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Stormarner Tageblatt

24. August 2016 | 10:28 Uhr

Feuerhand ist insolvent : Pleite: Der Sturmlaterne droht das Aus

vom

Die Petroleum-Lampen haben Weltruf. Doch jetzt droht dem Hersteller Feuerhand in Hohenlockstedt das Aus.

Hohenlockstedt | Seit 110 Jahren werden Feuerhand-Sturmlaternen produziert - jetzt droht der Traditionsmarke das Aus. Beim Amtsgericht Itzehoe wurde Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt. Die 40 Arbeitnehmer produzieren allerdings weiter, "mindestens noch bis Ende des Jahres", sagt der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Klaus Pannen aus Hamburg. Bis dahin hofft der Experte, neue Investoren für das Unternehmen gefunden zu haben. Dr. Pannen sieht zwei Gründe für die Misere: Einen leichten Absatzrückgang und vor allem hohe Personalkosten. Er sei aber optimistisch, eine Lösung zu finden.
Das erhoffen sich auch Regina und Rainer Payonk von der Firma Reco aus Hohenlockstedt. Ihr Unternehmen hat exklusiv die weltweiten Vertriebsrechte. Das heißt: Reco ist einziger Abnehmer der Feuerhand-Laternen. Die Payonks verkaufen die Laternen vor allem in Entwicklungsländer, Hauptabnehmer sind zurzeit Nigeria und Äthiopien. Darin liegt auch ein Grundproblem, so Payonk. Denn der dortige Markt gebe keine größeren Preise her, ansonsten würde der Absatz einbrechen. Demgegenüber stehen in Hohenlockstedt aber hohe Personalkosten, denn die Arbeitnehmer werden nach dem Tarif der Metallindustrie, der auch für die großen Automobilfirmen gilt, bezahlt.
Belegschaft bietet Tarifwechsel an
Die Arbeitnehmerseite hat hier aber schon Kompromissbereitschaft gezeigt: "Wir sind bereit, in den Tarifvertrag für das Metall-Handwerk zu wechseln", sagte Kai Trulsson, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Unterelbe auf Anfrage. Das würde für die Arbeitnehmer einen Verlust von zehn bis 15 Prozent ihrer Löhne ausmachen. Diesen Vorschlag habe die Gewerkschaft auch den Feuerhand-Geschäftsführern unterbreitet, diese wollten jedoch einen 30-prozentigen Lohnverzicht. Das sei aber inakzeptabel für die Belegschaft gewesen. Nachdem die IG Metall dies abgelehnt habe, sei der Gang zum Insolvenzgericht erfolgt. "Wir halten unser Angebot für neue Investoren aufrecht, wenn es für die Belegschaft eine mittel- bis langfristige Perspektive gibt", kündigt Trulsson an.
Damit es vorerst weitergeht, haben sich die Payonks auch finanziell engagiert. Lieferengpässe werde es zurzeit sowieso nicht geben, der Lagerbestand reiche noch bis zum Frühjahr, sagt der Reco-Geschäftsführer. 700.000 Laternen werden dieses Jahr voraussichtlich ausliefern. Im vergangenen Jahr waren es noch 100.000 mehr, 2010 lag die Anzahl bei 600.000 Stück. In der 110-jährigen Feuerhand-Geschichte sind insgesamt zirka 250 Millionen Laternen verkauft worden.
Alle Zukaufprodukte kommen aus Deutschland
Das Besondere ist damals wie heute: Die Lampen werden größtenteils in Handarbeit gefertigt. Aus 37 verschiedenen Teilen wird die Laterne vom Typ "Nummer 276", die als einziges Modell heute noch produziert wird, geformt. Nachdem die Laternen zusammengesetzt sind, durchlaufen sie verschiedene Bäder und werden verzinnt. Dies sorgt für Stabilität und Dichtigkeit. Auf Qualität achten die Hersteller auch beim hitzebeständigen Glas, es kommt von der Firma Schott. Alle Zukaufprodukte stammen aus Deutschland. Damit hat es die Feuerhand-Laterne zum Weltmarktführer gebracht.
Rainer Payonk geht davon aus, dass die Lampen auch künftig noch ihre Freunde finden werden. "Der Absatz ist immer noch da, auch in ausreichendem Maße."

Feuerhand: 110 Jahre Tradition
Hermann Nier begann 1902 in Beierfeld/Sachsen mit der Produktion der Sturmlaternen unter dem Markennamen Feuerhand. Die Firma beschäftigte zeitweise mehr als 1500 Mitarbeiter und stellte 16 Millionen Laternen pro Jahr her. Nach dem Krieg wurde die Produktion 1950 in Hohenlockstedt wieder aufgenommen. Ende der 1980er Jahre geriet die Firma in die Krise, deshalb wurde die Fertigung von Autokleinteilen aufgenommen. Die Laternenproduktion wurde 2003 an die neugegründete Feuerhand GmbH verkauft.

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erstellt am 27.Okt.2012 | 06:02 Uhr

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