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Stormarner Tageblatt

25. September 2016 | 03:58 Uhr

Oldesloer Bühne : Nachrichten und Anekdoten aus dem reichen Bühnenarchiv

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Vereins-Sammlung bietet jede Menge Fotos und Geschichten. Heute: Die 60er Jahre – Hanno Thurau: Von Oldesloe ans „Ohnsorg“

Die Oldesloer Bühne feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen. Mehr als ein halbes Jahrhundert Theaterspiel – davon zeugt auch das umfangreiche Archiv des Vereins, das zur Zeit bei Heike Gräpel zu Hause aufbewahrt und gut gepflegt wird. Die Vereinsvorsitzende hat für das Stormarner Tageblatt Geschichten, Anekdoten und Fotos aus nunmehr 60 Jahren Theatergeschichte heraus gesucht. Denn eigentlich gibt es den Theaterverein schon viel länger, er wurde nämlich im Februar 1966 lediglich neu gegründet. „Theater ist nicht Angebot – Theater ist Welt!“ – war eines der Mottos, das sich der noch junge Verein vor 50 Jahren zu Herzen nahm und das auch heute noch seine Gültigkeit hat.

Die Wiedergründung des „Theatervereins Oldesloe von 1920“ wurde bereits im Januar 1957 in aller Stille vollzogen. Der Vorstand bestand damals aus lediglich drei Personen, nämlich Werner Wohlers, Konrad Stapelfeld und Fritz Eichler. Außerdem mischten damals schon theaterbegeisterte Laienspieler wie Richard Lieske, Rudi Niebisch, Günter Bohl, Günther Mirus, Kurt Dose und Karl Quoos mit. Bereits im Mai 1957 ging die Spieltruppe erstmals an die Öffentlichkeit und präsentierte im „Oldesloer Hof“ den Schwank „Der kühne Schwimmer“. Die Aufführung kostete lediglich 1 DM Eintritt. Die Bühnenausstattung übernahm das Möbelhaus Bohl und die Beleuchtung die Firma Erich Hau-schild. Und für die passende Dekoration sorgte das Blumengeschäft Hans Hein.

 Im August 1957 stand ein junger Künstler namens Hanno Melchert mit auf der Bühne und bekam viel Beifall. Er ging 1961 als Hanno Thurau an das Ohnsorg Theater nach Hamburg und feierte dort große Erfolge. Darüber hinaus sah man ihn gelegentlich in Nebenrollen in Film und Fernsehen. Dennoch ist er der Oldesloer Bühne lange Zeit treu geblieben. Spaß und Spiel standen im Verein immer schon an erster Stelle, der sich deshalb in erster Linie für die „leichtere Unterhaltung“ entschied. 1960 führte der Verein das Stück „Es geschah zum Fünf-Uhr-Tee“ auf.

 Dieses Drama bewegte das Publikum besonders, da es vom ehemaligen Bürgermeister, Stormarner Oberkreisdirektor und Juristen Dr. Franz-Wilhelm Kieling, geschrieben wurde, der die Aufführung leider nicht mehr miterlebte. Im Januar 1961 wurde Günther Mirus zum neuen 1. Vorsitzenden gewählt, Spielleiter war von Anfang an Rudi Niebisch, der den Mangel an Spielern und vor allem an technischem Personal bedauerte, denn die Spieler mussten ihre Bühne selbst auf- und abbauen.   1962 gab es deshalb einen Aufruf in den Zeitungen, dass Spieler gesucht würden, weil Fernsehen viele Bürger vom Theater ablenken würde.

