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Stormarner Tageblatt

05. Dezember 2016 | 13:43 Uhr

Ahrensburg : Pokémon Go für Fortgeschrittene

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Basler AG lud Schüler zum ersten Hackathon ein, bei dem Augmented-Reality-Spiele programmiert wurden.

Mit dem Spiel Pokémon Go wurde Augmented Reality (AR) oder Erweiterte Realität erstmals ein Massenphänomen. AR bringt die Virtual Reality sozusagen ins echte Leben, indem beides verknüpft wird. Allerdings steht AR noch ganz am Anfang der Entwicklung, weil die technischen Anforderungen an Hard- und Software hoch sind. Genau das richtige also, um Programmierer-Nachwuchs zu begeistern, dachte man sich bei Basler in Ahrensburg und lud Schüler von zwölf bis 18 Jahren zu einem Hackathon ein.

Das Kunstwort aus „Hack“ und „Marathon“ beschreibt eine Programmier-Party, bei der man gemeinsam an einer Software arbeitet – über Stunden oder Tage. Bei Basler war es ein Tag, wobei es zuvor zur Vorbereitung ein Briefing gegeben hatte, nachdem auch die Teams zusammengestellt werden. Es konnten zwar Wünsche geäußert werden, „wir wollten aber möglichst heterogene Gruppen, sowohl vom Alter als auch von den Kenntnissen her“, so Andrea Wojciechowski, die den Basler-Hackathon organisierte.

Die Teams sollten ein Spiel entwickeln, bei dem ferngesteuerte Autos mit einer virtuellen Umgebung verknüpft werden. Die Spielfläche wurde von einer High-Tech-Kamera aufgenommen, um die Position der farblich gekennzeichneten Autos aufzunehmen und zu berechnen. Obwohl die Kamera an der Decke angebracht war, konnten die Programmierer für das Spiel eine beliebige Perspektive wählen. Die Basis-Programmierung dafür hatten die Basler Software-Entwickler Ines Hilbert und Arne Richter geschrieben. Sie standen für Fragen ebenso zur Verfügung wie die fünf Mentoren für die fünf Gruppen. Von 9 Uhr morgens bis zum letzten Schlusstermin um 18.30 Uhr wurde in den Teams programmiert, „und sie wollten immer noch weitermachen. Ich bin echt begeistert, was sie geleistet haben“, sagte Mentor Andreas Gau. „Wir wollten einen Raum schaffen, wo sich junge Informatiker treffen und austauschen und von erfahrenen Programmierern lernen können“, beschreibt Andrea Wojciechowski das Konzept, das voll aufgegangen ist.

„Wir programmieren alle und es macht Spaß, Gleichgesinnte zu treffen“, sagte Yannick Papenfuß vom Team Grün, das die Autos auf einen Parcours mit Hindernissen und Fallen, Speed- und Slow-Modus schickte. Mit Augmented Reality hatten die Schüler zuvor ebenso wenig gearbeitet wie mit der Programmiersprache Python. Ein Team hatte eine Auto-Variante zum Snake-Spiel entwickelt, bei den anderen musste man Dinge einsammeln und Hindernissen ausweichen, manchmal gegen die Zeit, manchmal gegeneinander, wobei man abgeschossen werden konnte.

Dass bei der Präsentation nicht alles hundertprozentig so klappte, wie sich die Gruppen das vorgestellt hatten und dass (natürlich) zu wenig Zeit war, um weitere Features einzubauen, gingen allen Gruppen ähnlich. Aber im Vordergrund standen ohnehin der Spaß und das gemeinsame Arbeiten an einem Ziel.

„Auch wenn die IT so langsam aufstrebend ist, findet man in der näheren Umgebung nur wenige Gleichgesinnte. Deshalb ist so ein Hackathon eine gute Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen. In der IT ist es schwierig, alleine etwas auf die Beine zu stellen“, sagt Brano Zell. Der Oldesloer Gymnasiast hat schon früh mit dem Programmieren angefangen und seit einem 3/4 Jahr einen Nebenjob bei RDT in Neritz.

Für das Oldesloer Gymnasium hat sich auch Jonte Behring entschieden, obwohl er in Ahrensburg wohnt, aber dort gibt es trotz dreier Oberstufen keine mit dem entsprechenden technischen Profil. Von dem, was die Schulen im IT-Bereich bieten, sind auch viele andere enttäuscht. „Bescheiden“ gehört noch zu den positiveren Aussagen. Dabei haben die meisten in der Grundschule und mit den Lego-Robotern angefangen. Wer im IT-Bereich dazulernen wollte, musste dafür aber vor allem persönliches Engagement aufbringen.

Denn den Entwicklern von morgen muss mehr Raum gegeben werden. Woher sollen die Apps, Programme und digitalen Entwicklungen kommen?“, fragt Andrea Wojciechowski. Trotz Mint-Fächern scheine der digitale Wandel an den norddeutschen Schulen nicht angekommen zu sein – wie auch das Streichen des Pflichtfachs Informatik in Hamburg zeige, so die Basler-Mitarbeiterin für den Nachwuchsbereich.

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erstellt am 19.Okt.2016 | 06:30 Uhr

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