeld. Zudem können ihm die Kosten dafür aufgebrummt werden.

Sein Mandant werde auf sein Anraten keine Aussage machen, kündigte der Verteidiger an: „Es gibt nur Zeugenbeweise, es wird schwierig herauszufinden, was wirklich geschah.“ Er kritisierte nicht nur die lange Verfahrensdauer, sondern auch die Ermittlungen. „Die Polizei hat bei der Vernehmung eines Zeugen keine einzige Frage gestellt, nicht einmal wo und wie er verletzt wurde.“ Sie sei auch nicht dokumentiert worden. Der Beamte habe die Zeugenangaben aus einem Formular mit der Schreibmaschine zusammengefasst.

Ein 21-jähriger Abiturient ist der einzige Zeuge, der gekommen ist. Es habe Faustschläge und Tritte gegeben, sagte er. Der Geschädigte, ein Bekannter von ihm, habe die vier bis fünf Sicherheitsleute sicher auch provoziert, und er sei angetrunken gewesen. Er selbst habe erfolglos versucht, den Konflikt mit Worten zu lösen.

Der 21-Jährige hat allerdings Erinnerungslücken. Einen der Angeklagten meint er erkannt zu haben. Er erinnert sich auch nicht, dass er Anzeige erstattet hat. Darin hatte er angegeben, dass auch er geschlagen wurde. „Vielleicht habe ich das aus Wut gemacht“, sagt er. Er habe es einfach im Vordruck angekreuzt. „Das geht in Richtung Vortäuschung einer Straftat“, mahnt die Richterin.

Dann verlässt einer der Angeklagten plötzlich den Saal. Als die Richterin ihn ermahnt, versteht er sie nicht. Ein Mitangeklagter muss übersetzen. „Wir müssen das Verfahren abtrennen und einen Dolmetscher hinzuziehen“, so die Richterin. Der Aufwand sei erheblich, aber sie möchte das Verfahren endlich abschließen. 18 Zeugen hat das Gericht geladen und dafür drei Verhandlungstage angesetzt.

Der Anwalt fordert die Einstellung: „Die Aussagen des ersten Zeugen werden sich vielfältig wiederholen.“ Es seien alles junge Leute, für die drei Jahre eine lange Zeit seien, so der Anwalt. Zumindest gegen drei Angeklagte soll die Verhandlung am 20. Oktober fortgesetzt werden. Richterin und Staatsanwältin wollen die Hauptbelastungszeugen hören.

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