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Stormarner Tageblatt

10. Dezember 2016 | 23:23 Uhr

Bargteheide : Pilotprojekt im Pflegebetrieb

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Arbeitsplätze in der Pflege sollen gesünder werden. Deshalb haben die Pflegeeinrichtungen Steinbuck und die DAK ein Pilotprojekt zum Gesundheits- und Eingliederungs-Management vereinbart.

Das Problem ist bekannt: Die Bevölkerung schrumpft und die Zahl der Alten wächst. In den Pflegeberufen werden die Folgen zuerst deutlich. Der Nachwuchs wird knapp, die Zahl der Pflegebedürftigen steigt. Mit einem betrieblichen Gesundheitsmanagement steuern die Pflegeeinrichtungen Steinbuck dagegen, unterstützt von der Krankenkasse DAK. Die meisten der Arbeitnehmer im Betrieb sind dort versichert.

In einem auf zwei Jahre angelegten Projekt werden Mitarbeiter fortgebildet, um ein neues Gesundheitsverständnis im Betrieb zu etablieren. Dabei geht es nicht nur um die Analyse der Krankheitsdaten und möglicher Ursachen, sondern auch ein Eingliederungsmanagement für erkrankte Mitarbeiter. „Es geht um eine gesundheitsfördernde Gestaltung der betrieblichen Strukturen und Prozesse“, sagt Mathias Steinbuck, Geschäftsführer der gleichnamigen Pflegeeinrichtungen. Ziel sei die Erhaltung der Arbeitsfähigkeit.

„Die psychischen und physischen Belastungen in Pflegeberufen sind hoch“, sagt Stormarns DAK-Chef Hans-Werner Harmuth. Wer in einem Jahr länger als sechs Wochen wiederholt oder ununterbrochen krank ist, könne das Eingliederungsmanagement in Anspruch nehmen. Das sei freiwillig. Es gebe keinen Zwang.

Konkret werden jetzt drei Mitarbeiter für diese Aufgabe als Fachkräfte für Arbeitssicherheit ausgebildet. „Es geht dabei nicht um Kontrolle“, betont Steinbuck, „sie führen nur Gespräche mit den betroffenen Kollegen, wenn die das auch wünschen.“ Als Resultat könnten Arbeitsplätze so angepasst werden, dass die Aufgaben für Menschen mit Einschränkungen leistbar sind. Gleiches gelte auch für die Schichtpläne, Teamgespräche oder Beschaffung technischer Hilfsmittel. Die Ergebnisse werden streng vertraulich dokumentiert. Nur die drei Fachkräfte haben darauf Zugriff, die Mitarbeiter können aus dem Team eine Ansprechperson auswählen.

„Die Daten kommen nicht in die Personalakte“, sagt Steinbuck, „der Unternehmer erhält nur Empfehlungen für mögliche Verbesserungen. Der Datenschutz sei so gewährleistet. Die Mitarbeiter könnten freiwillig am Projekt teilnehmen und auch jederzeit aussteigen. Verbindlich ist nur ein Erstgespräch. Bei weiteren Schritten kann eine Vertrauensperson oder der Betriebsarzt hinzugezogen werden.

Hintergrund ist der gesetzliche Auftrag für Krankenkassen, das betriebliche Gesundheitsmanagement zu unterstützen. „Wir müssen pro Versichertem zwei Euro im Jahr dafür aufwenden“, sagt Harmuth. In 900 Firmen in Deutschland werde das schon praktiziert. Das Angebot gelte für alle Betriebe in der Region. „Ich kann jedem Arbeitgeber nur dazu raten“, so Harmuth.

Als Partner hat die DAK die Firma Motio für Gesundheitsmanagement mit ins Boot geholt. Sie sorgt für die Ausbildung der drei Fachkräfte. Das Eingliederungsmanagement sei eine freiwillige Leistung, so Motio-Geschäftsführer Frank Fiedler: „Eine krankheitsbedingte Kündigung wird von Arbeitsgerichten nur akzeptiert, wenn eine solche Dokumentation vorliegt.“



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