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Bad Oldesloe : Rettungsdienst: Stormarn hält Hilfsfristen nicht ein

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Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Wenn der Notarztwagen zu spät kommt, kann das schlimme Auswirkungen haben. In Stormarn werden Konsequenzen diskutiert.

Bad Oldesloe | Zwölf Minuten oder 720 Sekunden beträgt die Hilfsfrist, in der Rettungsfahrzeuge den Einsatzort erreichen sollen. Gezählt wird nicht bei Meldungseingang, sondern ab Alarmierung. Mindestens 90 Prozent aller Notfalleinsätze sollen in dieser Frist bedient werden. In Stormarn sind es aber gerade mal 81,94 Prozent. Die 90 Prozent werden erst nach 13 und 14 Minuten erreicht.

Im Notfall kommt es auf jede Minute an. Doch in Stormarn hängen die Rettungskräfte oft hinterher. Ein Gutachten sieht Fehler in der Verteilung der Fahrzeuge im Kreisgebiet - außerdem sind es zu wenige.

Die Zahlen stehen im Abschlussbericht der Orgakom zum Rettungsdienstes in Stormarn. Im Auftrag des Kreises hatte die Firma aus Waldbronn den Zeitraum vom 1. Februar 2015 bis zum 31. Januar 2016 untersucht, das waren 56.673 Datensätze zu Einsatzfahrten, von denen rund 5500 nicht ausgewertet werden konnten.

Die meisten Zeitüberschreitungen traten mit 433 in der Stadt Bargteheide auf, rund 15 Prozent aller Fälle. Im Amt Bargteheide-Land waren es 344 Überschreitungen, die meisten in Tremsbüttel (77) und Elmenhorst (66). In Amtsbereich Trittau musste 366 Mal länger als zwölf Minuten gewartet werden, am häufigsten in in Trittau selbst (165) sowie in Lütjensee (103).

Mit einer Stichprobe von 30 Fällen wurden die Gründe für die Verspätung untersucht. In gut der Hälfte der Fälle war „das originäre Rettungsmittel nicht verfügbar war“, was als Duplizitätsfall bezeichnet wird. Etwas mehr als jede vierte Verspätung geht auf lange Fahrzeiten zum Einsatzort zurück. Zudem spielen Krankentransporte, durch die Rettungswagen belegt sind, sowie lange Ausrückzeiten eine Rolle.

Lange Anfahrten sind vor allem in Bargteheide und Ammersbek ein Problem. 650 Zeitüberschreitungen, mehr als ein Fünftel aller Fälle in Stormarn, lassen sich dort verorten. Auch weil es in Bargteheide deutlich mehr Fälle als in Ammersbek waren, wurde der Standort der Rettungswache in Bad Oldesloe in den Rögen verlegt. Für die Zeit nach dem 1. Juni 2015 wurden deshalb die Daten gesondert erfasst. Ergebnis: Die Zahl der Verspätungen hat sich reduziert, ist mit 29,35 Prozent (91 von 310 Einsätze ) „weiterhin als kritisch zu beurteilen“, so die Gutachter.

Auffällig hoch ist die Zahl der Zeitüberschreitungen mit 221 und 232 auch in Ahrensburg und Bad Oldesloe, obwohl beide Städten Standorte der Rettungswachen sind. Hauptursache sind laut Gutachten die Duplizitätsfälle. Da gibt es zum einen die Problematik, dass Rettungswagen bereits im Einsatz sind, zum anderen spielen die Krankentransporte mit Krankentransportwagen (KTW) eine Rolle. Die teilen die Gutachter in zeitkritische und nicht-zeitkritische Fahrten ein.

Zwar sehen die Gutachter noch Luft für kürzere, nicht zeitkritische Krankentransporte, aber auch einen Bedarf von 17 Rettungswagen (RTW), drei Notarzteinsatzfahrzeuge (NEF) sowie drei KTW. Weitere fünf RTW und ein NEF sollten Ersatzfahrzeuge sein, die bereichsübergreifend eingesetzt werden können. Je ein RTW mehr sollte in Ahrensburg, Bad Oldesloe, Reinbek und Trittau stationiert werden. Acht der Rettungswagen sollten rund um die Uhr einsatzbereit sei, einer auch im Bereich Kayhude/Nahe.

Zudem empfehlen die Autoren, die Fahrzeuge „zielgerichteter im Kreisgebiet zu verteilen“ und zum Beispiel ein RTW in Bargteheide zu stationieren. Bei den Notarzt-Fahrzeugen sei „die Vorhaltung von drei NEF rund um die Uhr in Ahrensburg, Bad Oldesloe und Reinbek notwendig.“ Das würde bedeuten, dass der Rettungsdienst Stormarn vier RTW und ein NEF anschafft, wofür natürlich auch mehr Personal gebraucht würde.

Mit dem Gutachten und den Konsequenzen daraus befassen sich der Hauptausschuss (22. März, 19 Uhr, Kreistagssitzungssaal) und der Kreistag am Freitag um 16 Uhr.

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erstellt am 19.Mär.2017 | 12:21 Uhr

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