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Stormarner Tageblatt

06. Dezember 2016 | 13:07 Uhr

Stormarner Wochenschau. : Pistenraupe in Seefeld: Weit gefehlt, aber gut angekommen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Gut gemeint ist eben noch lange nicht gut gemacht. Das gilt für Fernfahrer wie für Redner. Die Woche im Rückblick.

Update: Wie sich in der Zwischenzeit herausstellte, handelte es sich bei der Aktion um einen PR-Gag der Olympiaregion Seefeld, um Aufmerksamkeit und Medienpräsenz zu erlangen.

Abgefahren

Hand aufs Herz: Ist die Geschichte nicht viel zu komisch, um wahr zu sein? Ja, im digitalen Zeitalter ist es leichter denn je, sich zu verfahren. Aber 750 Kilometer mit der Pistenraupe hinten drauf nach Seefeld in Bad Oldesloe statt nach Tirol? Der Kollege mit den Anbauteilen ist längst im richtigen Seefeld angekommen. Da greift man doch mal zum Handy: „Hey Sladdy, wo bleibst du?“ „Bin in Würzburg, das dauert noch ...“ Ups, hätte da nicht jemand stutzig werden müssen?

Der Seefelder Hans Jochim Stolten sagt, es seien zwei Fahrer gewesen. Die Spedition dementiert, nein, nur einer. Aber wegen der einzuhaltenden Ruhezeiten habe man einen zweiten hinterhergeschickt. Ach so, alles klar. Ne, gar nicht. Wie lange braucht denn ein Ersatzfahrer von Österreich nach Bad Oldesloe? Bis dahin hätte Zlatko doch längst ausgeschlafen und kann alleine zurückfahren – so wie er hergekommen ist. Abgekartet oder nicht – ein bisschen seltsam ist die ganze Geschichte schon. Aber selbst wenn es eine geschickt eingefädelte Marketingaktion war, hat Oldesloe davon profitiert. Starregisseur Til Schweiger hat verschwiegen, dass er Szenen von Honig im Kopf in Seefeld gedreht hat – davon hatte die Stadt gar nichts. Aber mal so in einem Atemzug mit einem berühmten Skiort genannt zu werden? Das schadet Oldesloe nicht.

Knapp daneben: Eine Pistenraupe steht im schleswig-holsteinischen Seefeld auf einem Transportfahrzeug.
Knapp daneben: Eine Pistenraupe steht im schleswig-holsteinischen Seefeld auf einem Transportfahrzeug. Foto: Olympiaregion Seefeld
 

Abgesagt

A propos Werbung. Die Marketing-Agentur für Seefeld hat nicht lange gefackelt und den Bürgermeister von Seefeld/Oldesloe zur Begrüßung des Pistenbullys samt Familie nach Tirol eingeladen. Aber da waren sie bei Jörg Lembke natürlich genau an der falschen Stelle. „Das habe ich natürlich sofort abgelehnt“, stellt der entschieden klar. Und das hat nichts damit zu tun, dass die Stadtverordneten ihm grade dieser Tage eine Dienstreisegenehmigung nur für Deutschland bewilligt haben. „Das wäre Vorteilsnahme“, klärt der ehemalige Kripobeamte, der auf Korruptionsbekämpfung spezialisiert war, auf. Aber er könne sich vorstellen, da mal ganz privat und auf eigene Kosten hinzufahren. „Um sich kennen zu lernen.“

So weit so klar. Mit Malte Biss von der gleichnamigen Marketing-Agentur lieferte er sich aber noch ein launiges Wortgefecht über die Rückgabe des Pistenbullys. „Den können wir gut gebrauchen, um den Butterberg im Kneeden für Rodler zu präparieren. Und unsere ganzen Wanderwege können wir damit bestimmt auch glatt ziehen.“ Nein, die Argumentation überzeugte nicht wirklich.

Ausgegeben

Nö, der große Schlagabtausch blieb diesmal bei den Oldesloer Haushaltsberatungen aus. SPD, CDU und Grüne sind sich in ihrer Einschätzung mal weitgehend einig: Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos. Nur die FBO musste eine Horror- und Katastrophenszenario heraufbeschwören. Es fehle der Willen zum Sparen und attraktive Immobilien wie das VHS–Gebäude oder der Parkplatz am Wendum würden nicht verkauft. Da schlummerten Millioneneinnahmen. Zumindest wenn man Matthias Rohde glauben will. Von der CDU hat es dazu die passende inhaltliche Erwiderung gegeben. Die SPD geißelte Rohdes Ausführungen schlicht als Populismus.

Interessant war ein anderer Aspekt. Oberhaushälterin Birgit Reichardt-Mewes (CDU) erklärte, dass man sich ja bereits daran gewöhnt habe, für Geld auf dem Konto keine Zinsen mehr zu bekommen. Dass die Bank jetzt aber sogar „Verwahrentgelte“ fordere, sei eine neue Dimension. Der Volksmund nennt das Negativzinsen. Die Stadt stelle das vor besondere Herausforderungen. Um nicht dummerweise zu viel Geld auf dem Konto zu haben, müsse neue Software angeschafft und eventuell sogar zusätzliches Personal eingestellt werden. Es kann also die Situation eintreten, dass die Stadt gewisse Zahlungen noch gar nicht haben will. Vor dem Hintergrund sind Schulden doch eine gute Alternative. Verkehrte Welt.

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23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 26.Nov.2016 | 08:00 Uhr

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