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Stormarner Tageblatt

05. Dezember 2016 | 21:40 Uhr

Bad Oldesloe : Planung, die keiner will

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Ideen eines Planungsbüros für den Bereich zwischen Bahnhof- und Mewesstraße stoßen bei Eigentümern auf Ablehnung. Ohne deren Mitwirkung wird dort kaum etwas von verwirklicht werden können.

Die Bahnhofstraße ist erneuert, der Kreisel fertig und auch das Kub eingeweiht – alles Projekte mit Fördermitteln aus dem „Stadtumbau West“. Seit 2007 ist die Stadt in diesem Programm, das noch weitere Projekte umfasst. Schon seit längerer Zeit ist im Gespräch, die Hinterhöfe zwischen Bahnhof- und Mewesstraße neu zu gestalten. Das Planungsprogramm „BCS – Stadt und Region“ aus Lübeck hat dazu Ideen entwickelt. Doch diese Pläne sind nichts weiter als unverbindliche Vorschläge. Sie sollen das Quartier aufwerten, doch da zum Großteil Privatgrundstücke betroffen sind, hat die Stadt kaum Einfluss auf die Umsetzung.

„Die Vielzahl an Eigentumsverhältnissen macht es nicht einfacher. Es ist aber nicht angedacht, dass hier jemand enteignet wird. Es sind Vorschläge, die förderfähig sind, daher setzen wir auf das Mitwirken der Besitzer“, erklärt Stadtplanerin und Architektin Kerstin Langmaack, Chefin von BCS. Dort wo jetzt noch zahlreiche Schuppen und ein Schotterparkplatz mit alten Garagen sind und die Atmosphäre wenig einladend auf Passanten wirkt, sollen neben einer Tiefgarage Grünflächen und ein Spielplatz entstehen. „Die Ergebnisse der Bürgerwerkstatt haben gezeigt, dass vor allem Grünflächen und Rückzugsorte fehlen und von den Anwohnern gewünscht sind“, erklärt Annika Slawski von BCS. Genau diese Angebote sollen in Zukunft entstehen. Zwei Wohnungsunternehmen, denen Gebäude auf dem Gelände gehören, seien „sehr aufgeschlossen für die Pläne“. Bei einem Gebäude denke man „sowieso über einen Abriss und Neubau nach“. Die Gesprächen müssten noch weiter geführt werden, aber grundsätzlich sei man auf einem guten Weg. „Wir wollen im Innenbereich die Parkplätze in eine neue Tiefgarage verlegen. Dadurch kann eine Begrünung der Oberfläche stattfinden. Die Garage würde wegen der Gefällesituation trotzdem ebenerdig sein können“, so Slawski. Die Lokalpolitiker im Bauausschuss schauten sich die Situation vor Ort an. „Fühlen Sie sich rein“, empfahl Langmaack. „Hässlicher wird es hier bestimmt nicht“, war aus mehreren Richtungen als Urteil zu hören.

Doch es gibt ein entscheidendes Detail, das fast all diese Überlegungen auf Eis legt: mehrere Grundstückseigentümer haben nicht vor ihr Gelände zu verkaufen oder zu verschönern. Auch an förderfähigen Sanierungen zeigten sie sich wenig bis gar nicht interessiert.

„Ich glaube, dass die Eigentümer zu spät ins Boot geholt wurden. Da ist viel im Umlauf. Es sind falsche Bilder in den Köpfen, es ist das Gefühl entstanden, dass etwas aufgezwungen wird“, so Michael Gilbert vom Fotostudio Ketelhohn, dessen Familie ein Grundstück gehört. „Wir werden nicht verkaufen. Und ich sage Ihnen eines: Auf unserem Grundstück wird gar nichts passieren“, bestätigt Gilberts Nachbar Henning Krull.

Bereits bei der Begehung war angeklungen, dass es weitere Besitzer ähnlich sehen. Dabei spielen bestimmte Interessenslagen eine wichtig Rolle. Denn die momentane Parkplatzvermietungssituation beispielsweise ist zwar unansehnlich, spült aber Geld in die Kassen der jeweiligen Eigentümer. Eine Grünfläche wäre zwar schöner, aber die Mieten würden wegfallen. Einnahmen aus der Stellplatzvermietung in der neuen Tiefgarage gingen dann an deren Besitzer.

Die teilweise strikte Ablehnung gekoppelt an Vorwürfe und Kritik stößt bei der Politik derweil auf Unverständnis. „Es geht nicht persönlich gegen Einzelpersonen. Aber einige, die sich aufregen, dass hier was getan werden soll, dass Vorschläge für eine Verschönerung gemacht werden, sind die, die sich sonst beschweren, dass hier angeblich nichts passiert “, sagte die Bauausschussvorsitzende Maria Herrmann (SPD) schon bei der Begehung. „Mehr als Bürgerwerkstätten anzubieten und ständig zu informieren, können wir auch nicht tun“, so Bauamtsleiter Thilo Scheuber.

Einen weiteren Grund für die Ablehnung erklärte Grundstücksbesitzer Michael Burow: „Nach der Sanierung der Bahnhofsstraße ist die Entwässerung schlechter geworden. Es kommt häufiger zu Wasserschäden und die Versicherungssummen wurden hochgesetzt. Da kommt von unserer Seite erstmal noch was auf die Stadt zu.“

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