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Stormarner Tageblatt

30. September 2016 | 05:12 Uhr

Bad Oldesloe : Sanieren oder abreißen?

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Mitglieder des Bauausschusses diskutierten über die Zukunft des Oldesloer Waldorfkindergartens am Rümpeler Weg. Kann das städtische Gebäude saniert werden und wie kann eine Krippe integriert werden?

„Wir arbeiten modern in alten Schläuchen“, erzählt Maike Keibel, Leiterin des Oldesloer Waldorf-Kindergartens am Rümpeler Weg, den Bauausschussmitgliedern bei einem Rundgang durch das Gebäude. „Wir sind seit 28 Jahren in diesen Räumen. Wie lange geht das noch?“

Wenn oben im Bewegungsraum zu doll gehüpft wird, rieselt es unten aus der Decke. Überhaupt die Deckenhöhe ... „Da reden wir nicht groß drüber, das ist genehmigter Bestand“, sagt Matthias Rohde verschmitzt. „Das Interieur haben immer die Eltern in Eigenleistung gemacht“, erklärt Maike Keibel den Politikern und Verwaltungsmitarbeitern.

Nicht, dass es schlecht aussehen würde oder schlampig gemacht worden wäre. Das Kindergartengebäude hat ganz unstrittig Charme, aber der Mangel wird doch überall deutlich. Das Treppenhaus ist viel zu eng. Türrahmen sind gefährlich niedrig, überall Ecken und Stufen, ganz zu schweigen von veralteten Fenstern, der Elektroinstallation und gänzlicher fehlender Isolierung am Dach.

Die baulichen Mängel wären ja vielleicht noch hinnehmbar, aber der Kindergarten hat ein weiteres, quasi existenziellen Problem „Ohne Krippe macht das eigentlich alles keinen Sinn“, so Pädagogin Keibel: „Waldorf-Eltern, die noch ein kleineres Krippenkind haben, zerreißt es schier, wenn sie das Kind in eine andere Gruppe geben müssen. Wenn es drei wird, werden sie es ja nicht aus seiner vertrauten Umgebung nehmen – das Kind bekommen wir nicht mehr.“

Träger des Waldorfkindergartens ist eine Elterninitiative. Die Immobilie gehört der Stadt und wurde vom Verein gemietet. Zu dem Haus gehört ein sehr tiefes Grundstück mit altem Baumbestand. Dörthe Scharf, Geschäftsführerin der Initiative macht deutlich: „Wir wünschen uns ein heimeliges Haus, in dem unsere Kinder gut betreut werden und in dem es vernünftige Arbeitsbedingungen für unsere Mitarbeiter gibt.“ Ob das über einen Anbau an das bisherige „Mutterhaus“ oder über einen Neubau im weitläufigen Garten realisiert werde, spiele keine Rolle.

Für Uwe Rädisch (CDU) gibt es nach dem Rundgang durch die Kita-Räume nicht viel zu diskutieren. „Abreißen!“, lautet sein Fazit: „Die Hütte ist so verwarzt und verwinkelt, da sanieren wir uns ja dumm und dämlich.“

Ausschussvorsitzende Maria Herrmann (SPD) hat einen etwas differenzierteren Blickwinkel: „Das ist mal wieder ein städtisches Gebäude, an dem jahrelang nichts gemacht wurde. Vom Flair, der dieses Haus und dieses Grundstück ausmacht, wird nach einem Abriss nichts mehr überbleiben.“ Egal ob Sanierung oder Abriss, für die Einrichtung müsse eine Übergangslösung während der Bauphase gefunden werden. Herrmann: „Ich befürchte, da ist es fast realistischer, woanders ganz neu anzufangen.“

CDU und SPD sind sich in einem Punkt einig: Eine Lösung kann es nur im Einvernehmen mit der Trägerinitiative geben.

Nach dem Ortstermin am Rümpeler Weg wurde im Sitzungssaal eine Vorentscheidung getroffen. Im Rahmen der Haushaltsberatungen für das nächste Jahr wurden 50  000 Euro an Planungskosten bereit gestellt. Maria Herrmann (SPD) warnt vor allzu übertriebenen Hoffnungen: „Wenn man nicht in der Materie ist, glaubt man vielleicht, es wird gleich losgebaut ... es wird noch eine Weile dauern.“

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23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 20.Sep.2016 | 06:00 Uhr

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