Der 25. Februar 1966 ist ein großes Datum in der Geschichte der Oldesloer Bühne, denn im Hotel zur Krone in der Bahnhofstraße 20 trafen insgesamt 17 Personen zur Gründung des Vereins „Junge Bühne e.V.“. Es war die Geburtsstunde der heutigen Oldesloer Bühne, zu der am Gründungsabend 14 Theaterfreunde ihren Beitritt erklärten. In den Vorstand wurden Wilhelm Hensen, Hans Wohlers, Richard und Rainer Lieske, Rudolf Niebisch, Günter Geffe, Evelyn Kühn, Lothar Ribbe und Heinrich Lill gewählt. Bereits einen Monat nach der Neugründung wurde das erste Stück des Vereins „Aufregung in Freedensee“ aufgeführt, damals noch in der Thalia Filmbühne. Die erste Gastspielreise machte die Junge Bühne im November 1966. Das Stück „Mit Küchenbenutzung“ wurde in Bad Segeberg und in Eichede mit großem Erfolg aufgeführt.

Flotte Mannequins aus dem Kaufhaus Nickel und das Theaterstück „Der Meisterlügner“ mit Rudi Niebisch, Rainer Lieske und Günter Geffe begeisterten das Publikum im Februar 1967. Auch in Bad Segeberg gab es die Kooperation im Hotel Germania mit dem Textil-Modehaus Schierbeck. Innerhalb nur eines Jahres brachte der Theaterverein fünf Stücke auf die Bühne, mit rund 3000 Zuschauern in 15 Vorführungen. Der junge Verein wollte jetzt auch plattdeutsche Stücke auf die Bühne bringen und feierte Premiere mit „De Heiratsschwindlerin“.

Laut Stormarner Tageblatt wurde es der Oldesloer Bühne hoch angerechnet, dass sie sich nun auch in den Dienst der plattdeutschen Sprache stellte. Plattdeutsch wurde damals immerhin von 70 Prozent der männlichen und 64 Prozent der weiblichen Bevölkerung in Schleswig Holstein als Muttersprache angegeben. 1967 gründete der Verein einen Besucherring, um sein Programm noch abwechslungsreicher gestalten zu können. Doch Theaterspielen allein genügte nicht. Die Spieler probten mit Engelsgeduld und bauten bis tief in die Nacht hinein an den Kulissen. Inzwischen hatte die junge Bühne 34 Mitglieder und spielte 1968 drei hochdeutsche und zwei plattdeutsche Stücke.

Problematisch für die Bühne war, dass sie demnächst nicht mehr an drei Abenden in der Thalia Filmbühne aufführen konnte, sondern die kurz vor der Vollendung stehende neue Sporthalle der Stadtschule mit nur einer Vorstellung je Stück nutzen sollte.

Auf der Mitgliederversammlung 1968 in Wiggers Gasthof wurde die Junge Bühne schließlich einstimmig in „Oldesloer Bühne“ umbenannt. Außerdem stellte der Verein gemeinsam mit dem Kaufhaus Nickel die neue Herbst- und Wintermode im Oldesloer Hof vor und Mode aus Paris, Berlin, München, Zürich und London wurde präsentiert.

Eine besondere Aufführung gab es im Juni 1969. In dem plattdeutschen Stück „Kramer Kray“ spielten damals Richard Lieske, Hannelore Thomsen, Ursula Rogge, Peter Clasen, Gisela Wilken, Herta Barth und Günther Mirus. Die Einnahmen der turbulenten Komödie wurden einer Klasse der Königin-Luise-Schule gespendet, die im Herbst eine Studienreise nach England unternehmen wollte. Außerdem kam es zu einem echten Kriminalfall, denn die Oldesloer Bühne wurde bestohlen.

Dreiste Diebe klauten aus dem Raum, in dem die Kulissen verwahrt wurden, Gardinen und verschiedene Gebrauchsgegenstände. Im Herbst des Jahres 1969 wurde der zweite ordentliche Verbandstag der Volks- und Laienspielbühnen Schleswig-Holstein e.V. in Bad Oldesloe im Gemeindehaus Rümpeler Weg abgehalten, der unter dem Motto „Theater ist ein Spiegelbild des Lebens“ stand.

Fortsetzung folgt!


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erstellt am 27.Jan.2016 | 14:58 Uhr

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