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Stormarner Tageblatt

10. Dezember 2016 | 11:51 Uhr

Bad Oldesloe : Preiserhöhung für Travebad vertagt

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Vereine sollten das Dreifache, Behinderte das Doppelte bezahlen, Kinder 50 Prozent mehr und Erwachsene 25 Prozent – so der Vorschlag der Stadtwerke. Wegen anhaltender Probleme mit dem Bad wurde das abgelehnt.

Das „Travebad“ kommt einfach nicht aus den negativen Schlagzeilen raus. Schon in der Bürgerfragestunde des Hauptausschusses gab es erneut Beschwerden über den Zustand des erst vor zwei Jahren mit Millionenaufwand renovierten Bades. „Frühschwimmer können das Angebot – für das sie mit ihren Dauerkarten bezahlt haben – aktuell nicht nutzen, die Sauna ist kaputt. Ich sehe große Probleme für das Image des Bades, wenn das so weitergeht“, sagte eine Frühschwimmerin.

Auch Vertreter von „Reha aktiv“ und der DLRG waren vor Ort, denn es ging nicht nur um die aktuellen Missstände wie Personalmangel, defekte Duschen, nicht funktionierende Drehkreuze oder eine abgeschaltete Sauna, sondern auch um eine avisierte Preiserhöhung.

„Ich höre immer wieder Beschwerden. Die Stimmung in der Bevölkerung in Bezug auf das Bad ist sehr schlecht. Und dann kommen Sie hier mit einer nicht mal moderaten Preiserhöhung. Das ist wirklich ungeschickt“, kritisierte Maria Herrmann (SPD). „Uns sind die Probleme bekannt. Aber im Bezug auf die Öffnungszeiten liegt das nicht an unserem Willen, sondern an kurzfristig erkranktem Personal. Wir sind da dran“, verteidigte sich Stadtwerke-Chef Jürgen Fahl.

„Das Travebad macht jedes Jahr eine Million Euro Verlust. Jeder Gast der zu uns kommt, wird also durch die Stadt mit zehn Euro gefördert. Aus unserer Sicht geht das so nicht weiter. Daher streben wir die Preiserhöhung an“, sagte Geschäftsführer Olaf Poetzing. Durch eine Erhöhung für Kinder und Jugendliche von zwei auf drei Euro und bei Erwachsenen von vier auf fünf Euro, sowie bei Schwerbehinderten von zwei auf vier Euro würden die Einnahmen deutlich erhöht.

Vor allem sei wichtig, dass auch die ortsansässigen Vereine in Zukunft 30 Euro pro Bahn und Stunde zahlen und nicht wie bisher zehn. „Wir haben eine konkrete Anfrage eines ortsfremden Vereins, der wissen möchte, warum er nicht auch zehn Euro zahlt“, sagte Poetzing. Klagen wegen Verstoßes gegen das Gleichbehandlungsgesetz wolle er aus dem Weg gehen.

„Wir sind nicht eingebunden worden in die Gespräche, erfahren durch Zufall und kurzfristig von diesen Plänen. 200 Prozent Preiserhöhung können wir uns nicht leisten“, zeigte sich Dominik Geerken, Vorsitzender der Oldesloer DLRG fassungslos. Wozu habe es denn vor einem Jahr einen Arbeitskreis zu genau diesem Thema gegeben? Jetzt kämen nur die Zahlen der Stadtwerke auf den Tisch, die die alten Summen noch deutlich überstiegen. Antwort Fahl: „Ich sah keine Veranlassung die Vereine an dieser Stelle zu beteiligen, weil es ja keine neuen Informationen gab. Es ist klar, dass wir verschiedene Positionen hatten und haben.“

„Sie sind auf dem besten Weg, Schwimmen zum Luxusgut zu machen. Das ist bedenklich“, sagte der erboste DLRG Vorsitzende. „In unserer Schwimmsparte sind 200 Kinder und 100 Erwachsene aktiv. Wir bringen jedes Jahr 50 Kindern das Schwimmen bei. Das neue Preissystem bedeutet 14  000 Euro Mehrkosten für uns. Das bedeutet eine Beitragserhöhung um mindestens zehn Euro. Es wird Abmeldungen geben. Wir werden unter diesen Bedingungen das Angebot um 50 Prozent zusammenstreichen. So kommt das Geld dann auch nicht rein“, rechnete der stellvertretende Vorsitzende des VfL Oldesloe, Eckhard Käding, vor.

„Die Schwimmhalle macht Verlust, und der wird nicht weniger. Das können wir uns nicht einfach anschauen und sagen: Weiter so. Daher finde ich die Preiserhöhung angemessen. Mit den Vereinen müsste man Finanzierungsvereinbarungen treffen“, sagte Birgit Reichardt-Mewes (CDU). Sie stellte einen entsprechenden Antrag. Doch das war mit der Mehrheit der Lokalpolitiker nicht zu machen. „Wir sind nicht bereit für ein nicht intaktes Hallenbad eine Preiserhöhung in dieser Form mitzutragen“, blieb Herrmann stellvertretend für die SPD hart.

„Wieso steigt der Eintritt für Schwerbehinderte um 100 Prozent, für Kinder um 50 und für Erwachsene um 25?“, wollte Wilfried Janson (Grüne) wissen. „Ich frage mich, warum die Kurse der VSG nicht von den Erhöhungen betroffen sind“, erweiterte Herrmann die Diskussion um einen Aspekt.

Schließlich stellte die SPD einen Antrag, dass eine Preiserhöhung nur dann möglich sei, wenn das Bad „endlich voll funktionsfähig sei“. Außerdem müssen sich die Stadtwerke mit den Vereinen einigen. Bis dahin sei das Thema Preiserhöhung vertagt. „Ich finde die Formulierung nebulös und die Vertagung auf den Sankt-Nimmerleins-Tag sehr unglücklich“, so Reichardt-Mewes. Die CDU stimmte daher dagegen, unterlag aber mit vier zu sechs Stimmen.

 

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erstellt am 18.Nov.2016 | 06:00 Uhr

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