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Stormarner Tageblatt

05. Dezember 2016 | 11:36 Uhr

Bad Segeberg : Reiterin bei den Karl-May-Spielen - ein Traumjob im Wilden Westen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Sie hat einen der Jobs, von dem vermutlich unzählige Pferdefans träumen: Mona Stange ist schon zum zweiten Mal Reiterstatistin bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg.

Mona Stange hat „das böse Pferd“. Nein, „Moreno“ hat keinen schlechten Charakter, ganz im Gegenteil, aber er ist nun mal das Pferd, mit dem Oberschurke Cornel Brinkley, gespielt von Oliver Stritzel, in Bad Segeberg durch die Open-Air-Arena reitet. Die 22-jährige Oldesloerin ist für die Pflege des Tieres zuständig, reitet es in einigen Szenen und hat auch rasante Auftritte mit anderen Pferden.

Mona Stange weiß, was „Moreno“ mag. „Das ist der Punkt“, sagt sie und schuppert ihm mit einer Bürste über eine Stelle zwischen Hals und Rücken. „Moreno“ genießt die kleine Massage, wiegt den Kopf wohlig hin und her.

Anschließend geht es zum Hufschmied. Michael Millermann von Rügen ist seit 27 Jahren für die Füße der Pferde bei den Karl-May-Spielen zuständig. Während „Moreno“ bei der Fußpflege ist, putzt Mona Stange ihr zweites Pferd „Kasino“ ordentlich durch. Sie ist zufrieden. „Ich habe Glück“, erzählt sie: „Die weißen Pferde müssen nämlich fast täglich geduscht werden.“

Mona Stange  hält „Morena“ mit Schurke Brinkley fest.
Mona Stange hält „Morena“ mit Schurke Brinkley fest. Foto: Olbertz

Reiterstatist bei der Open-Air-Aufführung ist ein begehrter Job. 100 Bewerbungen trudeln pro Saison bei Stall-Chefin Sylvia Kassel ein. Nach einem ersten Gespräch reduziert sich die Zahl schnell drastisch. „Ach, Box ausmisten gehört auch dazu?“ „Was, es gibt keinen Urlaub?“ „Keine Doppelbesetzung, ich muss jeden Tag da sein?“ Für die 48-Jährige ist dann alles klar: „Okay, das wird nichts.“ 20 werden zum Vorreiten eingeladen, davon schaffen es zwei ins zehnköpfige Team. „Sie müssen wirklich gut reiten können“, beschreibt Kassel die Hauptanforderung: „Oft sehe ich schon beim Aufsteigen, dass es nichts wird. Es reicht nicht, mal auf dem Ponyhof gewesen zu sein.“

Mona Stange hat mit acht Jahren angefangen zu voltigieren, wollte dann aber nur noch reiten. Inzwischen hat sie eine Reitbeteiligung. Dadurch sammelte sie Erfahrungen, die ihr jetzt zugute kommen. „Es wird erwartet, dass wir eigenständig arbeiten, wir müssen auch erkennen, wenn es einem Pferd mal nicht gut geht“, erklärt die Studentin. Sie ist schon die zweite Saison in Segeberg dabei. Wenn es das Studium zulässt, will sie auch nächstes Jahr wieder mitspielen – nicht wegen des Geldes, wie sie betont. Auch wenn eine „gute Summe“ zusammenkomme, seien Teamgeist, Stimmung wichtiger.

In verschiedenen Kleinrollen reitet die Lehramtsstudentin durch die Segeberger Arena.
In verschiedenen Kleinrollen reitet die Lehramtsstudentin durch die Segeberger Arena.
 

Während der Proben werden die Pferde ans Schießen und die Explosionen gewöhnt. Trotzdem gebe es immer wieder ungewohnte Situationen. „Wenn 3000 Leute gleichzeitig ihre Regenjacke anziehen, wird ein Pferd schon mal nervös. Dann muss ich steuern, mich durchsetzen“, berichtet die Oldesloerin. Eines ihrer Pferde ist noch nicht lange dabei. „Manchmal hat sie sehr viel Spaß und macht einen Bocksprung. Da muss ich mir ein Lachen verkneifen.“

Dies Jahr wird „Der Schatz im Silbersee“ gespielt. Ende Mai haben die Proben begonnen. „In den vier Wochen muss man fast jeden Tag da sein. Geprobt wird open end. Da kann es schon mal 23 Uhr werden.“ Die Studentin muss deshalb vorarbeiten, denn die Semesterferien beginnen erst Anfang Juli. Während der Proben wächst das Team zur berühmten Karl-May-Familie zusammen. Nein, die Stars wie Jan Sosniok (Winnetou), Till Demtrøder (Old Shatterhand) oder Susan Sideropoulos (Ellen Patterson) seien nicht abgehoben. Während der Freizeit unternimmt das Team viel gemeinsam.

Mona Stange schlüpft in verschiedene Rollen. Wenn Gangster Brinkley vom Pferd steigt, muss sie da sein und „Moreno“ übernehmen. Daneben reitet sie als Indianer durch die Arena oder als Gangster. „Teilweise muss ich schon über die Hinterbühne rennen und mir das Kostüm runterreißen, um den Wechsel hinzubekommen“, erzählt sie: „Auf dem Pferd musste ich mich aber noch nicht umziehen.“
 

„Der Schatz im Silbersee“ wird noch bis zum 4. September aufgeführt. Donnerstags bis sonnabends jeweils um 15 und 20 Uhr, sonntags nur um 15 Uhr. Weitere Infos unter www.karl-may-spiele.de Eintrittskarten sind auch im Ticketcenter des Stormarner Tageblatts erhältlich.

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23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 06.Aug.2016 | 08:00 Uhr

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